ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Gesundheitsreform in China: „Das beste DRG-System der Welt“

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Gesundheitsreform in China: „Das beste DRG-System der Welt“

Osterloh, Falk

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Vor dem Unfallkrankenhaus Berlin: Renate Hess (Bildmitte) und Zhenzhong Zhang (Bildmitte rechts) umrahmt von Mitgliedern der chinesischen Delegation und Vertretern des ukb. Foto: ukb
Vor dem Unfallkrankenhaus Berlin: Renate Hess (Bildmitte) und Zhenzhong Zhang (Bildmitte rechts) umrahmt von Mitgliedern der chinesischen Delegation und Vertretern des ukb. Foto: ukb

Die chinesische Regierung will die Krankenhäuser des Landes im Rahmen ihrer Gesundheitsreform auf ein DRG-System umstellen. In Berlin holte sich eine chinesische Delegation Informationen aus erster Hand.

Seit mehr als 30 Jahren arbeiten China und Deutschland im Bereich Gesundheit eng zusammen. So unterschiedlich die Gesundheitssysteme der beiden Länder dabei sind, so ähnlich sind doch die Probleme, vor denen sie stehen. „In China beschleunigt sich die Urbanisierung sehr schnell, seit 2011 wohnen mehr Chinesen in Städten als auf dem Land“, erklärte der Generaldirektor des „China National Health Development Research Centers“ (CNHDRC), Prof. Zhenzhong Zhang, auf einem Workshop der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Medizin (DCGM) Mitte März in Berlin. Diese Entwicklung bringe medizinische Probleme mit sich. Zum Beispiel müsse sowohl in den dicht besiedelten östlichen Landesteilen als auch im ländlichen Westchina die Versorgung alter Menschen gewährleistet werden. „Wenn wir nicht reagieren, werden die jungen Menschen bis 2050 infolge des demografischen Wandels finanziell stark belastet“, sagte Zhang.

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Um das Gesundheitssystem auf die Herausforderungen der Zukunft einzustellen, hat die chinesische Regierung im Jahr 2009 eine umfassende Gesundheitsreform angestoßen. Oberstes Ziel es ist, der Bevölkerung einen universellen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Um dem demografischen Wandel zu begegnen und die älteren Menschen ambulant zu versorgen, plant China im Rahmen dieser Reform, sechs bis sieben Millionen Altenpfleger in den kommenden drei Jahren auszubilden.

Zudem will die chinesische Regierung in den nächsten Jahren circa 2 000 neue Krankenhäuser bauen und das System der Krankenhausfinanzierung umstellen. „Heute finanzieren sich die Krankenhäuser in China in erster Linie durch den Verkauf von Arzneimitteln“, erklärte Zhang. Das sei aber problematisch. Um dies zu ändern, entwickelt China derzeit ein Kodierungssystem, das in den kommenden Jahren in ein DRG-System nach deutschem Muster weiterentwickelt werden soll. Deutschland hat die hierzulande sowohl gelobten wie kritisierten Fallpauschalen 2004 eingeführt.

Interesse an DMP und Arzneimittelbewertungen

Um sich über die Erfahrungen deutscher Ärzte zu informieren, besuchte eine chinesische Delegation unter der Führung Zhangs das Unfallkrankenhaus Berlin (ukb), das Deutsche Herzzentrum Berlin und das Helios Klinikum Berlin-Buch.

„Das deutsche DRG-System ist das beste der Welt. Es war sehr eindrucksvoll, die Anwendung dieses Systems in der Praxis zu erleben“, sagte Xiaojun Shao vom CNHDRC. Interessant sei das deutsche DRG-System, weil es zum Beispiel Krebs und die Behandlung schwerwiegender und komplexer Krankheitsverläufe abbilde.

In China sollen noch weitere Fälle hinzukommen. Zum Beispiel werde auch die Traditionelle Chinesische Medizin mit aufgenommen sowie Leistungen aus einem vorstationären Bereich, erklärte Shao. Das chinesische DRG-System soll zunächst an einzelnen Pilotkrankenhäusern getestet und dann bis 2020 landesweit ausgerollt werden. Interesse bekundete die chinesische Delegation darüber hinaus auch an deutschen Disease-Management-Programmen (DMP), an telemedizinischen Anwendungen und an Arzneimittelbewertungen.

Die Leiterin der DCGM-Geschäftsstelle, Renate Hess, zeigte sich mit dem Workshop zufrieden. „Die Zusammenarbeit mit unseren chinesischen Kollegen und Freunden ist sehr eng und für beide Seiten produktiv und lehrreich“, sagte Hess. Die Kooperation werde auch in Zukunft weiter intensiviert werden. Hess lobte das Vorgehen der chinesischen Regierung bei ihrer Gesundheitsreform. China versuche, zunächst in Modellprojekten zu erfahren, ob ein neuer Ansatz funktioniere. Erst dann werde ein System für das ganze Land übernommen. „Das kommt bei uns manchmal zu kurz“, sagte Hess. „Denn manchmal sind wir sehr schnell mit unseren Reformen – da können wir von China lernen.“

Falk Osterloh

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