ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Anschlussfinanzierung: Die Darlehensverlängerung frühzeitig planen

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Anschlussfinanzierung: Die Darlehensverlängerung frühzeitig planen

Vetter, Michael

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Kreditnehmer profitieren weiter von den niedrigen Zinsen. Je nach verbleibender Laufzeit lohnt sich auch für Praxisinhaber eine vorzeitige Darlehensverlängerung.

Des einen Freud ist des anderen Leid. Wie im ersten Teil dieses Sprichworts dürften sich derzeit Praxisverantwortliche fühlen, deren Zinsbindung ihres Immobiliendarlehens in den kommenden Monaten ausläuft und verlängert werden muss. Während Geldanleger tatsächlich eher leiden und seit vielen Monaten mit Minizinsen vorliebnehmen müssen, profitieren Darlehensnehmer von nach wie vor günstigen Kreditzinssätzen, die es bei bevorstehenden Verlängerungen („Prolongationen“) auch langfristig zu sichern gilt. Eine solche Verlängerung sollte aber sorgfältig und vor allem rechtzeitig geplant werden.

Zu einer professionellen Planung, die je nach persönlichem Aufwand bereits etwa zwei Monate vor dem jeweiligen Verlängerungstermin beginnen sollte, gehört vor allem die realistische Einschätzung der eigenen künftigen finanziellen Lage und der damit verbundenen Höhe der späteren langfristigen Zins- und Tilgungsraten. Möglicherweise bietet sich bereits zum Ablauftermin der bevorstehenden Zinsbindung durch eine dann zur Verfügung stehende Liquiditätsreserve eine Teilrückzahlung des ausstehenden Darlehensbetrages an, so dass sich die Kapitalkosten, also die Zins- und Tilgungsraten, entsprechend verringern.

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Sowohl Banken als auch sonstige Kreditgeber wie Versicherungsunternehmen können die Auswirkungen unterschiedlicher Zins- und Tilgungsraten auf die künftige Kreditlaufzeit durch die Darstellung konkreter Berechnungsbeispiele nachvollziehbar aufzeigen. Das gilt ebenfalls für unterschiedliche Restlaufzeiten des zu verlängernden Darlehens: Wenn der Kreditnehmer, je nach Zinseinschätzung, beispielsweise an einer künftigen Laufzeitenaufteilung des Restdarlehens zwischen fünf und zehn Jahren und an den damit verbundenen unterschiedlichen Zinssätzen interessiert ist, sind auch diese finanziellen Auswirkungen durch übersichtliche Zins- und Tilgungspläne schnell erkennbar. Im Ergebnis können im Laufe der Jahre je nach Dauer der Zinsbindung beziehungsweise der Restlaufzeit des Darlehens durchaus fünfstellige Zinsbeträge eingespart werden.

Wenn keine persönlichen Überlegungen dagegen sprechen, sollte als erster Ansprechpartner zunächst der bisherige Kreditgeber um Angebote gebeten werden. Diese sollten etwa vier bis sechs Wochen vor dem Verlängerungstermin in schriftlicher Form beim Kunden vorliegen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein verbindlicher Hinweis darauf, wie lange sich das Kreditinstitut daran gebunden fühlt. Gleichzeitig sollte die Zweit- oder Drittbankverbindung ebenso um Offerten gebeten werden wie weitere Kreditgeber (zum Beispiel Versicherungen oder seriöse Internetanbieter). Diese Vorgehensweise war in der Vergangenheit nicht immer üblich, weil sich die Kreditnehmer häufig auf die Angebote des bisherigen Kreditgebers weitgehend verließen. In den derzeit schwierigen Zeiten, vor allem bei Kreditvergaben, ist ein solches Verhalten aber nicht mehr zu empfehlen.

Der Wettbewerb der Bankinstitute um Kreditnehmer mit einer guten Kreditwürdigkeit, die sogenannte Bonität, sollte von den Kunden professionell genutzt werden. Die mittlerweile deutlich erkennbaren Veränderungen im Verhalten der Finanzbranche lassen vermuten, dass die bisherige Hausbankfunktion mittelfristig immer mehr in den Hintergrund geraten wird und dass die Kunden weitaus intensiver als bisher die Dienstleistungen mehrerer Finanzanbieter vor einer Entscheidung miteinander vergleichen werden.

Kommt es vor allem aufgrund besserer Konditionen tatsächlich zu einem Wechsel des bisherigen Kreditgebers, sollten die damit verbundenen Kosten vom Darlehensnehmer natürlich sorgfältig und eingehend geprüft werden. Grund zur Sorge besteht aber in kaum einem Fall: Da meist nur eine Abtretung der zugunsten des bisherigen Kreditgebers als Sicherheit im Grundbuch eingetragenen Grundschuld an den neuen Gläubiger mit in der Regel relativ niedrigen Gebühren erfolgt, kann dieser Kostenfaktor in den meisten Fällen vernachlässigt werden. Immerhin erfolgt ein Wechsel regelmäßig zu günstigeren Zinssätzen, so dass die Kosten mehr als kompensiert werden sollten. Weitere Gebühren, etwa für die erneute Bonitätsprüfung des übernehmenden Kreditgebers, fallen üblicherweise nicht an. Aber um auch hier sicherzugehen, sollten dieser Punkt in den Vorgesprächen geklärt und die Zinsvorteile den jeweiligen Kosten gegenübergestellt werden.

Michael Vetter

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