ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012EHEC: Azithromycin verkürzt Dauerausscheidung

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EHEC: Azithromycin verkürzt Dauerausscheidung

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Das Antibiotikum Azithromycin verkürzt die Ausscheidungsdauer bei Patienten, die mit Enterohämorrhagischem Escherichia coli (EHEC) der Gruppe O104:H4 infiziert sind (JAMA 2012; 307: 1046–52). Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe um die Lübecker Ärzte Martin Nitschke (Nephrologie), Friedhelm Sayk (Gastroenterologie) und Johannes Knobloch (Mikrobiologie) beobachtete, dass nur 4,5 Prozent der Patienten mit einer Azithromycin-Therapie den Ausbruchsstamm EHEC O104:H4 über mehr als vier Wochen im Stuhl ausschieden, während mehr als 80 Prozent der Patienten ohne eine Antibiotikatherapie den Erreger nach vier Wochen weiterhin ausschieden. Nach sechs Wochen waren noch immer 57,7 Prozent der Patienten ohne Antibiotikatherapie Ausscheider des Erregers, während es in der mit Azithromycin behandelten Gruppe bereits nach fünf Wochen keinen Träger des Erregers mehr gab.

Da viele Patienten aufgrund der Ausscheidung eines darmpathogenen Erregers in ihrem privaten und beruflichen Umfeld eingeschränkt waren, hat sich die Arbeitsgruppe entschlossen, diesen Patienten eine Therapie anzubieten, um den Erreger aus dem Darm der Patienten vollständig zu eliminieren. In einer ersten Studie konnte der EHEC O104:H4 bei 15 Patienten innerhalb weniger Tage dauerhaft entfernt werden, ohne dass schwere Komplikationen bei den behandelten Patienten auftraten. Nach der Therapie konnten alle Patienten in einen normalen Alltag zurückkehren, einige sogar ihre Berufstätigkeit uneingeschränkt wieder aufnehmen.

Der EHEC-Ausbruch des letzten Jahres war der bisher größte seiner Art und betraf vor allem erwachsene Patienten, während bei anderen EHEC-Ausbrüchen häufiger Kinder betroffen waren. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein werden seither 117 HUS-Patienten ambulant nachbetreut (Campus Lübeck: 63 HUS-Patienten). Die eigentliche Therapie ist inzwischen abgeschlossen. Seitdem erfolgt für alle HUS-Patienten eine ambulante Nachsorge, um den Gesundheitszustand weiterhin zu kontrollieren.

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Einige, sehr wenige Patienten leiden noch an Symptomen wie dem Fatigue-Syndrom und geringen Eiweißausscheidungen über die Nieren bei normaler Nierenfunktion. Sonst gibt es keine dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Für viele Patienten war der Aufenthalt auf der Intensivstation allerdings eine traumatische Erfahrung, die sie nach wie vor belastet. EB

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