ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2012Romy Schneider: Zwischen Starruhm und Tragik

KULTUR

Romy Schneider: Zwischen Starruhm und Tragik

Dtsch Arztebl 2012; 109(20): A-1039 / B-897 / C-887

Wanner, Ernst

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In den späten Fotos von Robert Lebeck, aufgenommen in Quiberon in der Bretagne, sieht man eine von Krankheit gezeichnete Frau, die kurz darauf im Alter von 43 Jahren stirbt. Foto: Robert Lebeck/Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
In den späten Fotos von Robert Lebeck, aufgenommen in Quiberon in der Bretagne, sieht man eine von Krankheit gezeichnete Frau, die kurz darauf im Alter von 43 Jahren stirbt. Foto: Robert Lebeck/Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn

Mehr als 800 authentische Zeugnisse dokumentieren Leben und Werk der Künstlerin.

Der Starruhm der jungen Romy Schneider in den Sissi-Filmen und ihr internationaler Erfolg sind wohlbekannt. Weniger bekannt ist, dass dieser Erfolg in den letzten Lebensjahren von einer tief verzweifelten, alkohol- und tablettenabhängigen Frau errungen wurde. Beide Seiten dieser außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit reflektiert zurzeit eine Ausstellung der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle. Mehr als 800 authentische Zeugnisse dokumentieren Romy Schneiders Leben und Werk. Der 30. Todestag der Künstlerin im Mai 2012 war Anlass zu der Zusammenarbeit der Bundeskunsthalle mit der Deutschen Kinemathek Berlin und der Akouna in Paris.

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Die Kinderjahre sind ebenso wenig ausgespart wie die familiäre Konstellation mit der übermächtig sich in den Vordergrund spielenden Mutter Magda Schneider und dem Stiefvater Hans Herbert Blatzheim. Originalzeugnisse und sorgfältig geführte Hefte leiten die Dokumentation ein. Ausgesprochen filmisch folgen dann die Jahre 1955 bis 1957 mit den drei Sissi-Filmen des österreichischen Regisseurs Ernst Marischka. Die Sissi-Filme wurden zu den kommerziell erfolgreichsten deutschsprachigen Filmen. Umso überraschter war ihr Publikum in Deutschland, als Romy Schneider einen bereits geplanten vierten Sissi-Film ablehnte. Stattdessen ging sie 1958 nach Paris, drehte mit Alain Delon den Film „Christine“, und begann mit Delon eine private Beziehung.

Die Weltkarriere der Schauspielerin spiegelt sich in zahlreichen Werk- und Szenenfotos wider. Auch ganze Filmausschnitte, Tondokumente und Interviews verdeutlichen noch heute Romy Schneiders Ausstrahlung. Dazu tragen die zahlreichen Plakate, Titelseiten der internationalen Presse sowie die Originalkostüme aus den Filmen und andere persönliche Gegenstände aus dem Nachlass der Künstlerin bei. Unter den zahlreichen Originalbriefen ragt der bisher unbekannte Briefwechsel mit Rainer Werner Fassbinder heraus. Unvergesslich ist die auf großer Leinwand gezeigte Anfangsszene des Films „Die Dinge des Lebens“, in der ihr Partner Michel Piccoli auf der Landstraße in ein quer stehendes landwirtschaftliches Fahrzeug rast. Sein Wagen, ein Alfa Romeo der 60er Jahre steht direkt unter der Filmleinwand.

Mit Verblüffung nimmt man zur Kenntnis, in wie wenigen Jahren eine Weltkarriere mit zahlreichen künstlerischen Facetten trotz ungeheurer Schicksalsschläge möglich wurde. Der Suizid ihres ersten Ehemannes, Harry Meyen, und vor allem der schreckliche Unfalltod ihres Sohnes David überschatteten ihr Leben. Darin sind sicherlich auch die Ursachen der Suchtkrankheit und ihres offensichtlichen Verfalls zu suchen. Ein in voller Länge gezeigtes Interview kurz vor ihrem Tod kann man nicht ohne Erschütterung sehen. Verstärkt wird diese noch durch die in einem separaten Raum gezeigten Fotosequenzen zweier berühmter Fotografen. Auf den frühen Bildern von Franz Xaver Lederle ist die Ausstrahlung des naiv unschuldigen und munteren Teenagers zu bewundern. In den späten Fotos von Robert Lebeck sieht man eine von Krankheit gezeichnete Frau.

Ernst Wanner

Informationen

Die Ausstellung „Romy Schneider“ ist bis zum 24. Juni in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museumsmeile, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn, zu sehen. Informationen unter Telefon: 0228 9171-200; info@bundeskunsthalle.de; www.bundeskunsthalle.de . Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs 10 bis 21 Uhr, donnerstags bis sonntags 10 bis 19 Uhr. Montags geschlossen. Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Ein ansprechendes Fotobuch – statt eines Katalogs – kostet 11,90 Euro.

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