ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2012Status epilepticus: Benzodiazepine intramuskulär besser als intravenös

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Status epilepticus: Benzodiazepine intramuskulär besser als intravenös

Dtsch Arztebl 2012; 109(15): A-761 / B-660 / C-656

Gulden, Josef

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Die parenterale Gabe von Benzodiazepinen kann beim Status epilepticus die Krampfanfälle beenden. In den Studien, durch die das gesichert ist, wurden die Medikamente intravenös verabreicht, aber nichtärztliches Rettungspersonal bevorzugt häufig die einfachere und zuverlässiger handhabbare intramuskuläre Gabe. In der großen randomisierten US-amerikanischen RAMPART-Studie (Rapid Anticonvulsant Medications Prior to Arrival Trial) wurde geprüft, ob diese der i.v.-Gabe unterlegen ist.

Eingeschlossen wurden circa 900 Fälle von Status epilepticus, also von Anfällen, die bereits mindestens fünf Minuten angedauert hatten und bei Eintreffen der „Paramedics“ persistierten. Doppelblind und randomisiert verabreichten diese entweder Midazolam i.m. (mit einem Autoinjektor) oder Lorazepam i.v. Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, die beim Eintreffen in der Notaufnahme ohne Rescue-Medikation anfallsfrei waren. Er lag nach Midazolam i.m. bei 73,4 %, nach Lorazepam i.v. bei 63,4 %; sowohl der Test auf Nicht-unterlegenheit als auch der auf Überlegenheit von Midazolam fielen hochsignifikant aus (p < 0,001).

Bei den sekundären Endpunkten waren beide Behandlungen gleichwertig: 14,1 % (Midazolam) und 14,4 % (Lorazepam) der Patienten mussten über einen endotrachealen Tubus beatmet werden, Anfallsrezidive traten bei 11,4 % (Midazolam) und 10,6 % (Lorazepam) auf. Die i.m.-Gabe beschleunigte auch die Notfallbehandlung: Bei den Patienten, die anfallsfrei in die Notaufnahme kamen, waren zwischen Ankunft der Sanitäter und Applikation von Midazolam im Mittel 1,2 Minuten vergangen, bei Lorazepam hatte es mit 4,8 Minuten viermal so lange gedauert. In Bezug auf die anschließende Zeit bis zum Sistieren der Anfälle war allerdings Lorazepam schneller als Midazolam (1,6 vs. 3,3 Minuten). Keine Unterschiede gab es bei den Nebenwirkungen.

Fazit: Intramuskulär verabreichtes Midazolam ist bei Patienten im Status epilepticus mindestens so sicher und wirksam wie intravenös gegebenes Lorazepam.

Im begleitenden Editorial wird mit dieser Studie eine grundsätzliche Änderung der präklinischen Behandlung von Patienten im Status epilepticus gesehen, sofern in absehbarer Zeit ein Autoinjektor für Midazolam verfügbar wird. Dieser Applikationsform sei wegen der größeren Zuverlässigkeit auch der Vorzug vor nasalen oder bukkalen Galeniken zu geben. Letztere wiederum hätten eine Zukunft in der Prophylaxe eines Status epilepticus. Josef Gulden

Silbergleit R, Durkalski V, Lowenstein D, et al.: Intramuscular versus intravenous therapy for prehospital status epilepticus. N Engl J Med 2012; 366: 591–600. MEDLINE

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