ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Börsebius: Die Drunter-und-drüber-Bank

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Börsebius: Die Drunter-und-drüber-Bank

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Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es bei den sprichwörtlichen Hempels so unterm Sofa aussieht, kann derzeit bei der Deutschen Bank fündig werden. Das Geldhaus ist nicht nur in etliche teure Rechtsstreitigkeiten verwickelt, sondern leistet sich in Sachen Ackermann-Nachfolge und dem damit verbundenen Umbau der Bank einen Grabenkrieg erster Güte. Da wird auf höchstem Niveau geholzt und intrigiert, dass es die einen gruselt und die Konkurrenz ergötzt.

Josef Ackermann geht, zwei folgen nach. Anshu Jain und Jürgen Fitschen heißt das neue Spitzenduo der Bank. Schon die Stabübergabe gerät zu einem Fiasko, weil das Verhältnis unter den Beteiligten in die Rubrik Eiseskälte fällt.

Eigentlich hatte Josef Ackermann von langer Hand geplant, wie er sein Haus bestellen wollte. Seine Idee war es, den ehemaligen Bundesbankchef Axel Weber zu seinem Nachfolger zu machen. Er selbst wollte sich auf den Thron des Aufsichtsratsvorsitzenden setzen und schrieb sich quasi Bewerbung und Zeugnis für dieses Amt gleich selbst. Mit beiden Personalideen scheiterte Ackermann kläglich. Axel Weber wurde aus dem Rennen geboxt mit der Begründung, er habe bloß Erfahrung als Notenbanker, jedoch keine als Geschäftsbanker.

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Ackermann reagierte mit dem Holzhammer und giftete zurück: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen. Persönlichkeit kann man aber nicht lernen.“ Anshu Jain und Jürgen Fitschen werteten das als schallende Ohrfeige gegen sich selbst und waren ab dem Zeitpunkt tödlich beleidigt. Das hielt die beiden aber nicht ab, beim Personal- umbau schlimme handwerkliche Fehler zu begehen. Die Bankenaufsicht kassierte einen neuen Vorstandskandidaten als ungeeignet ein. Das passiert noch nicht mal einer Kleinkleckersbank.

Warum ich Ihnen das alles erzähle? Sind diese Bubenringkämpfe für den Anleger wirklich von Interesse? Ich glaube, schon. Wer Aktien der Deutschen Bank besitzt, muss wissen, dass diese Titel gestern, heute und morgen fundamental unterschiedlich sind. Allein deswegen, weil die Deutsche Bank von demnächst nicht mehr die Deutsche Bank von wie gehabt sein wird. Der Trend ist eindeutig auf das Investmentbanking ausgerichtet (zulasten des Privatkundengeschäfts). Daraus folgt möglicherweise mehr Rendite, aber eben auch mehr Risiko. Und: Die internen Grabenkämpfe und das Rumoren in den unteren Managementebenen sind noch lange nicht ausgestanden. Ruhiges Fahrwasser sieht anders aus.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 7. April 2012 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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