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Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Universitäten können punkten

PP 11, Ausgabe April 2012, Seite 166

Sonnenmoser, Marion

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Die Universitäten können Psychologiestudium und Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung aufeinander abstimmen. Foto: picture alliance
Die Universitäten können Psychologiestudium und Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung aufeinander abstimmen. Foto: picture alliance

Die Angebote an universitärer Ausbildung zum Psychotherapeuten haben zugenommen – Tendenz steigend. Ein Vergleich zur Ausbildung an privaten Instituten.

Angehende Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten haben seit einigen Jahren die Wahl, ob sie sich an einer Universität oder an einem privaten Institut ausbilden lassen wollen. Besonders nach 1999 (nach dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes) hat die Zahl der universitären Ausbildungsangebote deutlich zugenommen, mit steigender Tendenz. Immer mehr Psychotherapeuten in spe bleiben nach dem Studienabschluss ihrer Alma mater oder zumindest dem akademischen Umfeld treu und wählen ein Ausbildungsinstitut, das an eine Universität angegliedert ist. Wie lässt sich dieser Trend erklären und was macht die universitäre Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung so attraktiv?

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Nach Angaben des Verbands Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im BDP (VPP e.V.) gibt es in Deutschland zurzeit mehr als 180 anerkannte Ausbildungsinstitute für Psychotherapie. Darunter sind 24 universitäre Institute, die dem Verbund „Universitäre Ausbildung für Psychotherapie e.V.“ (Unith e.V., Kasten) angehören. Alle Institute sind im Internet präsent und stellen dort mehr oder weniger ausführlich ihre Ausbildungsgänge vor. Viele Bedingungen und Elemente sind ähnlich, etwa Ausbildungsdauer, -inhalte und -abschlüsse. Daneben fallen folgende Unterschiede zwischen privaten und universitären Angeboten auf:

  • Die Kosten für eine Psychotherapieausbildung sind unabhängig von der Therapierichtung an universitären Instituten in der Regel geringer als an privaten. Im Gegensatz zu universitären Instituten verlangen private Institute explizit Anmelde- und Bewerbungsgebühren.
  • Bei der Auswahl der Bewerber legen universitäre Institute mehr Wert auf Formalien (zum Beispiel Zeugnisse), während private Institute stärker auf die persönliche Eignung und den persönlichen Eindruck achten. An universitären Instituten werden daher eher Assessment Center und ein relativ kurzes Auswahlgespräch eingesetzt, während an privaten Instituten oft mehrere, lange Auswahlgespräche geführt werden.
  • An universitären Instituten sind sowohl Wissenschaftler als auch Praktiker als Dozenten tätig, während an privaten Instituten vorwiegend Praktiker unterrichten und supervidieren.
  • An vielen universitären Instituten kann zweimal pro Jahr mit der Ausbildung begonnen werden, an den meisten privaten Instituten hingegen nur einmal pro Jahr.

Darüber hinaus können universitäre Institute mit verschiedenen Vorzügen punkten, zum Beispiel mit folgenden:

Psychologiestudium und Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung können aufeinander abgestimmt werden, wodurch zum Beispiel unnötige Wiederholungen in der Theorie vermieden werden.

Durch die enge Anbindung an Wissenschaft und Forschung fließen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in die Ausbildung ein, und es besteht die Möglichkeit einer Beteiligung an aktuellen Forschungsprojekten (sogenannte Scientist-Practitioner-Modelle).

Besondere Forschungs- und Behandlungsschwerpunkte innerhalb des Studiengangs, des Instituts oder der Ambulanz können für Kompetenzerwerb, Vertiefung und klinische Spezialisierung genutzt werden.

Absolventen mit wissenschaftlichen Interessen werden besonders gefördert. Beispielsweise werden ausbildungsbegleitende Promotionsvorhaben unterstützt und Psychotherapieforschungsprojekte mit Stipendien gefördert (zum Beispiel durch den Verein für Weiterbildung und Forschung in Psychologischer Psychotherapie, WIPP e.V.).

An einigen universitären Instituten kann mit der praktischen Tätigkeit bereits vor der theoretischen Ausbildung begonnen werden.

Viele universitäre Institute bieten eine hohe zeitliche Flexibilität, zum Beispiel durch flexible Teilzeit- und Vollzeitausbildungsmodelle oder durch Theorievermittlung in Blöcken und an Wochenenden.

Es bestehen durch die universitäre Einbindung mehr Möglichkeiten der Ausbildungsfinanzierung. Während Absolventen privater Institute meist nur Einnahmen aus PiA-Stellen und anderen Honorartätigkeiten erzielen können, können Absolventen universitärer Institute darüber hinaus Restguthaben auf Studienkonten für die Bezahlung der Ausbildungsgebühren einsetzen (in Rheinland-Pfalz). Die Universitäten bieten zudem in unterschiedlichen Bereichen zahlreiche Tätigkeiten, Jobs und Stellen an, die die Finanzierung erleichtern. Die meisten universitären Institute sind zudem an attraktiven Standorten angesiedelt.

Angehende Psychotherapeuten, die sich für eine universitäre Ausbildung entscheiden, müssen sich als ordentliche Studierende an der jeweiligen Universität einschreiben und eine Semestergebühr entrichten, wodurch sie die gesamte universitäre Infrastruktur nutzen und von vielfältigen Angeboten und Vergünstigungen profitieren können zum Beispiel von ermäßigten Eintritten und Sozialversicherungsabgaben, verbilligtem Essen, Semestertickets sowie Sport- und Freizeitangeboten für Studierende. Darüber hinaus können Ausbildungskandidaten – sofern sie Studium und Ausbildung an derselben Universität absolvieren – in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und müssen weder umziehen noch Freunde zurücklassen. Von Vorteil ist auch, dass sie sich bereits am Institut und in der Stadt auskennen und somit auf berufliche und persönliche Kontakte zurückgreifen können, die sie bereits während der Studienzeit geknüpft haben.

Während universitäre Institute teilweise offensiv mit ihren Vorzügen werben, setzen private Institute stärker auf bekannte Dozenten, auf ihren Ruf und auf ihre Traditionen. Ob dies jedoch genügt, um der Konkurrenz durch die universitären Institute und dem zunehmenden Wettbewerb um Absolventen auf Dauer stand zu halten, wird sich zeigen.

Dr. phil. Marion Sonnenmoser

@Anerkannte Ausbildungsinstitute
für Psychotherapie:
www.bptk.de/links.html

Unith e.V.

Das Ziel von Unith e.V. (Verbund „Universitäre Ausbildung für Psychotherapie e.V.) besteht darin, durch eine enge Verknüpfung von staatlich anerkannter Psychotherapieausbildung mit Forschung in klinischer Psychologie und Psychotherapie eine hohe Qualität und Aktualität in der Ausbildung von Psychotherapeuten zu sichern. Mitglieder des Verbunds sind staatlich anerkannte, universitäre Ausbildungsstätten für Psychologische Psychotherapie oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Deutschland. www.unith.de

1.
Reysen-Kostudis B: Universitäre Ausbildung zur/zum KJP an der Freien Universität Berlin. Psychotherapeutenjournal 2011;
3: 293–4.
1.Reysen-Kostudis B: Universitäre Ausbildung zur/zum KJP an der Freien Universität Berlin. Psychotherapeutenjournal 2011;
3: 293–4.

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