ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2012Multiples Myelom: Bessere Ansprechraten und längere Remissionen

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Multiples Myelom: Bessere Ansprechraten und längere Remissionen

Dtsch Arztebl 2012; 109(19): A-983

Nickolaus, Barbara

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Bortezomib, als Proteasominhibitior der erste Vertreter eines innovativen antitumoralen Wirkprinzips, ist für die Primär- und die Rezidivtherapie zugelassen.

Nach wie vor ist die Behandlung des multiplen Myeloms mit einer Vielzahl von Fragestellungen belastet, insbesondere bei Patienten, die bereits eine eingeschränkte Nierenfunktion zeigen und/oder im höheren Alter über 70 Jahre sind. Im Mittelpunkt jeder Behandlung steht die möglichst lange Überlebenszeit bei guter bis akzeptabler Lebensqualität. Während Kombinationstherapien von Melphalan (Alkeran®) mit Prednisolon eventuell unter Ergänzung von Thalidomid oder die Melphalan-Hochdosistherapie mit autologer Blutstammzelltransplantation heute in onkologischen Zentren Standardbehandlungen darstellen, tritt mit dem Proteasominhibitor Bortezomib (Velcade®, Janssen-Cilag) ein hochpotenter Mitspieler, vielleicht sogar Gegenspieler auf den Markt.

Auch ältere Patienten profitieren von der Therapie

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Bortezomib wirkt über den 26S-Proteasomkomplex, ein in allen Säugetierzellen vorkommender Multienzymkomplex, der in malignen Zellen allerdings in höheren Konzentrationen vorhanden ist als in normalen Zellen. Eine Hemmung der Proteasomen führt zum Stillstand der Zellteilung und letztlich zur Apoptose. Dr. med. Hans Salwender, Asklepios-Kliniken Hamburg-Altona, stellte die neuen Fünfjahresnachbeobachtungsdaten der Zulassungsstudie VISTA (Velcade as Initial Standard Therapy in multiple myeloma) dar.

Danach haben Patienten über 70 Jahre, die Bortezomib in Ergänzung zu Melphalan und Prednisolon erhalten, eine Ansprechrate beziehungsweise Überlebensrate wie jüngere Patienten unter Hochdosistherapie. Die Studie zeigte einen Überlebensvorteil bis zu 13,3 Monaten und einem mittleren Überleben von etwa fünf Jahren im Gegensatz zu Patienten, die zwei bis 2,5 Jahre ohne den Zusatz von Bortezomib erreichten. Angesichts der Tatsache, dass Patienten über 70 bis 75 Jahre früher nur palliativ behandelt wurden, steht heute für ältere Patienten eine echte Therapieoption zur Verfügung.

Bortezomib ist für die Primär- und die Rezidivtherapie zugelassen. In der Primärtherapie kommt es in Kombination mit Melphalan/Prednisolon bei Patienten infrage, die für eine Hochdosistherapie mit Knochenmarktransplantation nicht geeignet sind. Als Monotherapie ist es einsetzbar bei Patienten, die schon eine vorangegangene Therapie oder eine Knochenmarktransplantation durchlaufen haben oder bei denen eine derartige Transplantation gar nicht initiiert ist.

Salwender betonte, er sehe wie andere Autoren auch als entscheidenden prognostischen Faktor für die Qualität eines Ansprechens einer Tumortherapie eine möglichst lange Progressionsfreiheit und ein längeres Gesamtüberleben an. Dies sei in der Fünfjahresnachbeobachtung der VISTA-Studie für Bortezomib gegeben. 30 Prozent der Patienten mit Bortezomib in Kombination mit Melphalan und Prednisolon erzielten eine komplette Remission, ohne Bortezomib-Ergänzung dagegen nur vier Prozent. Auch die Remissionsdauer im Mittel von 24 Monaten statt 12,8 Monaten zeigte den Vorteil der Dreierkombination. Dies sei ein Gewinn an Lebensqualität. So wurde bei 28 Prozent der kompletten Remissionen diese nach der 24. Behandlungswoche erzielt. In der Altersgruppe über 75 Jahre kam es zur Komplettremission in der Dreierkombination in 26 Prozent der Fälle, bei Melphalan/Prednisolon allein nur in drei Prozent. Auch bei der medianen Gesamtüberlebenszeit zeigte sich der Vorteil der Ergänzung durch Bortezomib (50,7 Monate versus 32,9 Monate). Die Nebenwirkungsrate von jüngeren und älteren Patienten über 70 Jahre war vergleichbar.

Nierenfunktionsstörung ist reversibel

Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Knop, Universität Würzburg, ging auf Fragen der häufigen Niereninsuffizienz von Patienten mit multiplen Myelom ein. Fast 16 Prozent der Patienten weisen diese typische Komplikation der eingeschränkten Nierenfunktion bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz auf. Circa zehn Prozent der Patienten werden dialysepflichtig. In der Dreierkombinationstherapie zeigte sich, dass die Niereninsuffizienz rückbildungsfähig ist. Rund 31 Prozent der niereninsuffizienten Patienten der VISTA-Studie erreichten eine Kreatinin-Clearance über 50 ml/min und eine Komplettremission.

Insofern, sagte Salwender, spreche vieles gerade in der Erstlinientherapie dafür, möglichst frühzeitig Bortezomib initial einzusetzen, um nicht nur rechtzeitig einen Überlebensvorteil zu sichern, sondern auch Einfluss auf den häufig gestörten Knochenstoffwechsel und/oder die Niereninsuffizienz zu nehmen und das therapiefreie Intervall möglichst lange auszudehnen.

Dr. phil. Barbara Nickolaus

Satellitensymposium im Rahmen des Deutschen Krebskongresses 2012 in Berlin: „Zeitgemäße Therapie des multiplen Myeloms“, Veranstalter: Janssen-Cilag

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