ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2012Trennung und Scheidung: Risiko für die Gesundheit

Referiert

Trennung und Scheidung: Risiko für die Gesundheit

PP 11, Ausgabe April 2012, Seite 167

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Trennungen und Scheidungen sind manchmal tödlich – zumindest für junge Männer. Zu diesem Ergebnis kamen amerikanische Psychologen um David Sbarra von der University of Arizona, nachdem sie die Ergebnisse von 32 Studien ausgewertet hatten, an der mehr als 6,5 Millionen Teilnehmer aus elf Ländern mitgewirkt hatten. Die Studien belegten, dass eine Trennung oder Scheidung in der Regel eine extrem hohe Belastung darstellt, die sich negativ auf die psychische und körperliche Gesundheit auswirkt. Wie sich zeigte, haben Menschen unmittelbar nach einer Trennung oder Scheidung ein um 23 Prozent höheres Risiko, rasch und vorzeitig zu versterben, als Menschen, die in einer Partnerschaft leben. Bei Männern und Erwachsenen unter 65 Jahren ist das Risiko zudem höher als bei Frauen und Erwachsenen über 65 Jahren. „Ganz besonders gefährdet sind jedoch junge Männer“, so Sbarra und Kollegen. Junge Männer geraten stärker aus der Bahn als andere Personengruppen, weil sie auf den Trennungsstress extrem und geschlechtsspezifisch reagieren und dysfunktionale Coping-Strategien einsetzen, die das Risiko zu sterben deutlich erhöhen: Nach einer Trennung bewegen sie sich weniger als zuvor, ernähren sich schlechter und konsumieren verstärkt Alkohol, Nikotin und Drogen. Ihre bisherigen sozialen Kontakte vernachlässigen sie, so dass sie kaum Unterstützung erhalten. Darüber hinaus versuchen sie, ihre Emotionen und Probleme zum Beispiel durch Glücks- und Computerspiele und übermäßiges Fernsehen zu vergessen oder durch riskante Verhaltensweisen zu verdrängen. Das endet häufig tödlich. ms

Sbarra D, Law R, Portley R: Divorce and death. Perspectives on Psychological Science 2011; 6(5): 454–74.
David Sbarra, University of Arizona, 1503 E. University Blvd., Tucson, Arizona 85721– 0068 (USA), sbarra@mail.arizona.edu

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema