ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2012Medizinstudium: Grundstein für den „guten Arzt“

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Medizinstudium: Grundstein für den „guten Arzt“

Hibbeler, Birgit

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Was muss eine Absolvent am Ende des Studiums können? Eine Arbeitsgruppe erstellt derzeit den Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin. Mitte 2013 soll er vorliegen.

Wenn ein frischgebackener Arzt seine Approbationsurkunde in der Hand hält, hat er einiges hinter sich. Er hat im Studium Scheine erworben, hat Physikum, praktisches Jahr und Staatsexamen absolviert. Das Medizinstudium ist aufwendig und verlangt Durchhaltevermögen. Doch reicht das aus, um „gute Ärzte“ auszubilden? Prof. Dr. med. Martin R. Fischer ist skeptisch. „Viel wichtiger ist die Frage: Was muss ein Absolvent können? Und da gibt es Lücken“, betont der Vorsitzende der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) und Lehrstuhlinhaber für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Eine Arbeitsgruppe von GMA und Medizinischem Fakultätentag (MFT) erstellt deshalb einen Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM). Nun kann man fragen: Wozu braucht man bundesweite Lernziele überhaupt? Reichen die Vorgaben aus der Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO) und aus dem Gegenstandskatalog des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) nicht aus?

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Tatsächlich steht der NKLM für eine neue Herangehensweise. Der Katalog soll keine Liste sein, auf der man Themen abhakt. „Es geht um die Frage, welche Kompetenzen ein Arzt haben muss“, sagt Fischer. Entscheidend an einem Lernziel ist für ihn, dass es sich operationalisieren lässt, dass es Kompetenzen beinhaltet, die man erlernen kann.

Nationaler Lernzielkatalog als Paradigmenwechsel

In der Praxis bedeutet das: Der Absolvent soll nicht nur nachweisen, dass er sich mit dem Thema „Ischämische Herzkrankheiten“ befasst hat. Er muss wirklich dazu in der Lage sein, einen Herzinfarkt zu erkennen. Dem GMA-Vorsitzenden Fischer zufolge ergeben sich Kompetenzen aus Teilkompetenzen, die sich aus Wissen, Fertigkeiten und Verhalten aufbauen. Wichtig sind auch übergreifende Lernziele: Die Absolventen sollen den Anspruch des lebenslangen Lernens verinnerlichen, Informationen kritisch hinterfragen, ihr eigenes Verhalten reflektieren und ihre Grenzen kennen.

Die Anwesenheit in Vorlesungen ist keine Garantie dafür, dass ein Student Kompetenzen erwirbt. Foto: dpa
Die Anwesenheit in Vorlesungen ist keine Garantie dafür, dass ein Student Kompetenzen erwirbt. Foto: dpa

Ein kompetenzbasierter Lernzielkatalog ist keine Auflistung von Symptomen und Krankheitsbildern wie der IMPP-Gegenstandskatalog. Der NKLM soll diesen aber auch nicht ersetzen. Das Gleiche gilt für die ÄAppO, die gemeinsam mit einer EU-Richtlinie die Rahmenbedingungen vorgibt. Der Lernzielkatalog soll den Universitäten eine Orientierung geben. „Wir können die Arbeit der Fakultäten für die Gestaltung der Curricula nicht ersetzten“, stellt Fischer klar.

Die Anregung zum NKLM kam 2009 von der Kultusministerkonferenz. GMA und MFT bildeten daraufhin eine Lenkungsgruppe, in der unter anderem auch Vertreter der Bundesärztekammer und der Arbeitsgemeinschaft der Medizinischen Wissenschaftlichen Fachgesellschaften sitzen. Derzeit arbeiten interdisziplinäre Expertengruppen an 21 „Arbeitspaketen“. Solche Pakete sind zum Beispiel „Notfälle“, „diagnostische Verfahren“, „klinisch-praktische Fähigkeiten“, „therapeutische Prinzipien“ oder „Arztbild“. Eine Orientierung bieten nationale Lernzielkataloge aus den Niederlanden und der Schweiz.

Wichtig ist Fischer eine hohe Akzeptanz des NKLM bei den Fakultäten. „Sonst steht der Katalog nur im Regal“, sagt er. Ab Sommer startet ein Abstimmungsprozess mit den Medizinischen Fachgesellschaften. Im März kommenden Jahres folgt eine abschließende Konsensuskonferenz. Dann läuft auch die Förderung durch die Robert-Bosch-Stiftung aus. Mitte 2013 soll der Lernzielkatalog vorliegen.

Dr. med. Birgit Hibbeler

@Informationen zum Lernzielkatalog: www.nklm.org

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