ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2012Randnotiz: Schöner Trinken

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Randnotiz: Schöner Trinken

Dtsch Arztebl 2012; 109(14): A-681 / B-593 / C-589

Protschka, Johanna

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„Für mich nur Wasser.“ Wer sich traut, diesen Satz auf einer feucht-fröhlichen Abendveranstaltung zu sagen, muss mit schiefen Blicken rechnen. Eine Magenverstimmung oder – im Fall einer Frau im gebärfähigem Alter – eine vermutete Schwangerschaft muss dann als Vorwand herhalten, warum der Gast den „guten Tropfen“ verschmäht.

Keine Frage, der Alkoholgenuss gehört in unseren Breiten zur „Kultur“. Er macht „locker“, und es heißt: Wir treffen uns auf ein „Feierabendbier“ und nicht auf ein „Feierabendfruchtsaftgetränk“. Außerdem belegten Wissenschaftler aus Grenoble unlängst in ihrer Studie: „Die Schönheit liegt im Auge des Biertrinkers“, dass Testpersonen sich umso attraktiver und humorvoller finden, je mehr Alkohol sie trinken.

Das überrascht nicht wirklich. Doch – und das gibt wiederum zu denken – habe dieser Effekt gar nichts mit dem Alkohol zu tun, sondern gehe vielmehr auf die Vorstellungen zurück, die die Menschen mit dem Alkoholkonsum verbinden. Denn die Testpersonen der Studie, die glaubten, sie trinken Alkohol, obwohl ihr zu testendes Getränk gar keinen enthielt, hielten sich ebenfalls für besonders verführerisch. Probanden aber, die, ohne es zu wissen, ein Getränk bekamen, das Alkohol enthielt, fanden sich nicht attraktiver als sonst. „Unsere Studie zeigt, dass die schlichte Tatsache, zu glauben, dass man Alkohol getrunken hat, dazu führt, sich attraktiver zu finden“, bemerkt dazu Laurent Bègue, Professor für Sozialpsychologie, Universität Pierre-Mendès-France.

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Doch was heißt das nun für diejenigen, die einfach keine Lust auf Alkohol haben? Die bestellen sich weiterhin Wasser – am besten gleich mit einem Schuss Einbildung.

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