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Kfz-Finanzierung: Barzahler bevorzugt

Dtsch Arztebl 2012; 109(16): [12]

Jobst, Peter

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Foto: Fotolia [m]
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Das Internet hat den Neuwagenkauf revolutioniert: Per Konfigurator lassen sich Ausstattung und Zubehör zusammenstellen, die Finanzierung ist in Sekunden berechnet. Doch gerade hier lohnen sich Vergleiche.

Die Barzahlung beziehungsweise die Überweisung des Kaufpreises bietet den größten Verhandlungsspielraum beim Autokauf. Käufer können hier Rabatte aushandeln, die oftmals weit jenseits der Zehn-Prozent-Grenze liegen – oft auch über Hauspreisen, Tageszulassungen oder Extras, die nicht berechnet werden. Je größer das Fahrzeug, umso höher sind die möglichen Nachlässe. Aber auch nicht mehr ganz so neue Modelle werden mit erheblichen Preiszugeständnissen offeriert. Dabei lohnen sich Vergleiche bei den Händlern vor Ort. Während große Autohäuser meist eher knappe Rabatte einräumen, sind bei kleineren Händlern häufig attraktivere Preise zu erreichen. Oftmals handelt es sich um Familienbetriebe, die mit geringen Personalkosten arbeiten und daher auch bereitwilliger Vorteile bei den Preisen gewähren – insbesondere, wenn der Kunde im Anschluss die Werkstattleistungen nutzen wird. Zudem erreichen sie auf diesem Weg schneller den Aufstieg in der Bonifikationsstaffel, die ihnen günstigere Einkaufskonditionen beschert.

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Ein weiterer Pluspunkt der Barzahlung: Der Käufer wird sofort Eigentümer des Autos und kann selbst entscheiden, wann er sich wieder davon trennen will. Nachteil ist, dass die Barzahlung aus eigenen Mitteln die Liquidität und damit den Spielraum für andere Anschaffungen belastet. Zudem muss ein Zinsverlust in Kauf genommen werden – eine Tatsache, die die Barzahlung insbesondere bei geschäftlicher Nutzung in vielen Fällen uninteressant macht. Schließlich können auch steuerliche Gründe gegen eine Barzahlung sprechen.

Alternative: Bankkredit

Als erste Alternative zur Barzahlung bietet sich die Kreditfinanzierung über eine Bank oder Sparkasse an. Gegenüber dem Autohändler kann der Käufer weiterhin als Barzahler auftreten. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus sind auch diese Darlehen in der Regel relativ preiswert. Allerdings sollte man sich nicht mit dem erstbesten Angebot abspeisen lassen: Viele Kreditinstitute gewähren guten Kunden auch sogenannte Allzweck- oder Anschaffungsdarlehen mit standardisierten Konditionen, erkennbar an einer Bearbeitungsgebühr von meist zwei Prozent und einem Monatszins von zum Beispiel 0,45 Prozent. Da solche Darlehen jedoch die persönliche Bonität kaum berücksichtigen, sondern allein auf das Massengeschäft ausgerichtet sind, liegen ihre Effektivzinsen oft deutlich über der Zehn-Prozent-Marke. Günstiger sind individuelle Vertragsvereinbarungen mit festem Jahreszins, bei denen persönliche Spielräume – etwa eine freie Grundschuld als Zusatzsicherheit – zugunsten niedrigerer Zinsen genutzt werden können.

Seit Anfang der 90er Jahre mischen auch die Autohersteller beziehungsweise deren Banken kräftig mit im „Poker um die Finanzierung“. Hier werden in der Werbung oftmals extrem niedrige Zinsen angepriesen. Wissen muss der Interessent jedoch, dass der Autokauf indirekt subventioniert wird. Oft muss der Händler einen Teil dieser Subvention aus eigener Tasche bezahlen. In den meisten Fällen besteht daher beim Kaufpreis selbst nur noch geringer Verhandlungsspielraum. Zu bedenken ist auch, dass nicht alle Hersteller-/Autobanken jedes Modell preiswert finanzieren. Vielmehr wird das billige Geld in erster Linie für den Kauf solcher Modelle angeboten, deren Absatzzahlen zu wünschen übriglassen oder – noch ungünstiger – die bald durch ein neues Modell abgelöst werden.

Stets ein Thema ist vor allem bei geschäftlich genutzten Fahrzeugen das Leasing. Wird der Vertrag bei einem freien Leasinggeber, zum Beispiel der Leasinggesellschaft der Hausbank, abgeschlossen, kann der Interessent wiederum als Barzahler auftreten und entsprechende Vorteile nutzen. Doch auch wenn die Kauf- und Vertragsabwicklung direkt von der Leasinggesellschaft vorgenommen wird, ist dies nicht unbedingt ein Nachteil: Als Großeinkäufer kann sie beim Händler beziehungsweise Hersteller erhebliche Rabatte einfordern – von denen der Kunde profitiert.

Leasingraten absetzbar

Gegenüber der Kreditfinanzierung sind die monatlichen Raten beim Leasing meist niedriger, weil nur die Abnutzung während der vertraglich vereinbarten Nutzungsdauer auf den Kunden umgelegt werden muss. Leasing bietet zudem gerade für Selbstständige den Vorteil, dass die Raten sofort als Betriebsausgaben absetzbar sind und – soweit zutreffend – die Mehrwertsteuer voll erstattet wird. Problematisch kann der vorzeitige Ausstieg aus einem Leasingvertrag werden. Auch hinsichtlich des Restwertes kommt es häufig zu Streit zwischen Leasinggebern und -nehmern.

