ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2012„Work Hard Play Hard“: Schöne Hamsterräder

KULTUR

„Work Hard Play Hard“: Schöne Hamsterräder

Dtsch Arztebl 2012; 109(16): A-819 / B-711 / C-707

Osterloh, Falk

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Schöne neue Arbeitswelt: das neue Firmengebäude von Unilever. Fotos: Hupe Film
Schöne neue Arbeitswelt: das neue Firmengebäude von Unilever. Fotos: Hupe Film

Ein Dokumentarfilm zeigt, wie die moderne Arbeitswelt die Ausbeutung des einzelnen Mitarbeiters vorantreibt.

Zuerst klingt alles noch sehr schön. Lichtdurchflutet soll das neue Gebäude der Firma Unilever werden, erklären die mit dem Bau beauftragten Architekten. Auch modern und dynamisch soll es sein. Viele schöne Worte, doch irgendwann hat man das Gefühl: Es sind zu viele. Und etwas stimmt nicht daran, wenn die Architekten die neuen Orte der Begegnung in dem Gebäude loben: offene Kaffeeküchen zum Beispiel, in denen die Mitarbeiter bei einem Cappuccino ins Gespräch kommen sollen. Allerdings nur, wie es später heißt, um ihrem Gegenüber den entscheidenden Impuls für eine neue Idee zu geben, mit der der Umsatz der Firma gesteigert werden kann. In dem am 12. April in den Kinos angelaufenen Dokumentarfilm „Work Hard Play Hard“ gibt es viele solche Momente, in denen in schlichten Bildern der düstere Nachklang scheinbar gewöhnlicher Szenen aus der deutschen Arbeitswelt ausgelotet wird. Mitarbeitergespräche werden gezeigt, bei denen anhand von standardisierten Fragebogen der Leistungswillen junger Führungskräfte offenbart werden soll.

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Zwischen den Zeilen enthüllt der Film dabei den Impetus der modernen Wirtschaftswelt: die Verschmelzung vom Mitarbeiter mit seiner Firma. Der Mensch als Individuum soll aufgehen in einer Schaffensgemeinschaft aller, die herdengleich der von der Konzernspitze vorgegebenen Umsatzmaximierung folgt. In modernen Firmen werden dabei zum Beispiel individuelle Arbeitsplätze zugunsten unterschiedlicher Arbeitszonen aufgegeben, in denen die Mitarbeiter je nach Arbeitsanforderung arbeiten können. „Work Hard Play Hard“ legt offen, wie manche Firmen die Hamsterräder schön auskleiden, in die sie ihre Mitarbeiter zwängen. Dass dies nicht immer funktioniert, zeigt sich in einer morgendlichen Teambesprechung bei der Firma DHL. Dort verliest der Teamleiter pflichtbewusst einen Fragenkatalog, der die Einsatzbereitschaft der Belegschaft fördern soll. „Wie geht es euch heute?“, fragt er in die Runde. „Gestern war es besser“, bekommt er von einer Mitarbeiterin als Antwort. „Wieso?“ – „Gestern war ich nicht hier.“

Falk Osterloh

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