ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2012Schleswig-Holstein: Verbände beraten die Regierung

POLITIK

Schleswig-Holstein: Verbände beraten die Regierung

Dtsch Arztebl 2012; 109(17): A-843 / B-727 / C-723

Osterloh, Falk

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Im Auftrag des schleswig-holsteinischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums haben 19 gesundheitspolitische Organisationen Empfehlungen für eine bessere Patientenversorgung erarbeitet. Der Ge­sund­heits­mi­nis­ter will darauf hören.

Normalerweise geht der Direktor des Instituts für Gesundheits-System-Forschung (IGSF), Prof. Dr. med. Fritz Beske, auf die Politiker zu, um von ihnen die offene Analyse der Versorgungsrealität in Deutschland einzufordern. Dieses Mal war es umgekehrt. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium des Landes Schleswig-Holstein hat dem IGSF den Auftrag erteilt, zusammen mit den gesundheitspolitischen Akteuren des Landes eine Perspektive für die Gesundheits- und Pflegeversorgung zu erarbeiten. Auf Einladung des IGSF kamen so 19 Organisationen und Institutionen zusammen – von der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung über die Ärztegenossenschaft, die Universitätsklinik und Krankenkassen bis zu Pflege-, Apotheker- und Patientenverbänden.

„Ein derart umfassender Ansatz wurde erstmalig in Schleswig-Holstein versucht. Er hat Modellcharakter für das gesamte Bundesgebiet“, erklärte Beske bei der Präsentation der Projektergebnisse, die in der IGSF-Schriftenreihe Band 122 „Gesundheit und Pflege in Schleswig-Holstein“ zusammengefasst sind. „In Zukunft stehen mit ambulantem Sektor, stationärem Sektor, der Pflege und der Rehabilitation alle Gesundheitsbereiche in Konkurrenz zueinander um finanzielle Mittel und Personal“, sagte Beske. Wenn man sich nicht regional um die Integration dieser Bereiche kümmere, seien die aktuellen Probleme nicht zu lösen.

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Genau dies haben die 19 Verbände in ihrer Analyse der Versorgungsrealität getan und Empfehlungen formuliert, die von allen Seiten getragen werden. Dazu gehört zum Beispiel die Forderung nach Fallmanagern, die an „dafür geeigneten Schwerpunkten“ eingesetzt werden sollen, um dem Patienten dabei zu helfen, „die noch immer schwierigen Übergänge an den Grenzen zwischen stationärer, ambulanter, rehabilitativer und pflegender Betreuung“ zu meistern. Sie sollen für die Patienten individuelle Versorgungspläne erstellen und Probleme bei der Überleitung von einem Sektor in den anderen, insbesondere an Wochenenden und Feiertagen, vermeiden helfen.

Als Reaktion auf den demografischen Wandel und den Bevölkerungsrückgang schlagen die Verbände zudem Schwerpunktpraxen vor, die das gesamte Jahr über rund um die Uhr besetzt sind. Sie könnten als haus- und fachärztliche Anlaufstellen für Patienten in nicht mehr flächendeckend versorgten Regionen fungieren und würden zusätzlich eine medizinische Rehabilitation sowie eine Sozial- und Pflegeberatung umfassen.

Für die hausärztliche Versorgung fordern die Verbände die Vereinheitlichung der Dokumentation, indem sich die Kostenträger auf einheitliche Formulare für ihre diversen Anfragen einigen. Unnötige und redundante Formulare seien abzuschaffen.

Die Praxisgebühr solle durch eine sinnvollere Selbstbeteiligung ersetzt und Krankmeldungen, wie vor 1996, erst wieder ab dem dritten Krankheitstag verlangt werden. Auch sollte mindestens ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in Schleswig-Holstein eingerichtet werden.

„Mit der ehrlichen Analyse und den Handlungsempfehlungen sind die Weichen zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung in Schleswig-Holstein gestellt. Die Ergebnisse sind eine wichtige Basis für die aktuellen und künftigen gesundheitspolitischen Entscheidungen des Landes“, erklärte der schleswig-holsteinische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Heiner Garg (FDP). Die Erkenntnisse des Projekts würden unter anderem bei der Ausgestaltung des Gesetzes zur Entwicklung medizinischer Versorgungsstrukturen im Land berücksichtigt, das Ende April beschlossen werden soll.

Auch in Baden-Württemberg haben gesundheitspolitische Verbände gemeinsam die Versorgungssituation im Land bewertet und beschlossen, „die Versorgungsrealität von morgen durch ein hohes Maß an Vernetzung und Regionalität“ zu prägen, wie es in der Resolution „Gemeinsames Plädoyer für eine regionalisierte Gesundheitsversorgung“ heißt, die 37 Organisationen, darunter die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg und das Ge­sund­heits­mi­nis­terium, auf der Gesundheitskonferenz des Landkreistages Baden-Württemberg verabschiedet haben. „Wir wollen im guten Miteinander dafür Sorge tragen, dass die integrierte, koordinierte und deshalb regional mitgestaltete Gesundheitsversorgung immer mehr zur Versorgungswirklichkeit wird.“

Falk Osterloh

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