SUPPLEMENT: PRAXiS

Internet: Der Arzt und sein guter Ruf

Dtsch Arztebl 2012; 109(16): [20]

Bunnenberg, Steffen; Bertram, Konstantin

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Fotos: iStockphoto, Fotolia [m]
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Diffamierende, beleidigende oder unwahre Darstellungen zu Personen sind im Internet keine Seltenheit. Tipps zum Umgang mit rufschädigenden Inhalten im Netz

Bei allen Chancen, die das Internet bietet, bringt es doch bekanntlich auch zahlreiche „Risiken und Nebenwirkungen“ mit sich. Vor Phishing, Spam, Malware und ähnlichen allgemein bekannten Gefahren, derer sich die Mehrheit der Internetnutzer inzwischen durchaus bewusst ist, kann man sich vergleichsweise gut schützen. Eines der gefährdetsten und zugleich wichtigsten Güter – der gute Ruf – scheint Angriffen hingegen nahezu schutzlos ausgeliefert zu sein. Bestimmte Berufsgruppen – unter anderem Ärzte mit eigener Praxis oder in leitender Funktion – sind dabei besonders gefährdet. Selbst wer sich gar nicht aktiv im Netz präsentiert, muss damit rechnen, dass andere bereits dafür gesorgt haben, dass er im Netz auf mehr oder minder negative Weise präsent ist.

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Treffen kann es jeden – Prominente, Freiberufler, Geschäftsführer und Unternehmen. Mit Leichtigkeit kann der missgünstige Konkurrent, der verärgerte Patient, der ehemalige Mitarbeiter, der verlassene Lebensgefährte oder sonst jemand, der sich hierzu veranlasst sieht, im Netz Unwahrheiten, Halbwahrheiten, Beleidigungen oder auch intime Details verbreiten, und dies mit etwas technischem Geschick auch noch vollkommen anonym.

Ärzte sehen sich in Bewertungsforen, wie zum Beispiel sanego.de, jameda.de, docinsider.de etc., in denen Patienten ihre persönliche Meinung zur Behandlungsqualität kundtun können, teils vernichtenden Urteilen ausgesetzt. Sind diese in vielen Fällen auch noch so unsachlich und subjektiv, können sie doch erheblichen Schaden anrichten.

Das Internet vergisst nicht

Das geänderte Suchverhalten der Internetnutzer verschärft die Situation. Sucht heute ein potenzieller Patient einen guten Arzt oder wurde ihm bereits einer empfohlen, wird oftmals sogleich die Google-Suche bemüht, um sich ein erstes Bild von ihm zu verschaffen. Das, was dabei gefunden wird, bleibt unabhängig vom Wahrheitsgehalt zunächst an dem Arzt haften. Ist das Gefundene allzu negativ, wird der Suchende sich anderweitig umtun, ohne sich persönlich ein Bild von dem betreffenden Arzt zu machen. Wer auf diese Weise durch das Raster fällt, bemerkt dies fatalerweise gar nicht unmittelbar.

Hinzu kommt, dass das Internet in der Regel nichts vergisst. Konnte man zu „analogen“ Zeiten einen Rufschaden vielleicht noch aussitzen und abwarten, dass die Leute beizeiten neue Gesprächsthemen fanden, ist dies heute angesichts des insbesondere von Suchmaschinen wie Google gestützten Gedächtnisses des Internets kaum mehr möglich. Alles, was einmal auffindbar ist, bleibt dies in der Regel auch. Selbst der Inhalt gelöschter Internetseiten kann über den Cache der Suchmaschinen weiterhin abgerufen werden.

Der Betroffene wird sich in der Regel die vollständige Löschung der rufschädigenden Inhalte unmittelbar an der Quelle wünschen. Wird er durch die Inhalte rechtswidrig verletzt, hat er hierauf grundsätzlich auch einen Anspruch. Jedoch lässt sich dieser Anspruch längst nicht immer auch durchsetzen. Zu geschickt verstecken sich oft gerade jene, die bewusst und gezielt die Rechte anderer verletzen, hinter falschen Identitäten und lassen ihre Inhalte an Orten hosten, an denen Anwaltsschreiben und gerichtliche Entscheidungen allenfalls müde belächelt werden – sofern sie den Verantwortlichen überhaupt zugestellt werden können.

Doch es ist gerade die schier unendliche Fülle an Informationen im Netz, die dem Schutzsuchenden letztlich zugutekommt. Denn rufschädigende Inhalte richten umso mehr Schaden an, je besser sie gefunden werden können. Die Ideallösung besteht daher in vielen Fällen darin, Inhalte im Netz „unsichtbar“ zu machen. Nicht immer kann dies auf juristischem Weg erreicht werden. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein hohes, verfassungsrechtlich garantiertes Gut. Kritische Äußerungen über Dritte müssen grundsätzlich erlaubt sein, solange deren Interessen hierdurch nicht rechtswidrig beeinträchtigt werden. Auf der anderen Seite muss es demjenigen, der sich Kritik ausgesetzt sieht, auch gestattet sein, sich im Kontrast hierzu positiv zu präsentieren. Agenturen, die auf Online-Reputation spezialisiert sind, können hierbei eine große Hilfe sein. Sie verwenden vor allem PR-Maßnahmen und gezielte Suchmaschinenoptimierung, um den beschädigten Ruf im Netz zu reparieren. Rufschädigende Inhalte verschwinden hierdurch in der Regel nicht vollständig aus der öffentlichen Wahrnehmung, können aber durch positivere Inhalte aus den Top-Suchergebnissen verdrängt werden.

Löschung meist nur mit rechtlichen Mitteln

Die vollständige Löschung von Inhalten aus Bewertungsforen oder aus dem Suchindex von Suchmaschinen wie Google, Bing und Co. hingegen ist in der Regel nicht ohne anwaltliche Hilfe zu erwirken. Mit rechtlichen Mitteln kann man allerdings nur gegen Inhalte vorgehen, die rechtsverletzend sind. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn Unwahrheiten, falsche Eindrücke oder Beleidigungen verbreitet werden. Zudem müssen weitere Voraussetzungen vorliegen und bestimmte Schritte unternommen werden, damit Foren- oder Suchmaschinenbetreiber tatsächlich in die Haftung genommen werden können. Dennoch ist dies oftmals der einzig gangbare Weg, um den Ruf des Betroffenen – seine „Online-Reputation“ – effektiv zu verteidigen.

Dr. Steffen Bunnenberg, Dr. Konstantin Bertram,

Medienrechtsanwälte, Kanzlei Bunnenberg Bertram Rechtsanwälte, Berlin, info@bunber.de

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