ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2012Glaukom: Jeder fünfte ältere Patient hat Gedächtnisprobleme

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Glaukom: Jeder fünfte ältere Patient hat Gedächtnisprobleme

Dtsch Arztebl 2012; 109(16): A-810 / B-702 / C-698

Gerste, Ronald D.

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Bei einer chronischen, unheilbaren Krankheit, welche eine regelmäßige Medikamenteneinnahme erforderlich macht, ist die Adhärenz der Patienten von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg. Beim Glaukom, das bei den überwiegend älteren Patienten in der Regel mit Augentropfen behandelt wird, die den Augeninnendruck senken sollen, sind die regelmäßige Applikation der Tropfen, die erneute Rezeptur und die augenärztlichen Kontrollen essenziell, um eine Progression der Schädigung des Sehnerven und damit eine mögliche Erblindung zu vermeiden. Non-Compliance gilt als größte Schwachstelle in der medikamentösen Glaukomtherapie.

In den USA hat eine Forschergruppe aus Ophthalmologen und Psychologen bei typischen Glaukompatienten, nämlich älteren Patienten im Durchschnittsalter von 70 Jahren, mit Hilfe einer Kombination von Testverfahren (California Verbal Learning Test, Verbal Fluency Subtest, Geriatric Depression Scale-15 Item und Geriatric Anxiety Inventory) die mentale Befindlichkeit und die psychische Leistungsfähigkeit evaluiert. Frühere, im Konzept ähnliche Studien hatten den Schwerpunkt ihrer Untersuchungen eher auf die Gesamtheit der Glaukompatienten und weniger auf die älteren unter ihnen gelegt.

In der aktuellen Studie hatten 44 % der Patienten eine Einschränkung in einer oder mehreren kognitiven Fähigkeiten: Bei 20 % lag eine Erinnerungsstörung vor, und bei statistisch jedem achten Studienteilnehmer fanden die Untersucher Anzeichen für eine leichte bis mittelgradige Depression.

Fazit: Gedächtnisstörungen seien bei Glaukompatienten häufig, resümieren die Autoren. Die regelmäßige Applikation von Augentropfen aber ist bei eingeschränktem Gedächtnis unwahrscheinlich. Der Augeninnendruck lässt sich neueren Studien zufolge auch operativ mit gutem Erfolg senken (2). So könnte die Glaukomchirurgie bei kognitiven Störungen von Patienten eine sinnvolle Alternative zur Medikation sein, zumindest dann, wenn die zu erwartende Lebenszeit nicht Jahrzehnte beträgt.

Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Yochim B, Mueller A, Kane K, et al.: Prevalence of cognitive impairment, depression, and anxiety symptoms among older adults with glaucoma. J Glaucoma 2012; 21: 250–4. MEDLINE
  2. Landers J, Martin K, Sarkies N, et al.: A twenty-year follow-up study of trabeculectomy: risk factors and outcomes. Ophthalmology 2012; 119: 694–702. MEDLINE

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