ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2012Praxiskredit: Die Grenze der finanziellen Leistungsfähigkeit

BERUF

Praxiskredit: Die Grenze der finanziellen Leistungsfähigkeit

Dtsch Arztebl 2012; 109(16): [94]

Vetter, Michael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Finanzkrise mit ihren zum Teil katastrophalen Auswirkungen auf Arztpraxen rückt ein Problem in den Mittelpunkt von Bankgesprächen, das in den vergangenen Jahren fast schon in Vergessenheit zu geraten schien: die Kapitaldienstfähigkeit.

Die Zahlen, die ihm von seinem Kundenberater bei der Hausbank präsentiert wurden, belegten es schwarz auf weiß: Karl-Heinz M., Praxisinhaber aus Bonn, hat im Verlauf des vergangenen Jahres offenbar mehr ausgegeben als eingenommen. Die Folge: Seine Kapitaldienstfähigkeit, also die Fähigkeit, seine Zins- und Tilgungsleistungen problemlos aus seinen Einnahmen zu finanzieren, befindet sich an einem kritischen Punkt. Ohne strukturelle Verbesserungen in seinem Ausgabeverhalten, so lautete die eindeutige Botschaft des Bankmitarbeiters, sehe das Kreditinstitut keine Möglichkeit, der von M. beantragten Kreditverlängerung eines Praxisdarlehens zuzustimmen. Im Gegenteil: Sollte er hier keine Konsolidierung herbeiführen, müsste er „vor dem Hintergrund der aktuell veränderten Kreditvergabepolitik“ seiner Hausbank mit einer zusätzlichen Kürzung seines Kontokorrentkredits auf dem Praxiskonto rechnen.

Dezente Hinweise überhört

Anzeige

M. hat die bisherigen, allerdings eher dezenten Hinweise seines Kundenberaters offenbar nicht sehr ernst genommen. Sonst wäre ihm nämlich aufgefallen, dass er bereits während des vergangenen Jahres einen Teil seiner Praxisausgaben über den Kontokorrentkredit finanzierte und diesen im Jahresverlauf von ursprünglich genehmigten 20 000 Euro auf nunmehr fast 40 000 Euro erhöhte. Da seine Bank dies trotz erwähnter Hinweise aber mitverantwortete, ging er stets davon aus, dass diese hoffentlich nur vorübergehende Liquiditätsschwäche keine Auswirkungen auf das Verhalten seines Kreditgebers haben würde. Darüber hinaus tröstete er sich mit dem Gedanken, dass die Bank an den Kontoüberziehungen ja selbst kräftig mitverdiente, so dass er an ein klärendes Gespräch mit seinem Kundenberater nicht dachte. Daher ging die Initiative zu diesem Gespräch von der Bank aus, in dessen Verlauf M. mit dem bei Bankinstituten üblichen Formular konfrontiert wurde: Darin wird nicht nur die Ausgabe- und Einnahmeseite der beiden letzten Jahre gegenübergestellt, sondern auch eine Bankprognose für die Kapitaldienstfähigkeit des Arztes im laufenden und im nächsten Jahr abgegeben. Die darin enthaltenen Zahlen wurden von der Bank auf der Basis der von M. und seinem Steuerberater regelmäßig eingereichten Unterlagen, wie den regelmäßigen betriebswirtschaftlichen Auswertungen und den Einkommensteuerbescheiden, ermittelt. Nicht eindeutig zuzuordnende Auszahlungen wurden von der Bank als Privatentnahmen angesehen. Genau an dieser Position scheiden sich die Geister: Während M. bisher die Überzeugung vertrat, dass seine Privatentnahmen seinem tatsächlichen Lebensstil entsprechen, beurteilt seine Bank deren Höhe als eindeutig überdurchschnittlich, so dass aus Sicht des Kreditgebers hier ein wesentlicher Grund für die Verschlechterung der Kapitaldienstfähigkeit von M. liegt. Der Bankmitarbeiter musste sich von M. aber auch Kritik anhören: Immerhin, argumentierte M., habe die Bank die schrittweise Erhöhung des Kontokorrentkredits zugelassen, ohne klar und deutlich auf die besorgniserregende Entwicklung hinzuweisen. M. ging vor diesem Hintergrund eben von einer nach wie vor akzeptablen Situation aus.

Sparpotenziale realisieren

Im Ergebnis kamen beide Seiten überein, dass M. gemeinsam mit seinem Steuerberater innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen Sparpotenziale vor allem bei seinen Privatausgaben ermitteln und zeitnah realisieren sollte. Auf der anderen Seite wird die Bank prüfen, ob sie die sehr ehrgeizigen Tilgungsraten der von M. ebenfalls aufgenommenen weiteren Praxisdarlehen auf ein vertretbares Maß kürzt. Diese Maßnahme würde M. einen jährlichen Liquiditätsgewinn von immerhin circa 7 000 Euro bringen. Darüber hinaus ist die Bank bei entsprechender Umsetzung des vorzulegenden Konzepts von M. bereit, das in wenigen Monaten zu verlängernde Darlehen bereits heute zu verbesserten Konditionen zu verlängern, was zu einer weiteren Verbesserung seiner Kapitaldienstfähigkeit führen wird.

Michael Vetter

Checkliste

  • Der Praxisinhaber sollte mehrmals jährlich selbst seine Kapitaldienstfähigkeit ermitteln. Bank und Steuerberater können die dazu erforderlichen Daten mitteilen.
  • Der Arzt sollt umgehend reagieren, wenn sich Liquiditätsprobleme andeuten. Falls erforderlich, ist dazu kurzfristig das Gespräch mit der Bank zu suchen.
  • Eine erhöhte Inanspruchnahme des Kontokorrentkredits ist zu vermeiden. Sinnvoller ist es, die Optionen eines möglichen meist weitaus preiswerteren Darlehens mit dem Bankberater durchzuspielen.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema