ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2012Appell für die Vitamin-D-Therapie
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Stefan Schilling berichtete, dass die meisten älteren Patienten und Patientinnen einer Rehabilitationsklinik einen schweren Vitamin-D-Mangel aufweisen (1).

Wir haben ähnliche Beobachtungen bei weiblichen Altersheimpatientinnen gemacht (2). Obwohl es eine intensive Diskussion über die optimalen 25-Hydroxyvitamin-D(25[OH]D)-Werte und die potenziellen multiplen Gesundheitseffekte von Vitamin D gibt, existiert jedoch ein genereller Konsensus darüber, dass 25(OH)D-Werte unter 10 ng/mL (25 nmol/L) schädliche Auswirkungen auf das Skelettsystem haben und daher unbedingt eine Therapie erforderlich machen. Im Hinblick auf die Tatsache, dass die 25(OH)D-Werte bei den meisten Altersheimpatienten und -innen unter 10 ng/mL (25 nmol/L) liegen und Metaanalysen von randomisierten Placebo-kontrollierten Studien belegen, dass Vitamin D-Supplementierung zu einer signifikanten Reduzierung von Knochenfrakturen führt, möchten wir darauf hinweisen, dass es bereits Richtlinien gibt, die bei solchen Patienten und Patientinnen eine tägliche Vitamin D-Supplementierung von 800 Internationalen Einheiten empfehlen.

In Übereinstimmung mit Stefan Schilling möchten wir deswegen daran appellieren, eine Vitamin D-Supplementierung in die Routinebehandlung in Altersheimen einzuführen. Diese Empfehlung wird auch durch eine Metaanalyse von randomisierten Placebo-kontrollierten Studien gestützt, die eine signifikante Reduktion der Mortalität durch Vitamin D-Supplementierung zeigt (3).

Obwohl es zum Vitamin D noch viele offene Fragen gibt und obwohl das Wissen über Vitamin D wahrscheinlich in der Zukunft noch modifiziert wird, tragen wir jetzt die Verantwortung, nach der besten derzeitigen Evidenzlage zu behandeln, und diese besagt ganz klar, dass ein Vitamin D-Mangel bei den oben beschriebenen älteren Patienten und Patientinnen zu behandeln ist.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0359a

PD Dr. med. Stefan Pilz
Universitätsklinik für Innere Medizin,
Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel,
Medizinische Universität Graz, Österreich
Department of Epidemiology and Biostatistics and EMGO
Institute for Health and Care Research,
VU University Medical Center,
Amsterdam, The Netherlands
stefan.pilz@chello.at

PD Dr. med. Andreas Tomaschitz
Dr. med. Katharina Kienreich
PD Dr. med. Astrid Fahrleitner-Pammer
Universitätsklinik für Innere Medizin,
Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel,
Medizinische Universität Graz,

Österreich

Prof. Dr. med. Winfried März
Clinical Institute of Medical and
Chemical Laboratory Diagnostics,
Medical University of Graz, Graz, Austria

Synlab Academy, Synlab Services LLC,
Mannheim, Germany

Mannheim Institute of Public Health,
Ruperto Carola University Heidelberg,
Medical Faculty Mannheim, Mannheim,

Germany

Interessenkonflikt
Dr. Fährleitner-Pammer erhielt Honorare sowie Kostenerstattungen für Kongresse und Reisen von den Firmen Amgen, Eli Lilly, Nycomed, Novartis, Roche, MSD, Genzyme, Servier und Darichi.

PD Dr. Pilz, PD Dr. Tomaschitz und Dr. Kienreich erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen.

1.
Schilling S: Epidemic vitamin D deficiency among patients in an elderly care rehabilitation facility. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(3): 33–8. VOLLTEXT
2.
Pilz S, Dobnig H, Tomaschitz A, et al.: Low 25-hydroxyvitamin D is associated with increased mortality in female nursing home residents. J Clin Endocrinol Metab 2012; Feb 8. [Epub ahead of print] CrossRef MEDLINE
3.
Bjelakovic G, Gluud LL, Nikolova D, et al.: Vitamin D supplementation for prevention of mortality in adults. Cochrane Database Syst Rev 2011; 7: CD007470. MEDLINE
1.Schilling S: Epidemic vitamin D deficiency among patients in an elderly care rehabilitation facility. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(3): 33–8. VOLLTEXT
2.Pilz S, Dobnig H, Tomaschitz A, et al.: Low 25-hydroxyvitamin D is associated with increased mortality in female nursing home residents. J Clin Endocrinol Metab 2012; Feb 8. [Epub ahead of print] CrossRef MEDLINE
3.Bjelakovic G, Gluud LL, Nikolova D, et al.: Vitamin D supplementation for prevention of mortality in adults. Cochrane Database Syst Rev 2011; 7: CD007470. MEDLINE

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