ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2012Online-Pressespiegel: Zitieren statt Kopieren

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Online-Pressespiegel: Zitieren statt Kopieren

Dtsch Arztebl 2012; 109(20): A-1034 / B-894 / C-884

Frädrich, Andreas

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Wer Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel über das Unternehmen auf der Klinik-Homepage veröffentlichen will, sollte vorab klären, wer Rechteinhaber ist, und zuvor die Zustimmung zur geplanten Online-Nutzung einholen.

Vorsicht bei „Copy & Paste“ von urheberrechtlich geschützten fremden Quellen – die Verwendung etwa in Online-Pressespiegeln kann teuer werden. Foto: Fotolia/kebox
Vorsicht bei „Copy & Paste“ von urheberrechtlich geschützten fremden Quellen – die Verwendung etwa in Online-Pressespiegeln kann teuer werden. Foto: Fotolia/kebox

Es geht um die Vervielfältigung eines Werkes für gewerbliche Zwecke im Internet. „Die Aufführung zeigte Peter Schöne auf der Höhe seines Schaffens.“ Nachdem der Erfurter Opernsänger Zeitungskritiken kommentarlos auf seine Homepage eingestellt hatte, folgte prompt die Rechnung: Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berechnete dem Künstler erst einmal nachträglich 2 400 Euro. Der Bariton war erbost: So ruiniert man diejenigen, über die man schreibt . . .

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Keine Win-win-Situation

Zeitungsverleger betrachten es als Angriff auf das Geschäftsmodell der Zweitverwertung und vor allem als Urheberrechtsverletzung, Beauftragte für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind dagegen verunsichert, wenn es um Online-Pressespiegel geht: Man wirbt doch für sich und gleichzeitig für die Zeitung – eigentlich eine Win-win-Situation. Am liebsten würde man in der Pressestelle alle entsprechenden Zeitungsausschnitte oder Radio- und Fernsehmitschnitte auf der Homepage einstellen, in einem jedermann zugänglichen Online-Pressespiegel.

Presseveröffentlichungen sind eine starke Referenz. Natürlich möchte man ein positives Image auch den eigenen Kunden kommunizieren. Aber: Zeitungsberichte einscannen und hochladen – so einfach geht es nicht. Der Blick ins Urheberrecht, die Rechtsprechung und in die Praxis sorgt im digitalen Zeitalter für Unsicherheiten. Kopien von gedruckten Artikeln (zum Beispiel als geschütztes PDF) in Online-Pressespiegeln werden toleriert, aber das Kopieren und die Veröffentlichung von „ganzen“ Texten – eine Volltexterfassung – ist gefährlich respektive gebührenpflichtig. Die elektronische Übermittlung eines In-House-Pressespiegels, also in Form einer betriebs- beziehungsweise behördeninternen Verbreitung und zum sonstigen eigenen Gebrauch, ist wiederum unproblematisch.

Grundsätzlich sind Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Kritiken, Kommentare, Berichte und Interviews sowie Abstracts regelmäßig urheberrechtlich geschützt. Um die Vervielfältigung und Verbreitung im Rahmen eines Online-Pressespiegels rechtssicher zu gestalten, ist die Zustimmung des Urhebers beziehungsweise des jeweiligen Rechteinhabers, meist eines Verlages, erforderlich. Andernfalls droht die Geltendmachung von Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen durch den Berechtigten. Das kann der jeweilige Verlag sein, in dessen Publikation der Artikel erschienen ist, und/oder der Autor, bei Artikeln mit Fotos auch der Fotograf.

Urheber- und Quellenangaben

Der einfachste Weg zum eigenen Online-Pressespiegel ist die Nachfrage beim jeweiligen Verlag beziehungsweise in der Redaktion. Dort lässt sich in Erfahrung bringen, inwieweit Clippings (Ausschnitte) verwendet werden dürfen und ob eine Vergütung zu zahlen ist. Natürlich müssen in jedem Fall die dazugehörigen Urheber- und Quellenangaben veröffentlicht werden. Hat man sich mit dem Urheber des Textes oder Bildes geeinigt, entstehen keine weiteren Ansprüche einer Verwertungsgesellschaft.

Die Wiedergabe von Auszügen (Presseschau) ist dagegen gebührenfrei möglich. Stellen eines geschützten Werkes dürfen unter Angabe der Quelle wörtlich zitiert werden, wenn und soweit dies durch den Zweck der eigenen Darstellung geboten ist. Dabei muss das entsprechende Werk bereits veröffentlicht worden sein. Die Wiedergabe des fremden Werkes als Zitat erfolgt zu Zwecken des Belegens eines eigenen selbstständigen Werkes und darf nicht um ihrer selbst willen erfolgen. Ein Zitat muss als solches kenntlich gemacht werden.

Entsprechende externe Verlinkungen, zum Beispiel in Form von „deep links“ – etwa auf einen Artikel im Online-Archiv des Deutschen Ärzteblattes unter www.aerzteblatt.de – sind erlaubt. Allerdings aktualisieren viele Medienanbieter ihre Online-Archive auch kurzfristig. Externe Verlinkungen müssen daher immer wieder daraufhin kontrolliert werden, ob sie noch funktionieren.

Andreas Frädrich,
Pressesprecher der Klinik Bavaria

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