Das Leasing über den Hersteller oder den herstellernahen Leasinggeber ist vergleichbar mit der Kfz-Finanzierung durch den Hersteller oder eine Autobank. Der Kunde kann nicht als Barzahler auftreten, dafür sind die Leasingraten oft günstig. Aber auch hier müssen Interessenten bedenken, dass die attraktivsten Konditionen meist solchen Fahrzeugmodellen vorbehalten bleiben, die schwer verkäuflich sind – ein Manko, das sich auch in dem beim Leasing wichtigen Restwert negativ niederschlagen kann.

Doch ob die Finanzierung oder der Leasingvertrag nun von einem Kreditinstitut, einer freien Leasinggesellschaft, vom Hersteller oder einer herstellernahen Bank stammt: In allen Fällen sind Besonderheiten zu berücksichtigen. So ist das klassische Darlehen ohne Anzahlung und mit festen, über die Laufzeit gleichmäßig verteilten Monatsraten heute schon die Ausnahme. Häufiger findet man die „Drei-Wege-Finanzierung“, auch als „Ballonkredit“ bezeichnet. Um die monatliche Belastung möglichst niedrig zu halten, wird hier eine Anzahlung von meist 20 Prozent verlangt, zudem wird ein Restwert kalkuliert, den der Wagen am Ende der Darlehenslaufzeit voraussichtlich bringen sollte. Die Folge: Da Anzahlung und Restwert – wie beim Leasing – in der Monatsrate nicht berücksichtigt werden müssen, liegt die laufende Belastung weitaus niedriger als im Fall einer herkömmlichen Finanzierung. Das Problem: Eine herkömmliche Finanzierung läuft nach einer bestimmten Zeit aus, und der Kunde kann dann selbst entscheiden, ob er das Fahrzeug weiterhin nutzt. Hingegen wird er bei einem Ballonkredit nach Ablauf der Finanzierungsdauer zu einer Entscheidung gezwungen. Entweder löst er den oftmals beträchtlichen Darlehensrest aus eigenen Ersparnissen ab und behält den Wagen, oder er entscheidet sich für den Neukauf, so dass der Restwert mit dem Restdarlehen verrechnet werden kann.

Beim Leasing kommt es auf die Vertragsgestaltung an:

  • Beim Leasing mit Kilometerabrechnung muss der Leasinggeber weitgehend allein das Restwertrisiko des Fahrzeugs tragen. Bei Vertragsabschluss wird eine Kilometerleistung vereinbart. Wird sie unterschritten, erhält der Leasingnehmer am Ende der Vertragslaufzeit einen bestimmten Betrag je Kilometer; bei Überschreiten der Kilometerleistung muss der Leasingnehmer einen Kilometersatz an den Leasinggeber zahlen.
  • Beim Leasing mit Restwertabrechnung wird bereits bei Vertragsabschluss mit einem voraussichtlichen Restwert kalkuliert, den das Fahrzeug nach Ablauf des Leasingvertrages haben sollte. Wird er unterschritten, muss der Leasingnehmer einen Teil der Differenz nachzahlen. Doch auch dann, wenn er so niedrig angesetzt war, dass das Fahrzeug am Ende der Vertragslaufzeit einen höheren Wert hat, ist der Kunde der Verlierer: Er hat während der Vertragslaufzeit zu hohe Leasingraten bezahlt und bekommt auch jetzt – aus steuerlichen Gründen – nur einen Teil des Mehrerlöses, den das Fahrzeug am freien Markt bringt.
  • Leasing mit Andienungsrecht sieht vor, dass die Leasinggesellschaft im Vertrag einen Kaufpreis festlegt, zu dem der Kunde das Fahrzeug später übernehmen muss. Ist der Wagen mehr wert, macht sie vom Andienungsrecht keinen Gebrauch, der Kunde geht leer aus. Ist der Wagen weniger wert, bekommt ihn der Kunde zum festgelegten Preis übereignet – und er muss ihn auch dann nehmen, wenn das Fahrzeug aufgrund veränderter Marktverhältnisse wesentlich weniger wert ist.

Doch ob Bankkredit, Autobankdarlehen oder Leasingvertrag: Es gibt keine festgelegten Regeln, welche Finanzierung die billigste und preiswerteste ist. Denn selbst wenn die von Autoherstellern gebotenen Zinssätze von zum Beispiel 1,9 Prozent verlockend erscheinen, verblassen sie gegenüber einer Sechs-Prozent-Finanzierung, die der Kunde bei seiner Hausbank erhält und die ihm als „Barzahler“ dafür einen Preisnachlass von 15 Prozent einbringt. Entscheidend ist jeweils der konkrete Einzelfall, bei dem die Zinsen, ein möglicher Nachlass und die weiteren Konditionen zu berücksichtigen sind. Hilfreich kann in diesem Zusammenhang ein Rechner der Stiftung Warentest sein, mit dem verschiedene Angebote verglichen werden können (www.test.de, Stichwort: Rechner Autokauf). Peter Jobst

Der Kunde kann nicht als Barzahler auftreten, dafür sind die Leasingraten jedoch oftmals konkurrenzlos günstig.

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