ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Genitale Herpes-simplex-Erkrankung: Vakzine schützt Frauen nicht vor HSV-2-Erkrankung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Genitale Herpes-simplex-Erkrankung: Vakzine schützt Frauen nicht vor HSV-2-Erkrankung

Warpakowski, Andrea

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Beide Herpes-simplex-Viren – Typ 1 (HSV-1) und 2 (HSV-2) – verursachen genitale Infektionen, Hauptursache ist HSV-2. In zwei früheren Untersuchungen mit diskordanten Paaren (ein Partner mit wiederkehrenden Herpes-genitalis-Infektionen, der andere HSV-seronegativ) hatte eine HSV-Vakzine, bestehend aus einer Untereinheit des HSV-2-Glykoproteins D, seronegative Frauen zu 73 beziehungsweise 74 Prozent vor der Erkrankung geschützt. Nun wurde die Vakzine in einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 8 323 HSV-1- und HSV-2-seronegativen Frauen untersucht (Herpevac Trial for Women). Die Partner der zwischen 18 und 30 Jahre alten Frauen mussten nicht seropositiv sein. Impfungen erfolgten zum Zeitpunkt 0, nach 1 und 6 Monaten. Die Frauen in der Kontrollgruppe erhielten jeweils eine inaktivierte Hepatitis-A-Vakzine. Primärer Endpunkt war der Schutz vor einer genitalen Herpeserkrankung nach zwei Impfungen.

Der primäre Endpunkt wurde nur bei 20 % der Geimpften erreicht und lag damit unterhalb des Signifikanzniveaus. Die Wirksamkeit beruhte auf der Schutzwirkung gegen eine HSV-1-Erkrankung (58 %), gegen eine HSV-2-Erkrankung war die Vakzine nicht wirksam. In der Kontrollgruppe war eine genitale Herpeserkrankung häufiger durch HSV-1 als durch HSV-2 verursacht (21 versus 14 Fälle). Nach 3 Impfungen stieg die Wirksamkeit gegen HSV-1 auf 77 %, gegen HSV-2 war sie weiterhin unwirksam.

Fazit: In einer großen, randomisierten, doppelblinden Studie wurde mit einer von GlaxoSmithKline entwickelten HSV-2-Vakzine keine statistisch signifikante Schutzwirkung gegen eine genitale HSV-2-Erkrankung erzielt. Die Autoren führen dieses überraschende Ergebnis auf die im Vergleich mit den früheren Studien unterschiedlichen Teilnehmerpopulationen zurück: In der aktuellen Studie war das Infektionsrisiko geringer, da ein seropositiver Partner kein Einschlusskriterium war. Für einen gewissen Schutz vor einer genitalen HSV-1-Erkrankung könnten eine niedrige Viruslast, oral-genitale Transmission und ungünstige Bedingungen für die Virusvermehrung nach Vakzinierung Gründe sein. Warum kein Schutz gegen HSV-2 besteht, ist unklar. Der Hersteller hat die weitere Entwicklung der HSV-Vakzine eingestellt. Andrea Warpakowski

Belshe RB, et al.: Efficacy results of a trial of a herpes simplex vaccine. NEJM 2012; 366: 34–43. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote