ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2012Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Eine Rufnummer für alle

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Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Eine Rufnummer für alle

PP 11, Ausgabe Mai 2012, Seite 206

Korzilius, Heike

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Eine statt 1000: Die einheitliche Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst ist nicht zu verwechseln mit der 112, der Rufnummer für den Rettungsdienst für lebensbedrohliche Notfälle
Eine statt 1000: Die einheitliche Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst ist nicht zu verwechseln mit der 112, der Rufnummer für den Rettungsdienst für lebensbedrohliche Notfälle

Mit der einheitlichen Telefonnummer 116 117 soll es für Patienten künftig einfacher werden, auch außerhalb der Sprechstundenzeiten allgemeinärztliche Hilfe zu erhalten.

Es ist Freitagabend, die Erkältungsbeschwerden werden immer schlimmer, das Fieber steigt. Für viele Patientinnen und Patienten bedeutet das bislang: die Lokalzeitung suchen und nachschlagen, welcher Arzt am Wochenende Bereitschaftsdienst oder welche Telefonnummer die örtliche Bereitschaftsdienstpraxis hat. Circa 1 000 verschiedene Rufnummern sind der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zufolge in Deutschland im Umlauf, die zum Teil täglich wechseln. Vom 16. April an soll das umständliche Suchen nach der richtigen Telefonnummer ein Ende haben. Denn ab dann gilt eine bundesweit einheitliche, für die Anrufer kostenfreie Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst. „In Zukunft reicht es, wenn sich Patienten die 116 117 merken, sollten sie nachts oder am Wochenende krank werden“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende, Dr. med. Andreas Köhler, bei der Vorstellung der neuen Bereitschaftsdienstnummer am 10. April in Berlin. Lediglich Baden-Württemberg, das Saarland sowie Teile von Rheinland-Pfalz und Hessen werden die Nummer erst im Laufe des Jahres einführen. Grund sei eine Umstrukturierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in diesen Regionen, erläuterte Köhler.

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Die Entscheidung für eine einheitliche Bereitschaftsdienstnummer haben die KBV und die 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), die für die Organisation des ambulanten Notfalldienstes zuständig sind, bereits im Jahr 2006 getroffen. Es folgte ein längerer Abstimmungsprozess auf europäischer Ebene, bis im November 2009 auf Initiative der KV Brandenburg die Nummer 116 117 europaweit für den ärztlichen Bereitschaftsdienst reserviert wurde. Deutschland ist jetzt das erste Land, das die neue Rufnummer einführt. „Damit verbessert sich für Millionen Versicherte, die jährlich den Bereitschaftsdienst der KVen nutzen, der Service“, erklärte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller. Die Bundesregierung habe das Projekt deshalb von Anfang an unterstützt. Der CSU-Politiker kündigte an, sich nun auf europäischer Ebene dafür einzusetzen, dass möglichst viele Länder dem deutschen Beispiel folgen.

Um einen Patienten, der die 116 117 wählt, an den für ihn zuständigen Bereitschaftsdienst zu verbinden, läuft im Hintergrund ein komplexer technischer Prozess ab: In der Regel wird der Anrufer über seine Vorwahlnummer automatisch dem richtigen Bereitschaftsdienstbezirk zugeordnet. Ist das nicht eindeutig möglich, beispielsweise bei Mobiltelefonen, wird der Anrufer gebeten, seine Postleitzahl anzugeben. Schlägt auch dies fehl, wird er mit einem zentralen Service-Center verbunden, das ihn an den zuständigen Bereitschaftsdienst durchstellt. Je nachdem, wie in den KVen der Bereitschaftsdienst organisiert ist, klingelt dann in der Leitstelle, in der Bereitschaftsdienstpraxis oder direkt beim diensthabenden Arzt das Telefon. Betrieben wird die 116 117 vom KV-System. Die Kosten der Anrufe trägt in diesem Jahr noch die KBV, danach sind die KVen in der Pflicht.

Am ärztlichen Bereitschaftsdienst selbst ändert sich durch die Einführung der neuen Rufnummer nichts. Das heißt, für die Ärzte bleibt alles beim Alten. Bereitschaftsdienstplanung, Diensttausch und Rufnummernverwaltung regelt weiterhin die KV. Auch die alten Bereitschaftsdienstnummern bleiben für eine Übergangszeit bestehen. Die KBV weist außerdem darauf hin, dass die 116 117 die Patienten mit dem allgemeinärztlichen Bereitschaftsdienst verbindet. Fachärztliche Bereitschaftsdienste sind weiterhin über die alten Rufnummern erreichbar.

Informationen über die 116 117 enthält ein Flyer, der einer Teilauflage dieser Ausgabe beiliegt. Plakate oder Service-Cards mit wichtigen Telefonnummern für das Wartezimmer können per E-Mail bei versand@kbv.de bestellt werden.

Heike Korzilius

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