ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2012Börsebius: Trau, schau, wem

GELDANLAGE

Börsebius: Trau, schau, wem

Dtsch Arztebl 2012; 109(20): A-1043 / B-899 / C-891

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Drei Topthemen gab es im Wonnemonat Mai in der Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“, die bekanntlich jeden ersten Samstag im Monat für die Leser des Deutschen Ärzteblattes stattfindet. Da waren erst einmal die bevorstehenden Wahlen in Frankreich und Griechenland, deren Ausgang mit großer Sorge gesehen wurde.

Wir wissen mittlerweile, dass die Befürchtungen zumindest in Griechenland durchaus real geworden sind, zu schlimm wirkt hier der Sieg der maßlosen Kräfte und Sparhasser auf Europas Zukunft. Der Sieg des Sozialisten François Hollande dürfte, für sich alleine betrachtet, dagegen vergleichsweise wenig Turbulenzen in die Finanzmärkte bringen. Dazu ist der neue Staatspräsident viel zu sehr in Sachzwänge eingebunden und in Sachen „erst denken, dann tönen“ gegenüber seinem Amtsvorgänger eh privilegiert.

Ebenso viele Anrufer plagte die Frage, wie sie es denn in Sachen SEB-Immoinvest halten sollten. Der eingefrorene Immobilienfonds sollte an nur einem einzigen Tag, dem 7. Mai, für die Anleger geöffnet werden, und die Anleger mussten dem Fondsmanagement ihre Entscheidung, raus aus dem Immoinvest oder eben drinbleiben, mitteilen (siehe Börsebius, DÄ, Heft 19/2012). Es kam natürlich so, wie es kommen musste: Die Rückgabewünsche sprengten alle verfügbaren Geldbestände des Fonds, und so geht das Dickschiff der Branche nun doch in die erwartete Abwicklung. Ein richtig gruseliges Kapitel findet sein Ende mit Schrecken.

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Thema Nummer drei, aber genauso top, waren die aktuellen Tages- und Festgeldangebote. Hier fragten die Anrufer immer wieder nach der VTB-Direktbank. In letzter Zeit hat sich diese Bank mit Kampfzinsen von 2,7 Prozent für Tagesgeld sehr publikumswirksam ins Gespräch gebracht und bietet mittlerweile 2,5 Prozent an, was immer noch für die Spitzengruppe der Branche neben ING-Diba, Bank of Scotland und Santander reicht.

Wer oder was ist die VTB-Direktbank? Es handelt sich hier um eine Tochter der österreichischen VTB-Bank, die wiederum zur zweitgrößten russischen Bankengruppe gehört. Deutschland-Chef der VTB-Direktbank ist Michael Kramer, der schon bei der isländischen Pleitebank Kaupthing die Anleger mit fetten Superzinsen lockte. Eben so lange, bis die Bank mit großem Getöse zusammenbrach.

Die Bank zu wechseln, mag ja ein gangbarer Weg sein, der Mann muss ja auch irgendwie seine Brötchen verdienen. Es gibt ja auch Geldinstitute, die sogar ihren Namen geändert haben, um sich irgendwie ein besseres Image zu beschaffen, erinnert sei an die wundersame Wandlung der Citibank in Targobank. Merke aber: Rattenfänger bleibt Rattenfänger. Wer hohe Zinsen bezahlt, ist noch lange kein Wohltäter. Erwiesenermaßen. Trau, schau, wem.

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