ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2012Edelmetallmärkte: Gewinnmitnahmen bei Gold

SUPPLEMENT: PRAXiS

Edelmetallmärkte: Gewinnmitnahmen bei Gold

Dtsch Arztebl 2012; 109(16): [3]

Löwe, Armin

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Der Goldpreis schwächelt seit einiger Zeit – ein Zeichen dafür, dass die Inflationsängste schwinden.

An den Edelmetallmärkten wechseln die Favoriten derzeit sehr häufig. Gegenwärtig liegt das gelbe Metall mit 1 655,58 US-Dollar je Unze (31,1 Gramm) wieder knapp vor dem weißen Metall, dem Platin, für das 1 591 US-Dollar zu zahlen sind. Platin kostet in normalen Zeiten mehr als Gold. In der heißen Phase der Währungsunruhen im August des letzten Jahres war Gold wieder zum teuersten Metall aufgestiegen. Dabei profitiert Gold neben der Schmucknachfrage vor allem von der Spekulation, Platin von der industriellen Verwendung, also von der Nachfrage der Automobilindustrie, die es für Katalysatoren benötigt.

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Klassisches Krisenmetall

Gold ist das klassische Krisenmetall und der klassische Inflationsschutz. Die Ängste um den Euro scheinen nach der unmittelbaren Rettung Griechenlands vor der Pleite nicht mehr so virulent wie noch im Herbst des letzten Jahres, als der Goldpreis über 1 900 US-Dollar stieg, und damit schwinden auch die Inflationsängste, weil weitere Lockerungen der Geldpolitik, die Inflationsgefahren heraufbeschwören, nunmehr weniger wahrscheinlich sind. Aber über Gold gehen die Meinungen stark auseinander. Der Markt wird erheblich von Emotionen – eben Ängsten – getrieben. Ob Angst immer ein guter Ratgeber ist? Zumindest in den letzten elf Jahren hat es sich ausgezahlt, auf Gold zu setzen. Anfang der Jahrtausendwende notierte das gelbe Metall bei 1 415,50 US-Dollar.

Doch seit einiger Zeit schwächelt der Goldpreis. Das liegt vor allem daran, dass viel spekulatives Geld in den Goldmarkt geflossen ist und sich heute die Gewinnmitnahme lohnt. Hedgefonds, die zuvor stark als Käufer in Erscheinung getreten waren, trennten sich seit dem dritten Quartal 2011 zu einem guten Teil von ihren Beständen. Dies geschah nicht, weil sie dem Gold misstrauten, sondern weil viele Anleger aus ihren Hedgefonds ausstiegen. Den Hedgefonds-Managern blieb nichts anderes übrig, als Gold zu verkaufen, um die Anleger auszahlen zu können.

Die in den USA registrierten Hedgefonds müssen ihre Goldtransaktionen quartalsweise an die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) melden. Daher weiß man über deren Aktivitäten am Goldmarkt gut Bescheid. Zu den Verkäufern gehörte auch der Hedgefonds-Manager John Paulson, der eigentlich als ausgesprochener Goldfan gilt. Der jüngste Verkaufsdruck ging demnach vom Terminmarkt und von den Derivaten aus. Die Nachfrage-Angebotsrelation beim physischen Metall scheint weiter intakt zu sein.

Gleichwohl scheiden sich am Gold die Geister. Die Investmentlegende Warren Buffet, der seinen Reichtum durch geschickte Unternehmenskäufe und -verkäufe erwarb, hält grundsätzlich nicht viel von Gold. Kürzlich hat er seine Warnung vor dem gelben Metall wieder bekräftigt. Ackerland und Unternehmensanleihen versprächen mehr Profit, meint er. Der Goldpreis könne nur steigen, wenn immer mehr Anleger auf den Zug aufspringen; also die Anleger sich überzeugen lassen, dass es mit dem Goldpreis weiter nach oben geht. Das ist im Prinzip bei allen börsennotierten Assets so, aber fundamentale Faktoren spielen bei der Aktieneinschätzung eine größere Rolle als beim Gold.

Keine Zinsen

Daran sollten Anleger denken, die sich „für alle Fälle“ Gold hinlegen, in der Hoffnung, damit einmal Zahlungen leisten zu können, wenn das ganze Währungssystem zusammenbrechen sollte. Wenn alle, die jetzt im Gold als einer vermeintlich sicheren Fluchtburg investiert sind, herauswollen, um damit ihre täglichen Zahlungen zu leisten, wird der Goldpreis, wie er auch immer ermittelt wird (ob in Euro, US-Dollar, der D-Mark, in Renminbi Yuan oder einer völlig neuen Währung), kaum seinen ursprünglichen Wert behaupten können.

Und Gold verzinst sich nicht, wirft anders als die Aktien keine Dividende ab. Auch die Immobilie, die bei den Deutschen als Krisenfluchtburg in Konkurrenz zum gelben Metall steht, liefert Mieterträge oder kann selbst zum Wohnen genutzt werden. Allerdings: Die Wertentwicklung lässt hier seit vielen Jahren zu wünschen übrig.

Gold dagegen hat seit der Jahrtausendwende einen rasanten Preisanstieg hinter sich. Aber damit hat sich auch ein hohes Rückschlagpotenzial aufgebaut. Die Herstellungskosten einer Unze Gold betragen lediglich 650 bis 800 US-Dollar – an den Märkten werden bis zu 1 000 US-Dollar mehr gezahlt.

Zehn Prozent als Grenze

Wer sich unbedingt absichern will, sollte aber keine Goldbarren horten, das ist viel zu teuer. Manche plädieren für Zertifikate, weil dies praktischer sei. Auch Goldmünzen sind sehr beliebt, weil sie in einigen Ländern offizielles Zahlungsmittel sind. Die meisten gängigen Goldmünzen können in Deutschland mehrwertsteuerfrei erworben werden, das gilt auch für Goldbarren.

Wer heute auf Gold setzt, weiß sich in einem Boot mit den Notenbanken. Nachdem diese jahrzehntelang Gold abgegeben haben, standen die Zentralbanken, allen voran die aus den Schwellenländern, zuletzt auf der Käuferseite. Die Goldkäufe der Zentralbanken im vergangenen Jahr sollen ein neues Rekordniveau seit dem Jahr 1964 erreicht haben. Aber der Privatanleger, der – anders als die Notenbank – Gold nicht zur Begleichung von Schulden verwenden kann, sollte nicht mehr als zehn Prozent seines liquiden Vermögens in Gold halten. Armin Löwe

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