ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2012Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen: Mesalazin ist auch bei Patienten mit Morbus Crohn wirksam

PHARMA

Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen: Mesalazin ist auch bei Patienten mit Morbus Crohn wirksam

Dtsch Arztebl 2012; 109(18): A-939

Vetter, Christine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Bei der Therapie chronisch entzündlicher Darm­er­krank­ungen dreht sich alles darum, die Inflammation in den Griff zu bekommen.

Bei Patienten mit einer Colitis ulcerosa ist die Gabe von Mesalazin als Standardtherapie etabliert, wie Prof. Dr. med Axel Dignaß, Frankfurt/M., bei der Falk Gastro-Conference in München darlegte. Bei vielen Patienten aber werde der Wirkstoff noch nicht optimal verabreicht, monierte der Mediziner: „Es kommt auf die Wahl der richtigen galenischen Zubereitung und auf ein an die individuellen Bedürfnisse angepasstes Dosierungsregime an“, betonte er. Nur dann sind nach seinen Worten ein guter Therapieerfolg und eine langfristige Compliance zu erwarten. So belegen Studien, dass bei der Behandlung der distalen Colitis ulcerosa Mesalazin-Granulate den besten Therapieerfolg versprechen und am ehesten eine endoskopisch zu sichernde Mukosaheilung vermitteln.

Bei der Untersuchung verschiedener Dosisregime hat sich gezeigt, dass eine nur einmal tägliche Einnahme von drei Gramm Mesalazin der dreimaligen Gabe von ein Gramm des Wirkstoffs mindestens ebenbürtig ist. Die einmal tägliche Einnahme aber ist patientenfreundlicher und kann wesentlich zur Verbesserung der Compliance beitragen. Das ist nach Dignaß bei der Langzeittherapie entscheidend: „Denn wir wissen, dass mit dem Absetzen der Medikation das Rezidivrisiko massiv wieder steigt.“

Anzeige

Noch häufig unterschätzt wird nach den Worten des Mediziners die Rolle von Mesalazin bei der Behandlung des Morbus Crohn. Das habe wesentliche Gründe darin, dass der Wirkstoff in den meisten Studien bei einem unselektierten Patientenkollektiv untersucht wurde. Eine aktuelle Vergleichsstudie hat jedoch ergeben, dass Mesalazin bei Patienten mit aktivem mildem bis moderatem Morbus Crohn in seiner klinischen Wirksamkeit dem Budesonid nicht unterlegen ist. „Das belegt einmal mehr, dass es auf eine gute Patientenselektion ankommt“, erklärte Dignaß in München.

Hoffnungen auf Therapiefortschritte gründen sich insbesondere auf ein besseres Verständnis der pathogenetischen Zusammenhänge bei den chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen, wie bei der Veranstaltung deutlich wurde. Als ein mögliches Target für die Entwicklung neuer Therapieoptionen stellte dort Priv.-Doz. Dr. med. Max Schnurr, München, die Inflammasome vor, große intrazelluläre Proteinkomplexe, die Teil des angeborenen Immunsystems sind. „Wir wissen, dass Inflammasome bei den chronisch entzündlichen Darmentzündungen und ebenso bei der rheumatoiden Arthritis und der Atherosklerose eine zentrale Rolle spielen“, berichtete der Mediziner. Unklar ist noch, wie die Aktivität der Proteinkomplexe reguliert wird. Diese können offenbar die Inflammation unterhalten, sie können andererseits aber wohl auch protektiv wirksam sein und eine Mukosaheilung induzieren.

Christine Vetter

Falk-Symposium 181 „Innate Immunity in gastrointestinal Disorders: Basic and Therapeutic Concepts“ im Rahmen der V. Falk Gastro-Conference, in München

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema