ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2012Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin: Alles aus einer Hand

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Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin: Alles aus einer Hand

Dtsch Arztebl 2012; 109(18): A-910

Maus, Josef

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In Baden-Württemberg soll angehenden Hausärzten der Weg zum Facharzttitel und in die eigene Praxis so einfach wie möglich gemacht werden.

Wer in Baden-Württemberg eine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin absolvieren möchte oder sich bereits in der Weiterbildung befindet, kann jetzt auf eine neue Online-Börse zugreifen. Interessierten Medizinern – auch Wiedereinsteigern in den Beruf – soll der Weg in die Hausarztpraxis so einfach wie möglich gemacht werden. Das will die Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin Baden-Württemberg mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen erreichen, zu dem auch die Online-Börse gehört.

Die Gründer der Koordinierungsstelle sind die Lan­des­ärz­te­kam­mer und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg sowie die dortige Krankenhausgesellschaft. Gemeinsam wollen die Partner dafür sorgen, dass die hochwertige hausärztliche Versorgung der Bevölkerung im Ländle auch in Zukunft sichergestellt werden kann. „Der Hausarzt ist als Lotse durch das Gesundheitssystem unverzichtbar“, erklärte Dr. med. Ulrich Clever, Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer, zur Eröffnung der Online-Börse. „Durch geeignete Fördermaßnahmen soll die rückläufige Absolventenzahl der Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin wieder gesteigert werden.“

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Häufige Fragen und Antworten

Konkret soll das Online-Portal alle im Netz verteilten Informationen zur Weiterbildung in der Allgemeinmedizin an einer Stelle bündeln. Den Interessenten erwarten unter anderem eine kartographische Gesamtdarstellung aller Weiterbildungsverbünde in Baden-Württemberg. Eine wachsende Liste mit den häufigsten Fragen und Antworten zum Thema soll den Überblick erleichtern und die wichtigsten Grundlagen vermitteln. Bei Fragen, die darüber hinausgehen, hilft ein Ansprechpartner weiter. Auch eine Börse mit Stellenangeboten von Praxen, die angehende Allgemeinmediziner zur Weiterbildung beschäftigen, ist Teil des neuen Online-Portals. Dies gilt auch fürs Krankenhaus. „Es ist ein ganz wichtiger Schritt“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende der Krankenhausgesellschaft, der Reutlinger Landrat Thomas Reumann, „dass ein angehender Hausarzt die gewünschte Weiterbildungsstelle jetzt ganz einfach online finden kann.“

Den Beruf positiv darstellen

Auch Dr. med. Johannes Fechner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Baden-Württemberg, ist von dem Projekt überzeugt. „Rund 25 Prozent der Hausärzte in Baden-Württemberg sind älter als 60 und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen“, sagt er. „Wir gehen davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren etwa 500 Hausärzte fehlen werden. Daher ist es wichtig, dass alle Beteiligten die Kräfte bündeln, um so für den Beruf des Hausarztes zu werben.“

Fechner spricht damit ein grundsätzliches Problem an. Bei allen Diskussionen über die hohen Anforderungen an die hausärztliche Tätigkeit und die verbesserungswürdigen Rahmenbedingungen dürfe nicht vergessen werden, wie vielfältig und erfüllend der Beruf des Allgemeinmediziners sei. „Bei der Gestaltung des Angebots“, sagte der KV-Vorstand, „wurde deshalb großer Wert darauf gelegt, den Beruf des Hausarztes positiv darzustellen.“ Am besten gelingt das, wenn Allgemeinmediziner selbst berichten, wie ihr Praxisalltag aussieht. Auch das will die Börse www.allgemeinmedizin-bw.de bieten.

Josef Maus

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Avatar #104037
popert
am Montag, 7. Mai 2012, 22:41

Hausärzte sind eher Behandler als Lotsen

Schlimm, wenn sogar die freundlich gesinnten Kommentare die Realität verzerren: es ist nicht die Hauptaufgabe eines Hausarztes, den Patienten von einem Spezialisten zum nächsten zu lotsen! Die Hauptaufgabe ist die abschließende (!) Behandlung von etwa 70% der Beratungsanlässe - und das meistens auch noch parallel. Für dieses Multitasking und die Behandlung Multimorbider ist eine gute Ausbildung erforderlich - die auf Station nur zu einem kleinen Teil möglich ist, weil in der Praxis völlig andere Rahmenbedingungen vorliegen.
Avatar #90058
marc
am Freitag, 4. Mai 2012, 06:57

Es werden viel zu wenig Allgemeinmediziner in D ausgebildet

Schön das man versucht aus einem Stiefmüttcheren eine Rose zu zaubern...sollen die doch alle in Pension gehen..1999 wurde uns noch gesagt ihr seit viel zu viele geht ins Ausland !!!

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