ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2012Sportmedizin: Register zum plötzlichen Herztod

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Sportmedizin: Register zum plötzlichen Herztod

Dtsch Arztebl 2012; 109(18): A-932 / B-800 / C-794

Krüger-Brand, Heike E.

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Beim Fußball, aber auch in anderen Sportarten kommt es immer wieder zu Fällen des plötzlichen Herztodes. Ein Register unter www. scd-deutschland.de soll die Prävention verbessern. Foto: Fotolia/erika8213
Beim Fußball, aber auch in anderen Sportarten kommt es immer wieder zu Fällen des plötzlichen Herztodes. Ein Register unter www. scd-deutschland.de soll die Prävention verbessern. Foto: Fotolia/erika8213

Plötzliche Todesfälle von Wettkampf- und Freizeitsportlern sollen in einer Online-Datenbank am Institut für Sport- und Präventivmedizin in Saarbrücken erfasst werden.

Wenn aktive Leistungssportler wie etwa Fußballer während der sportlichen Aktivität plötzlich sterben (meist aus kardialer Ursache), ist das Medienecho in der Regel groß. Dies kann schnell den Eindruck erwecken, dass der plötzliche Herztod bei Sportlern besonders häufig vorkommt. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall: In Deutschland erleiden jährlich mehr als 100 000 Menschen einen plötzlichen Herztod, aber nur einige Hundert beim Ausüben einer Sportart. Um hierzu noch genauere Zahlen zu ermitteln und die Ursachen zu erforschen, baut das Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes in Saarbrücken derzeit ein bundesweites Register auf. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und wird finanziell von der Deutschen Herzstiftung gefördert.

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Männer trifft es viel häufiger

Nach Angaben des Institutsleiters Prof. Dr. med. Tim Meyer ist davon auszugehen, dass junge Sportler höchstens in drei von 100 000 Herztodesfällen pro Jahr betroffen sind. Das Risiko steigt jedoch ab dem 35. Lebensjahr. Statistiken zufolge sind circa 90 Prozent aller Betroffenen Männer, am häufigsten trifft es die 40- bis 50-Jährigen.

Die Ursachen für den nichttraumatischen plötzlichen Herztod, der während oder kurz nach einer sportlichen Aktivität eintritt, sind vielfältig. Zu den weitaus häufigsten Ursachen zählen kardiovaskuläre Ereignisse. Dabei handelt es sich bei jungen Sportlern unter 35 Jahren vor allem um hypertrophe Kardiomyopathie, Koronaranomalien, Myokarditis und arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie, wohingegen ab dem 35. Lebensjahr die koronare Herzerkrankung dominiert. Seltenere weitere Ursachen sind elektrische Herzerkrankungen wie das Brugada- und Long-/Short-QT-Syndrom sowie die katecholaminsensitive ventrikuläre Tachykardie.

In der Online-Datenbank in Saarbrücken werden seit dem Frühjahr 2012 plötzliche Todesfälle von Wettkampf- und Freizeitsportlern in Deutschland erfasst. Die Daten können beispielsweise Ärzte, Angehörige von Betroffenen, Sportler, Trainer oder andere involvierte Personen über einen datengeschützten Zugang eingeben. Anhand eines Online-Fragebogens können sie genauere Angaben zu den Umständen des plötzlichen Todes beim Sport machen. Persönliche Daten der verstorbenen Athleten wie Name oder Adresse werden dabei nicht erfasst. Als Vorbilder dienen das U.S.-Register der Minneapolis Heart Foundation sowie auf europäischer Ebene das 2011 initiierte Register der Schweiz. Auf der Webseite des Registers werden zusätzlich die Krankheitsbilder näher erläutert (www.scd-deutschland.de).

Die Forscher gehen davon aus, dass es regional unterschiedliche Ursachen für den plötzlichen Herztod gibt. So waren Befunde aus der italienischen Region Veneto vor Jahren überraschend, da dort eine unerwartet hohe Prävalenz der arrhythmogenen rechtsventrikulären Dysplasie nachgewiesen wurde. Dies stand im Gegensatz zu Daten aus den USA, die bis dahin als Orientierung dienten. Noch nicht geklärt ist dabei, ob ausschließlich die ethnische Zugehörigkeit der Betroffenen eine Rolle spielt. Nationale Register können künftig dazu beitragen, plötzlichen Todesfällen von Wettkampf- und Freizeitsportlern aus unterschiedlichen Regionen besser vorzubeugen.

Screening verbessern

Anhand der aus den Registerdaten gewonnenen Erkenntnisse lassen sich außerdem bestehende Screening-Verfahren verbessern, meinen die Sportmediziner. Dies würde vor allem auch den Amateur- und Freizeitsportlern zugute kommen, denn in Deutschland besteht für den Leistungssport bereits ein sehr umfangreiches Untersuchungssystem, das vom Deutschen Olympischen Sportbund und anderen Verbänden getragen wird.

Durch eine möglichst vollständige Erfassung plötzlicher Todesfälle beim Sport in Deutschland mit einem anschließenden länderübergreifenden Vergleich könnten so die Voraussetzungen für einen international standardisierten Screening-Leitfaden für Wettkampf- und Freizeitsportler geschaffen werden. Informationen: Dr. med. Philipp Bohm, p.bohm@mx.uni-saarland.de

Heike E. Krüger-Brand

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