ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Lippenspalte: Medical Correctness
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Der Artikel thematisiert terminologische Irrungen und Wirrungen, die in der Medizin immer wieder auftreten.

Ich bin froh, dass dieses Thema aufgegriffen wurde und hoffe, dass der Artikel eine bewusstseinsfördernde Wirkung hat. Oft scheint es so, als ob Kollegen nicht wissen, welche Wirkung eine nachlässige Formulierung einer Diagnose haben kann, nämlich als beleidigend, kränkend und diskriminierend empfunden wird.

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Als Kinderchirurgin begegnen mir regelmäßig Eltern, deren Kinder mit einer Fehlbildung geboren wurden. Ein sensibler Umgang mit Betroffenen beginnt im ersten Gespräch, in dem eine Fehlbildung als solche erklärt und benannt werden sollte. Von einer Missbildung zu reden, verletzt die Gefühle der Eltern, denn Missbildung wird auch heute noch mit Monster oder Missgeburt assoziiert, der Wechselbalg aus dem Märchen, den Gnomen oder Elfen untergeschoben haben, ist eine Missgeburt (miss = wechseln, vertauschen).

Neben terminologischem Fingerspitzengefühl ist bei der Visite und im Studentenunterricht Rücksicht auf die Gefühle Betroffener wichtig. Werden syndromale Stigmata eines Kindes in Gegenwart der Eltern für die Studenten hervorgehoben, erleben die Eltern diese – als abwertend empfundene Beschreibung des geliebten Kindes – als Kränkung. „Beachten Sie die tief ansetzenden Ohren, den tiefen Haaransatz, den gedrungenen Körper, die wulstigen Lippen, den kurzen, dicken Hals . . .“

Üben wir uns also in „medical correctness“ und meinen damit einen medizinischen Sprachgebrauch und Umgang mit Patienten und Eltern, der durch eine besondere Sensibilisierung gegenüber Minderheiten gekennzeichnet ist und sich der Antidiskriminierung verpflichtet fühlt.

Dr. Stefanie Märzheuser, Klinik für Kinderchirurgie, Charité – Universitätsmedizin Berlin,
13353 Berlin

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