ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2012Gesundheitssystem: „Transatlantische“ Perspektive

MEDIEN

Gesundheitssystem: „Transatlantische“ Perspektive

Dtsch Arztebl 2012; 109(19): A-978 / B-842 / C-834

Schnoor, Jörg

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Michael E. Porter gilt derzeit in Fragen „wertschöpfender“ Wettbewerbsstrategien als einer der bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftler. Nach seinem früheren Werk (Redefining Health Care, 2006) analysiert Porter zusammen mit Clemens Guth nun den hiesigen Gesundheitssektor. Dabei zeichnen die Autoren ein Gesundheitssystem bisheriger Kostendämpfungsreformen, das eine robuste Strategie vermissen lässt. Die entscheidende Schwachstelle liegt dabei in einem preistreibenden Null-Summen-Wettbewerb einzelner Akteure, mit dem Ziel kurzfristiger Gewinnsicherung und optimierter Verlustexternalisierung. Die Leistungserbringung wurde dadurch fragmentiert und teuer. Eine verpflichtende Messung der Ergebnisqualität fehlt.

Von dieser erfrischend deutlich formulierten Systemkritik werden Politik, Kostenträger, Leistungserbringer und Patienten gleichermaßen nicht verschont. Das gebotene Lösungspotenzial liegt, entsprechend ökonomischer Denkweise, in der strengeren Ausrichtung auf den Patientennutzen. Hierfür sind transsektorale Messungen der Behandlungsergebnisse samt öffentlichem Vergleich für einen in Zukunft freien Wettbewerb notwendig. Bessere Qualität senkt die Kosten. Positive und bereits existierende Initiativen werden exemplarisch vorgestellt. Eine differenzierte Fallkostenanalyse soll den Leistungserbringern künftig die gezielte Steuerung einer integrierten Behandlungskette ermöglichen.

Anzeige

Bei der Berücksichtigung der „Stakeholder“ erscheint die Mitarbeiterseite kurz gefasst. So bleiben drängende Fragen der Mitarbeiterakquirierung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels unerwähnt. Trotz Redundanzen bietet diese spannende und überaus lesenswerte Synopsis eine übersichtliche Darstellung der komplexen Problematik samt angedeuteten Lösungspotenzialen. Natürlich kommt kein Prophet aus dem eigenen Dorf. Vielleicht fördert aber gerade deshalb diese „transatlantische“ Perspektive die so dringend notwendige gesellschaftliche Neuorientierung hin zu optimiertem Patientennutzen und Finanzierbarkeit. Jörg Schnoor

Michael E. Porter, Clemens Guth: Chancen für das deutsche Gesundheitssystem. Von Partikularinteressen zu mehr Patientennutzen. Springer, Berlin 2012, 376 Seiten, gebunden, 59,95 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema