ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2012Psychopathologie: Filme erleichtern den Zugang

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Psychopathologie: Filme erleichtern den Zugang

PP 11, Ausgabe April 2012, Seite 180

Lengerke, Thomas von

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Das Finden guter Lehrfilme ist nicht immer einfach. Zugleich schauen sowohl Lehrende als auch Lernende zuweilen Kinofilme. Was liegt näher, als diese als Lehrmedium einzusetzen? Die klinischen US-Psychologen Wedding und Niemiec und die psychiatrische Pflegeexpertin Boyd stellen in dritter Auflage vorliegt, mehr als 1 500 Filme vor, die das Verständnis psychischer Störungen fördern können.

Im einführenden Kapitel „Filme und Psychopathologie“ geben die Autoren einen Überblick über die Darstellung von psychischen Störungen in Filmen (inklusive einschlägiger Aspekte der Filmproduktion) und des Einflusses von Filmen auf ihre öffentliche Wahrnehmung. In den 13 folgenden Kapiteln, die von Angststörungen bis Schizophrenie und von psychischem Stress bis sexuellem Missbrauch eine große Bandbreite psychologischer, psychosomatischer und psychiatrischer Themen abdecken, führen die Autoren in die Störungsbilder und Problematik ein, stellen ausgewählte Filme auch für die jeweiligen Subformen der Störungsklassen dar, geben Lektüretipps und benennen ihre filmischen Favoriten. Ein weiteres Kapitel greift speziell das Thema Behandlung auf. Jedes dieser Kapitel beginnt mit einer „Patientenevaluation“, in der jeweils der „Fall“ eines bekannten Protagonisten dargestellt wird (zum Beispiel der Hauptfigur des Films „A Beautiful Mind“, John Nash, im Kapitel zur Schizophrenie).

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Als Motivation für das Buch nennen die Autoren ihre Überzeugung, dass Filme geeignet sind, Studierenden den Zugang zur Psychopathologie zu erleichtern, Patienten zu inspirieren und interessierte Laien in das Gebiet psychischer Störungen einzuführen. Man kann dem zustimmen, obwohl in der (humanmedizinischen) Lehre Filmhelden die Arbeit mit (Simulations-)Patienten natürlich „nur“ ergänzen sollten. Insgesamt können alle genannten Zielgruppen von dem Buch profitieren – nicht zuletzt deshalb, weil es tatsächlich (trotz oder vielleicht gerade aufgrund des Zugangs über Filme) auch den Anspruch eines Lehrbuchs zu psychischen Störungen erfüllt. Bleibt eine kritische Lücke, die in der nächsten Auflage auf jeden Fall gefüllt werden sollte: Die Klärung der urheberrechtlichen Voraussetzungen des Einsatzes von Filmen in der Lehre im deutschsprachigen Raum überlässt diese Auflage dem geneigten Dozenten. Thomas von Lengerke

Danny Wedding, Mary Ann Boyd, Ryan M. Niemiec: Psyche im Kino. Wie Filme uns helfen, psychische Störungen zu verstehen. Huber, Bern, Göttingen u. a. 2011, 485 Seiten, kartoniert, 39,95 Euro

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