ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Berufsgruppen im Gesundheitswesen: Viele Interessen, ein Patient

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Berufsgruppen im Gesundheitswesen: Viele Interessen, ein Patient

Hibbeler, Birgit

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Wenn die Berufsgruppen kooperieren, profitiert davon besonders der Patient. Foto: iStockphoto
Wenn die Berufsgruppen kooperieren, profitiert davon besonders der Patient. Foto: iStockphoto

Zwischen den Berufsgruppen gibt es immer wieder kontroverse Diskussionen – insbesondere wenn es um die Aufgabenverteilung geht. Die „Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen“ fördert den Austausch und die Kooperation.

Wer darf was? Wer macht was? Wer verantwortet was? Die Frage der Aufgabenverteilung spielt im Gesundheitswesen eine immer größere Rolle. Die Berufsgruppen – also etwa Ärzte, Pflegekräfte, Medizinische Fachangestellte und Physiotherapeuten versorgen eine wachsende Zahl multimorbider Patienten. Zugleich haben viele Professionen Nachwuchssorgen. Daher sei es wichtig, Synergieeffekte zu nutzen, erläuterte Dr. med. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK). Die Versorgung müsse mit einer vernünftigen Arbeitsteilung sichergestellt werden, sagte er bei der 24. Sitzung der „Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen“ Ende März in Berlin.

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Für die Aufgabenverteilung spielt die Qualifikation eine entscheidende Rolle. In diesem Bereich könnte sich nun einiges ändern. Die Europäische Kommission will unter anderem den Ausbildungszugang für Pflegekräfte ändern. Voraussetzung soll künftig eine zwölfjährige Schulbildung sein. Pflegeverbände begrüßen die Pläne und erhoffen sich davon eine Aufwertung ihres Berufs. Allerdings sind an den EU-Plänen zur gegenseitigen Berufsanerkennung viele kritische Stimmen laut geworden. Auch BÄK-Vize Kaplan befürchtet: Höhere Zugangsvoraussetzungen könnten die Nachwuchsprobleme der Pflege weiter verstärken, wirkten wie ein „Flaschenhals“. Die Fachhochschulreife als Voraussetzung zur Pflegeausbildung wäre aus seiner Sicht nicht zielführend. Neben den Änderungen auf europäischer Ebene steht in Deutschland darüber hinaus eine Reform der Kranken- und Altenpflege an. So ist es im Koalitionsvertrag zwischen Union und FDP vereinbart.

Unterdessen sehen die Pläne der EU auch Neuerungen für das Medizinstudium vor. Die Mindestdauer soll von sechs auf fünf Jahre reduziert werden – unter Beibehaltung der 5 500 Stunden Zeitumfang. Kaplan kritisierte diese Pläne. Er plädiert für eine Beibehaltung der sechs Jahre. Grundsätzlich sei aber das Ziel des Richtlinienvorschlags zu begrüßen, Qualität zu definieren und die Mobilität von Arbeitnehmern zu gewährleisten.

Thema auf der Fachberufekonferenz war auch die Heilkundeübertragungs-Richtlinie (§ 63 Abs. 3c SGB V). In Modellvorhaben sollen Pflegekräfte bestimmte ärztliche Aufgaben übernehmen – im Krankenhaus und im ambulanten Bereich. Eine weitere Neuerung (§ 28 SGB V): Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der Krankenkassen sollen für den ambulanten Sektor ärztliche Aufgaben festlegen, die an nichtärztliche Fachberufe delegiert werden können. Hier könnten dann die Medizinischen Fachangestellten (MFA), früher Arzthelferinnen genannt, im Vordergrund stehen.

Während einige Professionen hoffen, ihre Tätigkeitsfelder mit den genannten Gesetzesänderungen zu erweitern, gibt es auch Berufsgruppen, die mit Nachteilen rechnen. So befürchten die Diätassistenten, dass sowohl Pflegekräfte als auch MFA in der Ernährungsberatung vermehrt aktiv werden und ihnen Konkurrenz machen. Für die BÄK steht naturgemäß die Rolle des Arztes im Vordergrund. „Was arztentlastend ist, befürworten wir“, stellte Kaplan klar. Solle der Arzt jedoch ersetzt werden, sei dies abzulehnen.

Dr. med. Birgit Hibbeler

FachberufeKonferenz

Es ist besser, miteinander zu reden als übereinander. Das gilt auch im Gesundheitswesen. Auf Initiative der Bundes­ärzte­kammer wurde daher 1989 die Konferenz der Fachberufe gegründet. Sie soll das Verständnis für den anderen verbessern und bietet ein Forum für Diskussionen.

40 Verbände sind in dem Gremium vertreten – darunter Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Hebammen und Medizinische Fachangestellte. Die Fachberufekonferenz trifft sich einmal im Jahr.

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