ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2012Arztbewertungsportal: Die Masse macht’s

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Arztbewertungsportal: Die Masse macht’s

PP 11, Ausgabe April 2012, Seite 161

Krüger-Brand, Heike E.

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Das Projekt „Weiße Liste“ bezieht zusätzlich Zahnärzte in die Online-Befragung ein und hat eine weitere Krankenkasse als Teilnehmer gewonnen.

Circa 37 Millionen gesetzlich Versicherte können inzwischen ihre Ärzte und Zahnärzte nach dem Praxisbesuch online beurteilen. Die Ergebnisse werden in einem Internetportal erfasst, das Patienten für die Arztsuche nutzen können. Grundlage hierfür ist die „Weiße Liste“, ein Projekt der Bertelsmann-Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen, in Kooperation mit der AOK und der Barmer-GEK (www.weisse-liste.de). Das Projekt wurde jetzt in zweifacher Hinsicht erweitert: So ist die Techniker-Krankenkasse als dritte große Krankenkasse seit Ende Februar 2012 ebenfalls an dem Projekt beteiligt. Außerdem können die Versicherten zusätzlich ihre Zahnärzte online bewerten.

Patienten sind mit ihren Ärzten zufrieden

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Das Portal, das seit Mai 2011 bundesweit online verfügbar ist, hat aktuell eine erste Bilanz gezogen: Circa 150 000 Bewertungen zu 40 000 Haus- und Fachärzten sind bislang erfasst. Diese werden dann veröffentlicht, wenn mindestens zehn Beurteilungen zu einem Arzt vorliegen. Daher sind derzeit erst Bewertungen zu insgesamt etwa 3 500 Ärzten abrufbar. „Wir wissen, dass es noch dauern wird, bis flächendeckend Ergebnisse abrufbar sind – das wussten wir von Anfang an“, erklärte Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Sie verwies darauf, dass zahlreiche weitere Kassen bereits ihr Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet hätten, und betonte: „Alle Krankenkassen sind eingeladen, sich zu beteiligen.“

Eine erste Auswertung des IGES-Instituts zu den vorliegenden Daten zeigt: Die Patienten sind überwiegend zufrieden mit ihren Ärzten. Zwischen den Fachrichtungen gibt es jedoch ein deutliches Gefälle. So würden 88 Prozent der teilnehmenden Patienten ihren Hausarzt „bestimmt“ oder „wahrscheinlich“ weiterempfehlen, aber nur 75 Prozent den beurteilten Facharzt. Umgekehrt würden lediglich zwei Prozent der Befragten ihren Hausarzt nicht wieder aufsuchen, wohingegen dies bei den Fachärzten immerhin zwölf Prozent bekundeten. 91 Prozent der Patienten fühlen sich zudem von äihrem Hausarzt in Entscheidungen zu anstehenden Untersuchungen und Behandlungen einbezogen, bei Fachärzten trifft dies auf 77 Prozent der Patienten zu.

Die Zufriedenheit mit der Arztkommunikation sei der wichtigste Faktor für die Weiterempfehlung durch die Patienten, hob Jürgen Graalmann, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes, hervor. Das Portal sei daher auch ein Angebot für die Ärzte und Zahnärzte, das diese zum Beispiel für ihr praxisinternes Qualitätsmanagement nutzen könnten.

Kritische, aber konstruktive Begleitung

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) will die Zahnarztbefragung im Arztbewertungsportal der Weißen Liste „kritisch, aber konstruktiv“ begleiten. „Das Portal ist vergleichsweise gut gegen Missbrauch geschützt, und Beurteilungen kommen nach einem auf wissenschaftlichen Ansätzen beruhenden Verfahren zustande“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der KZBV, Dr. Jürgen Fedderwitz. Gleichwohl könnten über Bewertungsportale nur weiche Faktoren abgefragt werden und keine Behandlungsqualität im klinischen Sinn, schränkte er ein.

Heike E. Krüger-Brand

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