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Die in Pflegeheimen an der Krankenversorgung beteiligten Ärztinnen und Ärzte haben nicht nur in Eil- und Notfällen eine wesentliche Funktion hinsichtlich der Indikationsstellung für Schutzmaßnahmen im Sinne von freiheitsbeschränkenden Maßnahmen.

Allerdings lässt sich in Kenntnis betreuungsgerichtlicher Strategien, die als „Werdenfelser Weg“ bezeichnet werden, aus gutachtlich-psychiatrischer Sicht die Hypothese ableiten, dass der ärztlichen Mitverantwortung zunehmend weniger Bedeutung beigemessen wird. Aus dem „Bochumer Aufruf zur Vermeidung freiheitseinschränkender Maßnahmen“ vom 24. Betreuungsgerichtstag-West sind folgende Sätze zu entnehmen: „Freiheitseinschränkende Maßnahmen müssen nicht sein. Einer Initiative von Betreuungsgericht und Betreuungsbehörde im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist es zu verdanken, dass die Pflegeeinrichtung dort innerhalb von zwei Jahren nahezu fixierungsfrei geworden sind.“

Demgegenüber lässt sich aus einer Veröffentlichung des AGP (Alter, Gesellschaft, Partizipation. Institut für angewandte Sozialforschung, Freiburg) entnehmen, dass das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Projekt „Reduzierung freiheitseinschränkender Maßnahmen“ (ReduFix’ 2004–2006) zeigen konnte, dass innerhalb des Untersuchungszeitraums bei bis zu 20 % der betroffenen Heimbewohner und Heimbewohnerinnen auf den Einsatz von freiheitsbeschränkenden Maßnahmen verzichtet oder zumindest die Anwendung zeitlich reduziert werden konnte. Es wurden wirksame Alternativen entwickelt und getestet.

Selbst wenn bei jedem fünften Heimbewohner freiheitseinschränkende Maßnahmen durch Alternativen vermieden werden könnten, gibt es dennoch zahlreiche Heimbewohnerinnen und Heimbewohner, zu deren Schutz diese Maßnahmen notwendig sind.

Insofern ist es sehr wichtig, dass die Maßnahmen sachgerecht durchgeführt werden und auch die behandelnden Arzte eine fachlich beratende, evaluierende Funktion behalten.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0376a

Walter Endrikat, Hofholzallee 66, 24109 Kiel

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Berzlanovich AM, Schöpfer J, Keil W: Deaths due to physical restraint. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(3): 27–32. VOLLTEXT
1.Berzlanovich AM, Schöpfer J, Keil W: Deaths due to physical restraint. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(3): 27–32. VOLLTEXT

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