ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Ambulante Versorgung: Internisten fordern eigene Hausarztgruppe

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Ambulante Versorgung: Internisten fordern eigene Hausarztgruppe

Meißner, Marc

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Gegen Engpässe in der hausärztlichen Versorgung: Die Internisten wollen verstärkt in die Lücke springen. Foto: BilderBox
Gegen Engpässe in der hausärztlichen Versorgung: Die Internisten wollen verstärkt in die Lücke springen. Foto: BilderBox

„Wir wollen eine eigene Gruppe für die hausärztlichen Internisten innerhalb des hausärztlichen Versorgungsbereichs mit eigenem Leistungsspektrum und einer eigenen Vergütung.“ Dies forderte der Präsident des Bundesverbands Deutscher Internisten (BDI), Dr. med. Wolfgang Wesiack. Vorbild sind die Regelungen für Kinderärzte, für die ein eigener Leistungsbereich in der hausärztlichen Versorgung existiert.

Viele junge Internisten würden nicht in die Niederlassung gehen, weil sie die Rahmenbedingungen mit pauschalierten Verträgen und eingeschränktem Leistungskatalog abschreckten, erklärte Dr. med. Wolf von Römer, Erster Vizepräsident des BDI. „Die Internisten finden sich dort nicht wieder, wenn sie ihr Handwerkszeug nicht mit in die Niederlassung nehmen können.“ Durch ein erweitertes Leistungsspektrum könnten dann auch schwerwiegendere Erkrankungen besser ambulant behandelt und viele Klinikeinweisungen vermieden werden. So könnten etwa technische Leistungen wie Elektrokardiogramme, Ultraschall und Lungenfunktionstests von internistischen Hausärzten durchgeführt werden. „Dafür wollen wir dann auch eine Einzelleistungsvergütung und keine Pauschalierung“, so Wesiack.

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Der BDI sieht gute Chancen, sich mit der Forderung durchzusetzen. Pro Jahr würden 3 000 Internisten, aber nur 300 Hausärzte ausgebildet. Wegen bestehender Engpässe brauche man im hausärztlichen Bereich vermehrt Internisten. mei

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Avatar #106084
dr.meyer
am Montag, 2. April 2012, 21:47

Quereinsteiger

Wie bereits kommentiert fehlen dem in der Klinik weitergebildeten Internisten wesentliche Teile, die in der Niederlassung in der Primärarztebene unabdingbar sind. Insofern ist ein Internist ein typischer Quereinsteiger, der nach seiner Klinikzeit und vor der Niederlassung als Hausarzt-Internist eine entsprechende Weiterbildung in Allgemeinmedizin absolvieren sollte. Besser wäre jedoch, wenn sich zukünftige Studenten der Humanmedizin direkt für die Allgemeinmedizin-Weioterbildung interessieren würden.
Dr. K.G. Meyer
Facharzt für Allgemeinmedizin
Kassel
Avatar #41712
peter.fl
am Sonntag, 1. April 2012, 17:14

ein weiterer Sargnagel?

Wohin führt denn die Logik des BDI? Zu einem weiteren Keil zwischen Hausärzten und zu Hausärzten erster und zweiter Klasse (finanziell gesehen, da durch vermehrte Einzelvergütungen die einen die Möglichkeit zur Mengenausdehnung auf Kosten der anderen haben). Statt, dass sich allgemein die Erkenntnis durchsetzt, dass wir die Attrktivität einer hausärztliche Niederlassung für alle steigern müssen und dafür sorgen müssen, dass es mehr qualitativ gut ausgebildete Hausärzte gibt, wird hier mal wieder der Lückenfüller propagiert. Zusätzlich sollen dann die Lückenfüller auch noch auf Kosten der eigentlich dafür qualifiziert ausgebildeten Allgmeinmediziner besser vergütet werden und das Hamsterrad der Mengenausweitungen aufs neue angeworfen werden. Vielen Dank für dieses Musterstück an Lobbyismus und für einen weiteren Sargnagel in der Etablierung einer qual. hochwertigen Primärversorgung in Deutschland. Wozu sollen dann überhaupt noch Ärzte den jetzt schon steinigeren Weg zum Allgemeinmediziner gehen, wenn sich der BDI hier durchsetzt?
Avatar #649229
Leister
am Sonntag, 1. April 2012, 17:10

