ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2012Allgemeinmedizin: 84 Millionen Euro für die Weiterbildung

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Allgemeinmedizin: 84 Millionen Euro für die Weiterbildung

Dtsch Arztebl 2012; 109(16): A-787 / B-683 / C-679

Korzilius, Heike

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Die Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin wird seit 1999 finanziell gefördert, 2010 wurde das Förderprogramm neu strukturiert. Seither sollen die Ergebnisse jedes Jahr evaluiert werden. Nun liegt der erste Bericht vor.

Wirkt es, oder wirkt es nicht? Die Frage stellt sich insbesondere dann, wenn viel Geld fließt. Um mehr Transparenz über die Auswirkungen des Förderprogramms Allgemeinmedizin zu schaffen, verständigten sich die Vertragspartner darauf, die Ergebnisse jährlich zu evaluieren. Anlass dazu war eine Neustrukturierung des Programms, die am 1. Januar 2010 in Kraft trat (siehe Kasten). Jetzt haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Spitzenverband der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung zusammen mit dem Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung und der Bundes­ärzte­kammer den ersten Evaluationsbericht vorgelegt. Er ist eine Bestandsaufnahme des Jahres 2010 und soll die Grundlage schaffen, von der aus man die weitere Entwicklung des Förderprogramms bewerten kann.

Dem Bericht zufolge wurden 2010 in den Praxen niedergelassener Ärzte 3 263 und in den Krankenhäusern 1 923 Ärzte in Weiterbildung gefördert. Im ambulanten Bereich flossen Fördermittel in Höhe von rund 76 Millionen Euro, die je zur Hälfte von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und den Krankenkassen getragen wurden. Im stationären Bereich waren es circa 8,1 Millionen. Von den 10 460 Facharztanerkennungen, die die Lan­des­ärz­te­kam­mern im Jahr 2010 ausgesprochen haben, entfielen zehn Prozent (1 085) auf die Allgemeinmedizin.

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Mit einer Bewertung der aktuellen Zahlen tun sich die Vertragspartner allerdings schwer. Aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen im Zuge der Neustrukturierung sei ein Vergleich mit den Vorjahren nur bedingt möglich, heißt es im Evaluationsbericht. Es zeichne sich jedoch ab, dass der stark rückläufige Trend bei Ärzten in der Weiterbildung von 2008 auf 2009 im Jahr 2010 abgebremst werden konnte.

Im stationären Bereich ist dem Bericht zufolge ein leichter Anstieg der Zahl geförderter Stellen erkennbar. Positiv werten die Autoren dabei, dass 660 Krankenhäuser, jedes dritte in Deutschland, im Rahmen des Förderprogramms angehende Hausärzte weitergebildet haben.

Koordinierungsstellen gibt es bisher in zwölf Regionen

Gefördert wird die Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin seit 1999. Rein rechnerisch standen dafür seither jährlich etwa 100 Millionen Euro zur Verfügung. Doch die Förderkontingente wurden nur jeweils zu gut zwei Dritteln ausgeschöpft. KBV, DKG und Krankenkassen starteten deshalb 2009 einen neuen Anlauf, um die Weiterbildungsbedingungen zu verbessern. Im Fokus standen dabei die Weiterbildungsstruktur und die Vergütung. Denn während die allgemeinmedizinischen Weiterbildungsassistenten im Krankenhaus nach Tarif bezahlt wurden, rund 4 000 Euro brutto monatlich, erhielten sie im ambulanten Bereich meist nur 2 040 Euro. Das entsprach der Fördersumme. Die Vertragspartner einigten sich deshalb 2009 darauf, die Vergütung in der ambulanten Versorgung anzuheben.

Viel verspricht man sich darüber hinaus von der bundesweiten Einrichtung sogenannter Koordinierungsstellen. Sie sollen die angehenden Hausärzte bei der Organisation ihrer Weiterbildung unterstützen und als Vermittlungsstelle zwischen Krankenhäusern und Arztpraxen dienen. Koordinierungsstellen existieren inzwischen in zwölf der 17 KV-Bereiche. Die restlichen Regionen sollen in diesem Jahr folgen. „Programme wie die Förderung der Allgemeinmedizin sind ein wichtiger Baustein, um die Attraktivität des Arztberufs zu steigern“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. med. Andreas Köhler, anlässlich der Veröffentlichung des Evaluationsberichts. „Wenn wir eine wohnortnahe ambulante Versorgung aufrechterhalten wollen, müssen wir uns dafür starkmachen.“

Heike Korzilius

Das Förderprogramm

Seit 1999 fördern die gesetzlichen Krankenkassen und (anteilig) die private Kran­ken­ver­siche­rung allgemeinmedizinische Weiterbildungsstellen in den Krankenhäusern. Im ambulanten Bereich beteiligen sich die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zur Hälfte an der Fördersumme. Eine Neufassung des Förderprogramms trat am 1. Januar 2010 in Kraft.

  • Seither werden im ambulanten Bereich allgemeinmedizinische Weiterbildungsstellen statt mit 2 040 mit 3 500 Euro monatlich gefördert. In unterversorgten Gebieten gibt es einen Zuschlag von insgesamt 500 Euro.
  • Im Krankenhaus werden Stellen in der Inneren Medizin und ihren Schwerpunkten mit 1 020 Euro monatlich gefördert, in anderen Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung gibt es 1 750 Euro.
  • Flächendeckend sollen Koordinierungsstellen eingerichtet werden, um den Ärzten eine reibungslose Weiterbildung zu ermöglichen.
  • Eine Lenkungsgruppe auf Bundesebene bewertet jährlich die Auswirkungen des Förderprogramms.

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Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Samstag, 21. April 2012, 14:58

Peanuts

würde Sepp Ackermann das nennen. Lächerliche 84 Mios für ca. 5000 Ärzte. Das Monatsgehalt kann sich jeder selbst ausrechnen, jeder Bankit lacht sich tot.
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