ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2012Morbus Alzheimer: Medikamente stoppen, wechseln oder kombinieren?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Morbus Alzheimer: Medikamente stoppen, wechseln oder kombinieren?

Dtsch Arztebl 2012; 109(14): A-711 / B-616 / C-611

Heinzl, Susanne

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Der Acetylcholinesterase-Inhibitor Donepezil ist zur symptomatischen Behandlung von Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Krankheit zugelassen. Er lindert die Symptome, hält die Progression der Erkrankung jedoch nicht auf. Bei einer weiteren Verschlechterung der Krankheit stellt sich die Frage, ob die Therapie abgebrochen werden soll oder ob eine weitere oder eine andere Substanz gegeben werden soll. Dieser Frage wurde nun in der DOMINO-Studie nachgegangen.

In die randomisierte, placebokontrollierte, vom britischen Medical Research Council finanzierte DOMINO-Studie (Donepezil and Memantine in Moderate-to-Severe Alzheimer’s Disease) wurden 295 zu Hause betreute Patienten mit mäßig schwerer bis schwerer Alzheimer-Krankheit mit einem Score von 5 bis 13 auf der SMMSE-Skala (Standardized Mini-Mental State Examination) aufgenommen. Sie waren schon mindestens sechs Wochen mit Donepezil (10 mg/Tag) behandelt worden und wurden in vier Gruppen randomisiert über 52 Wochen behandelt mit:

  • Donepezil-Placebo und Memantin-Placebo
  • Donepezil-Placebo und Memantin
  • Donepezil und Memantin
  • Donepezil und Memantin-Placebo.

Primäre Endpunkte waren klinisch relevante Veränderungen auf der SMMSE-Skala (mindestens 1,4 Punkte, höhere Scores bedeuten Verbesserung) und auf der BADL-Skala (Bristol Activities of Daily Living – mindestens 3,5 Punkte, höhere Scores bedeuten Verschlechterung, siehe Grafik).

In allen vier Gruppen verschlechterte sich die Erkrankung erwartungsgemäß. Bei weiter geführter Donepezil-Behandlung war die Progression jedoch im Vergleich zum Therapieabbruch verzögert: der SMMSE lag hier 1,9 Punkte höher (p < 0,001) und der BADLS 3,0 Punkte tiefer (p < 0,001). Donepezil wirkte bei Patienten mit mäßig schwerer Erkrankung besser als bei schwer erkrankten Patienten.

Alltagsfähigkeiten von dementen Patienten unter den Studientherapien
Alltagsfähigkeiten von dementen Patienten unter den Studientherapien
Grafik
Alltagsfähigkeiten von dementen Patienten unter den Studientherapien

Bei Patienten, die Memantin erhielten, war der SMMSE-Score um 1,2 Punkte höher (p < 0,001) und der BADL-Score um 1,5 Punkte niedriger (p = 0,02) als unter Memantin-Placebo. In beiden Skalen war die Verbesserung jedoch klinisch nicht relevant. Die zusätzliche Gabe von Memantin zu Donepezil hatte keinen signifikanten Nutzen im Vergleich zur Monotherapie mit Donepezil.

Fazit: Der Acetylcholinesterase-Inhibitor Donepezil kann auch bei schwereren Formen der Alzheimer-Erkrankung die Progression verlangsamen. Die Kombination mit Memantin – die in den USA häufig angewandt wird – hat keinen zusätzlichen Nutzen für die Patienten. Diese britische pharmakonzernunabhängige Studie zeigt nach Aussage von Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Christoph Lang, Erlangen, nachdrücklich, dass es sinnvoll ist, Alzheimer-Patienten selbst in fortgeschrittenem Stadium mit Acetylcholinesterasehemmern weiterzubehandeln. Patienten, denen diese Substanz genommen wird, fahren bereits nach etwa 4 Monaten schlechter als ohne Unterbrechung weiterbehandelte Patienten. Bedeutsam ist nach Lang zudem, dass als Beurteilungskriterium nicht nur die statistische Signifikanz, sondern auch die klinische Relevanz herangezogen wurde. Die gute Nachricht der Studie sei: Ein Präparat genüge. Die Kombination mit einem zweiten zugelassenen Medikament habe keine weiteren Vorteile. Der Schlüssel einer erfolgreichen Therapie liege offenbar in der Kontinuität. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Howard R, et al. Donepezil and memantine for moderate-to-severe Alzheimer’s disease. N Engl J Med 2012; 366: 893–903 MEDLINE
  2. Schneider LS. Discontinuing donepezil or starting memantine for Alzheimer’s disease. N Engl J Med 2012; 366: 957–958 MEDLINE
Alltagsfähigkeiten von dementen Patienten unter den Studientherapien
Alltagsfähigkeiten von dementen Patienten unter den Studientherapien
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Alltagsfähigkeiten von dementen Patienten unter den Studientherapien

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