ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Lippenspalte: Plädoyer für verbale Sensibilität
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Die Autoren stellen sehr anschaulich dar, wie weit umgangssprachliche Bezeichnungen wie „Hasenscharte“ und „Wolfsrachen“ für Lippen- und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten auch heute noch im Sprachgebrauch von medizinischen Laien, aber auch der Mediziner verbreitet sind. Sie verweisen am Beispiel der „Hasenscharte“ auf die Wurzel dieses Denkens in der sogenannten Hasentheorie. Diese beruht auf dem archaischen Volksglauben, dass das Erschrecken beim Betrachten eines Hasen in der Schwangerschaft zu einer Fehlbildung beim Kind führen könne, eben der sogenannten Hasenscharte. Dass diese Ausdrücke noch heute verwendet werden, ist unzeitgemäß und diffamiert von diesen Fehlbildungen betroffene Menschen. Auch im Bereich der Pränataldiagnostik gibt es zahlreiche, aus dem Volksglauben stammende Begriffe wie „Klumpfuß“, „Wasserkopf“, „Froschkopf“ oder so unschöne Worte wie „Steckdosennase“ oder ganz allgemein „Missbildungsdiagnostik“. Derartige Begriffe sind ängstigend und kränkend im eigentlichen Sinne des Wortes. Ich plädiere deswegen an dieser Stelle dafür, dass wir Gynäkologen, insbesondere Pränatalmediziner, unsere Wortwahl überdenken und mehr verbale Sensibilität im Umgang mit schwangeren Frauen erkennen lassen.

Prof. Dr. med. Jael Backe, 97070 Würzburg

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