ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2012Kulturvergleiche: Kopffüßler gibt´s überall

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Kulturvergleiche: Kopffüßler gibt´s überall

Dtsch Arztebl 2012; 109(18): A-936 / B-804 / C-798

Jachertz, Norbert

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Einen repräsentativen Querschnitt seiner Kopffüßler-Sammlung hat Hartmut Kraft dem Landesmuseum Bonn geschenkt , zum Beispiel das Kopffüßler-Bild von Peter P., ohne Titel, 1980/81. Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR-Museumsverbund
Einen repräsentativen Querschnitt seiner Kopffüßler-Sammlung hat Hartmut Kraft dem Landesmuseum Bonn geschenkt , zum Beispiel das Kopffüßler-Bild von Peter P., ohne Titel, 1980/81. Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR-Museumsverbund

Die Sammlung des Psychiaters Hartmut Kraft findet in Bonn eine dauerhafte Heimat.

Wenn Kinder anfangen, Mama und Papa zu malen, mit etwa drei Jahren sind sie soweit, dann en face: In einen wackeligen Kreis zeichnen sie mit Punkten und Strichen Augen, Nase und Mund. Beine und Arme hängen direkt unter dem Kopf. Kopf und Gesicht – die Darstellung im Profil kommt erst viel später – stehen für den gesamten Menschen. Patienten mit fortgeschrittener Hirnarteriosklerose oder Alzheimer-Erkrankung stellen gleichfalls den Menschen als Kopffüßler dar.

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Doch nicht nur sie. In vielen Kulturkreisen sind Kopffüßler seit langem verbreitet. Offenbar autonom entstanden. Denn zwischen Mexiko, Neuguinea oder Westafrika dürfte es früher keinen kulturellen Austausch gegeben haben. Heute ja, doch Kopffüßler lebten schon vor den Zeiten von Internet, Fernsehen, Druckerzeugnissen oder Plastikspielzeug.

Auf Künstler scheinen Kopffüßler besonderen Reiz auszuüben. Pieter Breughel d. Ä. hat sie verewigt, aber auch in modernen Comics tauchen sie auf. Eine besondere Vorliebe für diese Menschenbilder ohne Leib, aber mit großem Kopf und Füßen, hatte, um bei der zeitgenössischen Kunst zu bleiben, Horst Antes, auch bei Joseph Beuys, Peter Gilles oder A. R. Penck sind sie zu finden.

Der Kölner Psychiater und Sammler Dr. med. Hartmut Kraft, den Grenzgänger aller Art – insbesondere jene zwischen Kunst und Medizin – stets faszinieren, hat in gut 40 Jahren eine ansehnliche Sammlung von Kopffüßlern zusammengetragen. Einen repräsentativen Querschnitt dieser Sammlung hat er nun dem Landesmuseum Bonn des Rheinischen Landschaftsverbandes geschenkt. Seit März dieses Jahres zeigt das Museum Krafts Kopffüßler als Dauerausstellung. Zu sehen sind grafische Blätter bekannter Künstler, aber auch Kinderzeichnungen und Bilder von Patienten. Dazu treten Objekte, ethnologische (Keramik und Kleinplastiken, eine eindrucksvolle hölzerne Maske) genauso wie modernes Kinderspielzeug. Eine bunte Mischung, verbunden durch das Merkmal Kopffüßler. Die wirken mal lustig, mal bedrohlich, immer rätselhaft, wenn auch Dr. Kraft mit erläuternden Texten Interpretationshilfe leistet. Aber auch er bleibt manchmal ratlos. Dann ist der Zuschauer gefragt, der sich seinen eigenen Reim machen, oder, wenn er sich von Kindern begleiten lässt, deren sachverständigen Kommentaren folgen kann.

Weitere Informationen: LVR- Landesmuseum Bonn, Colmantstraße 14–16 (nahe Hauptbahnhof, rückwärtiger Ausgang), 53115 Bonn. Neben dem Museum gibt es eine Tiefgarage, wenig Parkmöglichkeiten auf der Straße. Telefon 0228/2070–0 www.landesmuseum-bonn.de

Norbert Jachertz

Römische Technik

Bis zum 2. September führt das Landesmuseum Bonn unter dem Titel Hightech Römer ganz praktisch in technische Lösungen der Antike ein. Auf dem Rückweg von den Kopffüßlern kann man sich zur Abwechselung von der intellektuellen Herausforderung mit Schifffahrt und Straßenbau, Fußbodenheizung, Wasserwirtschaft etc. vertraut machen – interaktiv, eine sogenannte Familienmitmachausstellung. Unter dem Vorwand, den Kindern etwas bieten zu wollen, dürfen sich Väter und Mütter in die Riemen legen oder die Konstruktion hölzerner Maschinen nachvollziehen.    

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