ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Online-Beratungsprogramm: Nachhaltige Bewegungstherapie

TECHNIK

Online-Beratungsprogramm: Nachhaltige Bewegungstherapie

Manteuffel, Leonie von

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Die erfahrene Bewegungstherapie in der medizinischen Rehabilitation und die ärztliche Empfehlung, Sport und physiotherapeutische Übungen fortzusetzen, reichen bei vielen Patienten nicht aus, um einen körperlich aktiven Lebensstil zu pflegen. Hier setzt ein Forschungsprojekt der Freien Universität (FU) Berlin und der Deutschen Rentenversicherung Bund an, das die interaktiven Möglichkeiten neuer Medien für eine patientorientierte Beratung nutzt.

In einem gesundheitspsychologischen Projekt wurde ein computergestütztes Online-Beratungsprogramm entwickelt, das die Selbstmanagementkompetenzen bei orthopädischen und kardiologischen Erkrankungen schon während der medizinischen Rehabilitation stärken soll. Das Programm „FaBA“ (Förderung eines aktiven Bewegungs-Alltags) ist interaktiv angelegt und bezieht individuelle Voraussetzungen und Interessen ein, um möglichst maßgeschneidert zu beraten. Schrittweise werden Motivation, Bewegungsideen, Handlungspläne und ein Barrieremanagement erarbeitet und zum Beispiel anhand von Testimonials anderer Patienten verstärkt („Das machen andere Rehapatienten in ihrem Alltag nach der Reha: . . .“). Als „Alltagsbegleiter“ dienen nach der Entlassung Bewegungstagebücher und Auffrischungssitzungen per Telefon.

Das Vorgehen gründet auf dem sozialkognitiven Prozessmodell gesundheitlichen Handelns (Health Action Process Approach, HAPA) nach Prof. Ralf Schwarzer, Leiter der Abteilung für Gesundheitspsychologie an der FU. Den Anfang bildet dabei die Motivation eines Patienten, das eigene Verhalten zu verändern. Sie wird wesentlich von wahrgenommenen Gesundheitsrisiken und Selbstwirksamkeits- und Ergebniserwartungen beeinflusst und ist unterschiedlich ausgeprägt. Das Projektteam hat daher zwei FaBA-Versionen entworfen, die sich an Patienten mit wenig oder mehr Bewegungserfahrung respektive Bewegungsmotivation wenden: Für die „Non-Intenders“ beginnt die Beratung mit einem Abwägen erwarteter Vor- und Nachteile regelmäßiger Bewegung, wohingegen das Programm für Fortgeschrittene (Intenders) eine positive Einstellung voraussetzt und an Erfolgserlebnissen in der Umsetzung anknüpft: „Welche körperlichen Herausforderungen haben Sie in Ihrem Leben schon gemeistert?“

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„Bei Rehaende hatten die 476 Teilnehmenden eine stärkere Absicht zu körperlichen Aktivitäten und größere Selbstregulationsfähigkeiten entwickelt als die Kontrollgruppe“, berichtete die Forschungsleiterin Sonia Lippke, inzwischen Professorin an der Jacobs University Bremen, auf dem Rehawissenschaftlichen Kolloquium der Deutschen Rentenversicherung. Die Patienten bewerteten ihre Rehabilitation insgesamt positiver. Günstig hat das Programm offenbar auch die Ernährungsweise der Interventionsgruppe beeinflusst: So standen bei den Patienten sechs Wochen nach der Heimkehr etwa zwölf Prozent mehr Obst und Gemüse auf dem täglichen Speiseplan als bei der Kontrollgruppe von 439 Personen. „Aktivitätsförderung in der Rehabilitation unterstützt Aktivität und Ernährung“, fassten die Forscherinnen zusammen. Die Langzeitevaluation folgt im Jahr 2012. Leonie von Manteuffel

Informationen: Lippke S, Fleig L, Pomp S, Pimmer V: Förderung eines aktiven Bewegungsalltags – Welche Effekte haben computergestützte Beratungen zusätzlich zur Rehablitationsbehandlung bei orthopädischen und kardiologischen Rehabilitanden? www.forschung.deutsche-rentenversicherung.de (Tagungsband 20. Reha-Wissenschaftliches Kolloquium, S. 327–329; sowie Präsentation: „Patientenorientierung in der Bewegungstherapie I“) sowie unter www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/gesund/FaBA/faba_start.html

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