ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2012Experimentelles Verfahren auf Kosten der Allgemeinheit
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Zwei Aspekte der Ablation von Nierennerven sollten angesprochen werden. Eine faszinierende Methode, die schon vor 30 Jahren in Tierversuchen extrem erfolgreich war und möglicherweise für Patienten hilfreich sein wird.

  • Die Ablation betrifft potenziell Millionen von Patienten alleine in Deutschland. Für eine solch breite Anwendung ist eine einzige kontrollierte Studie (Simplicity 2) von 102 Patienten über sechs Monate unzureichend, um eine weit gefaßte Empfehlung an die Deutsche Ärzteschaft abzugeben. Symplicity 2 schloss keine Placebogruppe mit Scheinbehandlung ein und der Endpunkt, also der Blutdruck, wurde nicht von unabhängigen Untersuchern geprüft. Diese unzuverlässsige Methodik erklärt möglicherweise, warum durch die Ablation der systolische Praxisblutdruck um 32 mmHg, der 24h-Blutdruck nur um 11 mmHg gesenkt wurde. Die von den Autoren ebenfalls diskutierte Arbeit zur Barorezeptor-Stimulation zeigt eindrucksvoll, welche markanten Blutdruckeffekte auch eine Scheinbehandlung bei Patienten mit therapierefraktärer Hypertonie haben kann. Die US-amerikanischen Behörden, im Gegensatz zu den deutschen, haben daher die Ablation von Nierennerven unseres Wissens nicht zugelassen und eine besser kontrollierte Studie gefordert.
  • Es ist bedauerlich, dass in unserem Gesundheitssystem eine experimentelles Verfahren auf Kosten der Allgemeinheit und nicht der Produzenten entwickelt wird, ganz im Gegensatz zu Pharmaka, die erst nach viel intensiverer Prüfung zugelassen werden. Ein freiwilliges Register unkontrollierter Daten ist keine Lösung, um den klinischen Wert der Ablation festzustellen; dazu dienen angemessene randomisierte klinische Studien von adäquater Dauer, das heißt bezogen auf die Indikation Hypertonie genügen nicht ein paar Monate. In welchem Ausmaß unkontrollierte Daten die Wirksamkeit von Interventionen in der Behandlung der Hypertonie überschätzen können, zeigt beispielhaft die Geschichte der Dilatation atherosklerotischer Nierenarterienstenosen.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0311c

Prof. Dr. med. Johannes Mann

Städt. Klinikum München-Schwabing, prof.j.mann@googlemail.com

Prof. Dr. med. Karl Hilgers, Prof. Dr. med. Roland Veelken

Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg

Prof. Dr. med. Friedrich Luft, Universitätsklinik Charité, Berlin

Interessenkonflikt

Prof. Hilgers erhielt Honorare für Beratertätigkeiten im Advisory Board von Daiichi Sankyo. Des Weiteren erhielt er Erstattung von Teilnahmegebühren, Reise- und Übernachtungskosten sowie Honorare für Vorträge von Novartis.

Prof. Veelken erhielt Erstattung von Teilnahmegebühren für Kongresse sowie Reise und Übernachtungskosten von Novartis. Für Vorträge erhielt er Honorare von Novartis und Roche.

Prof. Mann und Prof. Luft erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Mahfoud F, Himmel F, Ukena C, Schunkert H, Böhm M, Weil J: Treatment strategies for resistant arterial hypertension. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(43): 725–31. VOLLTEXT
1.Mahfoud F, Himmel F, Ukena C, Schunkert H, Böhm M, Weil J: Treatment strategies for resistant arterial hypertension. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(43): 725–31. VOLLTEXT

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