Dr.Roland Leister

Die Hausärzte der Zukunft brauchen mehr geriatrisches, palliativmedizinisches und orthopädisches Wissen. Eine internistische Basis bleibt wichtig, aber ohne spezifisch allgemeinmedizinisches Wissen ist man schnell überfordert bzw der Überweisungsblock wird überstrapaziert und über die fachärztliche Fallzahlvermehrung sinkt weiter unser aller Punktwert.. Außerdem Herren Wesiack und Römer haben wir doch das Hamsterrad der Einzelleistungsvergütung endlich hinter uns gelassen und unterlassen inzwischen viel unnötigen Kram im Praxisalltag. Dafür haben die Kassen Verwaltungsleistungen auf uns abgewälzt, die es zu korrigieren gilt. Allein das würde das Betreiben einer Hausarztpraxis attraktiver machen.
Weiterhin schlage ich vor , möglichst bald einen Teil der Studienplätze direkt an vorgebildete Gesundheitsberufler zu vergeben(z.B. Krankenschwestern/-pfleger, ErgotherapeutInnen usw.) anstatt nur die intelligentesten AbiturientInnen zuzulassen, die nach einer Schnupperphase dann lieber Entertainer, Journalist oder Schauspieler werden. Solche Menschen haben sich im Alltag schon bewährt und wissen was an der medizinischen Basis zu leisten ist.
Avatar #649207
HOWagner
am Sonntag, 1. April 2012, 14:30

nicht ungefährlich

Herr Dr. von Römer bedauert: „Die Internisten finden sich dort nicht wieder, wenn sie ihr Handwerkszeug nicht mit in die Niederlassung nehmen können.“ Da kann ich nur sagen, hoffentlich bleibt der Internist mit seinem Handwerkzeug (Gastroskop, Herzkatheter, Bronchoskop) in der Klinik oder in der dortigen Spezialambulanz wo er hingehört und fängt nicht an eine etwas länger anhaltende Erkältungen zu bronchoskopieren, wenn er als Hausarzt niedergelassen wäre. Für das Identitätsproblem von sogen. Allgemein-Internisten (die es eigentlich ja gar nicht mehr gibt) können die Hausärzte nichts.
Avatar #596256
Blankenfeld
am Sonntag, 1. April 2012, 08:59

Das Problem (v)erkannt

Eine Ausbildung des Primärarztes ausschließlich in der Krankenhauswelt fördert die (existierende) teure Fehlversorgung der Bevölkerung, statt eine Primärversorgung auf hohem Niveau zu sichern. Natürlich kann ein Internist ein hervorragender Hausarzt werden, aber er wird es nicht durch seine 6 Jahre Weiterbildung. Primärärzte werden nur durch ausreichende Weiterbildung in der Primärversorgung gut ausgebildet. Da ich selbst nach 6 Jahren Innere mit nur einem Jahr Allgemeinmedizin (FA für Innere und Allgemeinmedizin) meine Weiterbildung beendet habe, weiß ich um die Mängel und Lücken meiner Ausbildung, die ich nun im Beruf füllen muss. Meine internistische Erfahrung macht mich nicht zum besseren Hausarzt, wenn auch nicht zum schlechteren.
Avatar #649172
Mehrländer
am Samstag, 31. März 2012, 23:49

Am Thema vorbei

Die Forderungen des BDI gelten nicht der Sorge um eine gute oder bessere hausärztliche Versorgung, sondern entsprechen Lobbydenken in Reinkultur. Spezialisten sollen unter dem Deckmantel "Hausarzt" die teure und ineffiziente organzentrierte Apparatemedizin in die Primärversorgung tragen. Dies soll auch noch besser vergütet werden als die arbeits- und zeitintensive aber hocheffektive menschenzentrierte sprechende Hausarztmedizin.
Die Sorge um die hausärztliche Versorgung entpuppt sich da sehr schnell als die Sorge um das Einkommen der überzähligen (3000 pro Jahr!) Internisten.

Interessenskonflikt: bin hausärztlicher Internist.
Avatar #104037
popert
am Samstag, 31. März 2012, 21:54

Monomanie

Herr Dr. Wesiak hat recht, wenn er feststellt, dass zu wenig Hausärzte ausgebildet werden. Mit einem mehrjährigen Zwangsaufenthalt in einem klinischen Teilgebiet wird allerdings ein zukünftig im hausärztlichen Bereich Tätiger nicht besser ausgebildet. Mit internistischer Monokultur lassen sich nicht 70-80% der primärmedizinischen Beratungsanlässe abdecken. Mit mehr Gastroskopen und Herzkathetern wird weder ein breites Spektrum abgedeckt noch das Budget vergrößert.
Es wird lediglich der Versorgungsbedarf der Kliniken besser gedeckt.
Es wird Zeit für Entscheidungen: in den nächsten 10 Jahren werden mehr als die Hälfte der Hausärzte in Rente gehen.
Es fragt sich, wie lange die Politik noch die Fortbildungshoheit den Krankenhäusern überlassen wird.

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