ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2012Postpartale Depression: Erkennen und schnell behandeln

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Postpartale Depression: Erkennen und schnell behandeln

Bühring, Petra

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Postpartale Depressionen werden häufig unterschätzt. Foto: Fotolia/Monkey Business
Postpartale Depressionen werden häufig unterschätzt. Foto: Fotolia/Monkey Business

Zehn bis 15 Prozent der jungen Mütter entwickeln nach der Geburt eine postpartale Depression. Wirksam dagegen vorgegangen werden kann mit einer Psychotherapie und gegebenenfalls medikamentöser Begleitung. Darauf weist die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung (DPTV) hin. „Das Krankheitsbild wird oft unterschätzt, ist aber für die Frauen und ihre Familien sehr belastend und kann zu dramatischen Folgen führen“, sagte der Bundesvorsitzende und Psychologische Psychotherapeut Dieter Best. Neben schweren Depressionen könne es zu Impulsen kommen, dem Kind etwas anzutun bis hin zu Psychosen, die einen Klinikaufenthalt notwendig machten. Die Ursachen seien nicht konsistent.

„Wichtig ist, dass die Krankheit schnell erkannt und behandelt wird“, sagte Best. Weil die Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz bei einem kassenzugelassenen Therapeuten meist sehr lang sind, empfiehlt er als Ausweg das Kostenerstattungsverfahren. Dabei rechnen Psychotherapeuten mit gleicher Qualifikation, aber ohne Vertragsarztsitz direkt mit den Krankenkassen ab.

Der Frankfurter Gynäkologe Thomas Bicker arbeitet in seiner Praxis auch psychotherapeutisch mit betroffenen Frauen. Er verdeutlichte, mit welch unterschiedlichen Gesichtern die Wochenbettdepression auftritt. So könne beispielsweise auch Schwangerschaftsdiabetes depressive Störungen verursachen. „Das Gesamtbild wird heute von einem bio-psycho-sozialen Modell heraus erklärt, was aber auch bedeutet, dass meist eine oder wenige spezifische Ursachen nicht zu identifizieren sind“, sagte Bicker. Eine postpartale Depression könne zudem auch erst drei bis sechs Monate nach der Geburt auftreten.

Eva Martin, Psychologische Psychotherapeutin in Brandenburg, betonte, wie wichtig eine gute kollegiale Vernetzung gerade bei postpartalen Depressionen sei. Sie kooperiert mit Gynäkologen, Kliniken und Hebammen und stellt immer wieder fest, wie groß die Lücke in der Versorgung ist, die sie selbst auch nur zum Teil füllen kann. PB

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