ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2012Neues Verfahren, aber für wen?
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Vor allgemeiner Propagierung des irreversiblen Eingriffs der perkutanen renalen Denervation sollten weitere Fragen geklärt werden, beispielsweise bei welchen Patienten ist ein dauerhafter Effekt zu erwarten (Reninbestimmung [1] sinnvoll?) und welche Gefahren für die Nierenfunktion (zum Beispiel durch Cholesterinembolisation) bestehen? Grafik 2 suggeriert – bei abnehmenden Fallzahlen – einen über zwei Jahre nach dem Eingriff zunehmenden blutdrucksenkenden Effekt im Gegensatz zur Subgruppendarstellung der Originalpublikation (2). Die bei wenigen Patienten dokumentierte eGFR (geschätzte, „estimated“, glomeruläre Filtrationsrate) sank im Verlauf von zwei Jahren deutlich. Nicht evaluiert oder absehbar nicht geeignet ist das Verfahren für fortgeschritten Niereninsuffiziente, Dialysepflichtige oder Nierentransplantierte, unter denen Therapieresistenz häufig ist. Für sie wäre eine Darstellung bereits bestehender Behandlungsmöglichkeiten wichtig. Die Tabelle „Medikamentöse Therapie …“ stiftet Verwirrung: Eine blutdrucksenkende Überlegenheit von Aliskiren im Vergleich zu anderen Hemmstoffen des Renin-Angiotensin-Systems ist nicht belegt, Alpha-1-Rezeptorblocker und Alphablocker sind dasselbe, Doxazosin fehlt, Endothelinantagonisten sind zur Behandlung der arteriellen Hypertonie nicht zugelassen. Vermisst wird auch die hervorragende Bedeutung des Salz-Wasser-Haushaltes (3) bei Therapieresistenz mit Berücksichtigung von Diät, Wirkdauer der Medikamente und der Nierenfunktion der Patienten. Aldosteronantagonisten in niedriger Dosierung werden bei primärer Hypertonie zusätzlich zu einem anderen Diuretikum gegeben. Den stärksten und sichersten antihypertensiven Effekt unter den genannten Substanzen hat das allerdings nebenwirkungsreiche Minoxidil. Mit diesen Anmerkungen soll eine Bereicherung des antihypertensiven Instrumentariums durch renale Denervation nicht bestritten werden. Vor dem Eingriff sollten jedoch die medikamentösen Möglichkeiten soweit möglich genutzt werden. Die vorliegenden Studien zeigen zudem, dass Antihypertensiva auch nach dem Eingriff genommen werden müssen.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0313a

Prof. Dr. med. Manfred Anlauf
Bremerhaven/Cuxhaven, Manfred.Anlauf@t-online.de

Prof. Dr. med. Franz Weber, St. Walburga-Krankenhaus, Meschede

Interessenkonflikt

Prof. Anlauf hält Aktien von Astella Pharma und Novartis.
Prof. Weber erhielt Honorare für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen von Daiichi Sankyo und Fresenius.

1.
Brown MJ: Personalised medicine for hypertension. Measuring plasma renin could refine the treatment of resistant hypertension. BMJ 2011; 343: d4697. CrossRef MEDLINE
2.
Symplicity HTN-1 Investigators: Catheter-Based Renal Sympathetic Denervation for Resistant Hypertension Durability of Blood Pressure Reduction Out to 24 Months. Hypertension 2011; 57: 911–7. CrossRef MEDLINE
3.
Appel LJ: Another major role for dietary sodium reduction: improving blood pressure control in patients with resistant hypertension. Hypertension 2009; 54: 444–6. CrossRef MEDLINE
4.
Mahfoud F, Himmel F, Ukena C, Schunkert H, Böhm M, Weil J: Treatment strategies for resistant arterial hypertension. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(43): 725–31. VOLLTEXT
1.Brown MJ: Personalised medicine for hypertension. Measuring plasma renin could refine the treatment of resistant hypertension. BMJ 2011; 343: d4697. CrossRef MEDLINE
2.Symplicity HTN-1 Investigators: Catheter-Based Renal Sympathetic Denervation for Resistant Hypertension Durability of Blood Pressure Reduction Out to 24 Months. Hypertension 2011; 57: 911–7. CrossRef MEDLINE
3.Appel LJ: Another major role for dietary sodium reduction: improving blood pressure control in patients with resistant hypertension. Hypertension 2009; 54: 444–6. CrossRef MEDLINE
4.Mahfoud F, Himmel F, Ukena C, Schunkert H, Böhm M, Weil J: Treatment strategies for resistant arterial hypertension. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(43): 725–31. VOLLTEXT

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