ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Hygienemanagement: Nachvollziehbare und praktikable Forderungen

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Hygienemanagement: Nachvollziehbare und praktikable Forderungen

Suckau, Marlen

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Nach mehr als zehn Jahren erfährt der Klassiker endlich eine Neuauflage – und den erfahrenen Anwender erfreut sofort, dass die Aktualität schon im neuen Untertitel sichtbar wird. Enormer Wissenszuwachs in der Krankenhaushygiene, aber auch eine stärkere mediale Präsenz von krankenhaushygienischen Problemen sind nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite ist eine zunehmende Verlagerung von Therapien in den ambulanten Sektor zu verzeichnen, so dass vollkommen zu Recht die speziellen Anforderungen an die Hygiene in sozialen Einrichtungen und in der ambulanten Pflege besondere Berücksichtigung finden.

Neu aufgenommen wurden unter anderem die aktuellen Themen, wie Aufbereitung von Medizinprodukten, rationale prophylaktische Antibiotika-Anwendung, Infektionsschutz im ambulanten und Heimbereich sowie Hygiene und Recht. Dabei scheinen die Autoren ständig die Frage nach dem tatsächlich notwendigen Maß an Hygiene in medizinischen und sozialen Einrichtungen berücksichtigt zu haben – was sehr weise ist, denn nur nachvollziehbare und praktikable Forderungen haben die Chance, akzeptiert und in der Praxis tatsächlich umgesetzt zu werden.

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Vor dem Hintergrund des vermehrten Auftretens von multiresistenten Erregern ist das Kapitel zur rationalen prophylaktischen Anwendung von Antibiotika ganz besonders wertvoll. Die Autoren scheuen sich nicht davor, detailreich auf mögliche Befundkonstellationen in den verschiedenen Fachrichtungen von der Chirurgie bis zur Onkologie einzugehen und konkrete Empfehlungen zu geben. Eine Bereicherung erfährt das Buch ebenfalls durch die ausführliche Darstellung von Ektoparasiten und Hygieneschädlingen, da das Wissen darüber zunehmend dünn gesät ist.

Angesichts der Tatsache, dass aufgrund von neuen Hygieneverordnungen in den Bundesländern ab Mitte des Jahres mit der forcierten Forderung nach Umsetzung von Hygienestandards in Krankenhäusern zu rechnen ist und dazu zusätzliches Fachpersonal ausgebildet werden muss, ist die Aufnahme eines Grundkurses Biostatistik und Studienplanung zu begrüßen. Einmal mehr bietet sich das Buch damit als Standardwerk für alle krankenhaushygienischen Lebenslagen an.

Umso mehr schmerzen die Kompromisse, die im Bemühen, das absolute Maximum an Informationen auf 641 Seiten unterzubringen, eingegangen wurden. Sehr viel Stoff wurde in die Online-Version verschoben, die Merksätze sind nicht gebührend durch Fettdruck oder größere Schrifttype hervorgehoben, und durch den Einbau aller Literaturnachweise in den Text mittels verwegener Klammerkonstruktionen ist der Text oft nicht flüssig lesbar. Hier sollte in einer Neuauflage auf mehr Komfort für den Leser geachtet werden. Bei der Gelegenheit könnten auch gleich die kleinen inhaltlichen Fehler bereinigt werden (zum Beispiel Aktualisierung der Anzahl der Behandlungseinrichtungen für hochkontagiöse lebensbedrohliche Erkrankungen, Meldungen über unerwünschte Arzneimittelwirkungen an das Paul-Ehrlich-Institut und nicht die gleichnamige Gesellschaft). Vielleicht lassen sich dann auch Sätze wie dieser vermeiden: „Tatsächlich ist eine effektive Infektionsprävention nur durch Bewusstmachung der persönlichen Verantwortung für den Patientenschutz auf allen Ebenen im Verlauf des Patientenpfads möglich.“

Es bleibt jedoch dabei: Die Autoren haben ein wichtiges, notwendiges, gutes Buch vorgelegt, dem man die nächste Auflage nicht erst in zehn Jahren wünscht.

Marlen Suckau

Axel Kramer, Ojan Assadian, Martin Exner, Nils-Olaf Hübner, Arne Simon (Hrsg.): Krankenhaus- und Praxishygiene. Hygienemanagement und Infektionsprävention in medizinischen und sozialen Einrichtungen. 2. Auflage, Urban & Fischer, München 2011, 666 Seiten, gebunden, 189 Euro

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