ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2012Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank): Runter von der Intensivstation

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Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank): Runter von der Intensivstation

Dtsch Arztebl 2012; 109(17): A-878 / B-755 / C-751

Flintrop, Jens

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Foto: Lajos Jardai
Foto: Lajos Jardai

Abschreibungen auf Finanzprodukte belasteten auch 2011 das Ergebnis. Gleichwohl reichte es für einen Jahresüberschuss und eine beachtliche Dividende.

Herbert Pfennig verbreitete Optimismus: Wenn man sich die Apobank als einen Radfahrer vorstelle, der viele Jahre immer wieder auf der falschen Straßenseite gefahren sei, um schließlich 2009 nach einem Frontalzusammenstoß mit zahlreichen Knochenbrüchen auf der Intensivstation zu landen – „dann kann man heute sagen, dass wir 2010 auf die Normalstation verlegt wurden, 2011 eine erfolgreiche Reha absolvierten und jetzt wieder voll ins Training einsteigen“, sagte der Vorstandssprecher der Apobank am 17. April vor der Presse in Düsseldorf. Ab 2013 laufe die Bank dann wieder zur Normalform auf, allerdings „ohne unerlaubte Abkürzungen über den Kapitalmarkt“.

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Unerlaubte Abkürzungen

Eben jene Abkürzungen über den Kapitalmarkt kamen die Apobank auch 2011 teuer zu stehen. Unter anderem hatte die Bank 2004 Kreditausfallversicherungen auf Griechenland verkauft und dafür monatliche Prämien kassiert. Nach dem Schuldenschnitt mussten dann 75 Millionen Euro an die Versicherungsnehmer ausgezahlt werden. Insgesamt belasteten Risikokosten und Abschreibungen auf Finanzanlagen und Beteiligungen das Ergebnis mit 119 Millionen Euro. Folgerichtig baute die Bank ihren Bestand an den hochriskanten „strukturierten Finanzprodukten“ weiter ab, auf jetzt 3,0 Milliarden Euro (2010: 4,2 Milliarden Euro).

Trotz der teuren Altlasten erzielte die „Standesbank der Heilberufe“ 2011 einen Jahresüberschuss in Höhe von 43,1 Millionen Euro (2010: 53,4 Millionen Euro). Davon will die Genossenschaft ihren etwa 100 000 Mitgliedern eine Gewinnbeteiligung in Höhe von vier Prozent auszahlen. Das entspricht einer Summe von 33 Millionen Euro. Vor dem Hintergrund, dass die Kernkapitalquote der Bank mit 8,5 Prozent ohnehin relativ niedrig ist und dass diese Quote auch nur durch eine Garantie des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken erzielt wird, ist dies eine beachtliche Ausschüttung. Die Dividendenfähigkeit sei das primäre Ziel der Bank, so Vorstandssprecher Pfennig.

Grundlage für den Erfolg der Bank im Jahr 2011 sei die gute Entwicklung im Geschäft mit den Heilberuflern gewesen, sagte Pfennig. So habe man 12 000 neue Kunden gewonnen und die Summe der Neuausleihungen für Existenzgründungen, Praxis- und Apothekeninvestitionen sowie private Vorhaben der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker auf 4,2 Milliarden steigern können (2010: 4,0 Milliarden Euro). Auch künftig wolle man vor allem im Kerngeschäft weiter wachsen.

Beratung nach Lebensphasen

Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Apobank das Zukunftsprogramm „VorWERTs“ aufgelegt, das Ende des Jahres in Kraft tritt. Ziel ist die zielgruppengerechte Beratung der Heilberufler in jeder Lebensphase, wie Pfennig erläuterte. Für Studenten, Angestellte, Selbstständige und Ruheständler sollen jeweils eigene Teams aus Beratern und Spezialisten die Beratung übernehmen.

Im Zusammenhang mit der Implementierung eines neuen IT-Systems, die in diesem Jahr abgeschlossen wird, dürfte VorWERTs so für erhebliche Veränderungen in den Filialen sorgen. Dies könne zunächst auch einen Stellenabbau mit sich bringen, räumte Pfennig ein. Darüber werde derzeit mit den Betriebsräten verhandelt.

Jens Flintrop

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