ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Schach: Die unergründliche Schachgöttin Caissa

SCHLUSSPUNKT

Schach: Die unergründliche Schachgöttin Caissa

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Vor kurzem sah ich eine Karikatur, in der sich ein Pinguin und ein Bär am Kaffeetisch gegenübersitzen und feststellen: „Ohne das Internet hätten wir uns nie kennengelernt!“

Nun, das können Prof. Dr. Eberhard Schwinger aus Lübeck und Dr. med. Heiko Schöning aus Hamburg nicht behaupten, schließlich ging Dr. Schöning mit Prof. Schwingers Sohn zusammen auf die Schule, doch ohne das Ärzteschachturnier hätten sie wohl nie eine Turnierpartie gegeneinander gespielt. Und es sollte ein episches Ringen der Generationen werden, welches mich an den unverwüstlichen, mittlerweile 81-jährigen Viktor Kortschnoi erinnerte, der mit besonderer Lust gegen die Enkelgeneration (bei Prof. Schwinger ist es noch nicht ganz so weit) spielt und denen eins auf die Pfoten gibt. Gewaltig senkte sich denn auch das Schlachtenglück bereits Prof. Schwinger zu, doch am Schluss begünstigte die unergründliche Schachgöttin Caissa doch den Jüngeren. Selbstironisch erstand darauf Prof. Schwinger beim Schachstand Mädler das Büchlein „Schach ist scheen . . . wenn man’s kann!“.

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Apropos Schachstand. Seit vielen Jahren ist das Ehepaar Manfred und Monika Mädler ein unverzichtbarer Teil des Ärzteturniers. Nicht nur, weil man dort alles Wissenswerte ums Schach finden, sondern auch von Manfred Mädler, dessen Herz und Zunge in Schachdingen gerne überfließen, allerlei Vergnügliches erfahren kann. Zum Beispiel, dass es beim OBI-Baumarkt ein Jahr lang Klobrillen mit einer Schachstellung zu kaufen gab. Wem das noch nicht genügt, für den gibt’s Klopapierrollenhalter mit Schachfiguren. Wie tröstlich (oder doch entsetzlich?!), dass man überall von Schach umgeben sein kann! Allerdings frage ich mich in lichten Momenten doch, ob die abends in geselliger Runde bei etlichen Schoppen Ahrwein geborene Idee von Schachgrabsteinen mit Endspielstellungen oder wahlweise einem ewigen Schach nicht etwas übers Ziel hinausschießt.

Bleiben wir beim nüchternen „juego ciencia“, wie die Spanier das Schachspiel auch nennen. Oder vielleicht doch nicht ganz, denn vor dieser Stellung beim letztjährigen Ärzteturnier (noch können Sie sich zum diesjährigen vom 20. bis 22. April, wiederum in Bad Neuenahr, anmelden) saßen Dr. med. Matthias Birke als Weißer und sein Gegner Dr. med. Uwe Mehlhorn angesichts der beidseits gefährdeten Könige und großer Zeitnot sicher nicht mit dem Gleichmut eines Seneca. Dr. Mehlhorn gewann schließlich nicht nur diese Partie, sondern das ganze Turnier, doch mit einem nicht naheliegenden (Ablenkungsopfer-)Zug hätte Weiß alias Dr. Birke in siegbringenden (materiellen) Vorteil kommen können. Wie?

Lösung:

Nach 1. Le6! hätte die schwarze Dame dieses zweifelhafte Geschenk annehmen und die Deckung ihres Turms aufgeben müssen: 1. . . . Dxe6 2. Dxh4 mit weißer Gewinnstellung aufgrund des Qualitätsvorteils (Turm gegenüber Läufer). Übrigens wäre 1. . . . Dxd3 an 2. Df6+! Kh6 3. Dxh4+, nicht aber gleich 2. Dxh4?? wegen 2. . . . Dxf1 matt gescheitert. Schlussendlich wäre 1. Df6+ Kh6 nur ein Schlag ins Wasser gewesen, stets ist das essenzielle (Matt-)Feld f8 vom Läufer c5 überdeckt.

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