ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2012Verdacht auf Appendizitis: Radiologische Diagnostik auch mit Low-dose-CT sicher

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Verdacht auf Appendizitis: Radiologische Diagnostik auch mit Low-dose-CT sicher

Dtsch Arztebl 2012; 109(20): A-1029 / B-886 / C-878

Siegmund-Schultze, Nicola

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Bei Verdacht auf eine akute Appendizitis sind Sonographie und Computertomographie (CT) die wichtigsten bildgebenden Verfahren. Da es bei der Röntgendiagnostik keine Schwellendosis gibt, ab der ein karzinogener Effekt ausgeschlossen werden kann, sollte die Strahlendosis vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen so gering wie möglich sein.

Ein Team aus Radiologen und Pathologen aus Südkorea hat in einer prospektiven verblindeten Studie untersucht, ob die Low-dose-CT einem CT mit normaler Strahlendosis unterlegen ist. 891 Kinder und Erwachsene (15 bis 44 Jahre) mit Verdacht auf Appendizitis wurden in zwei Gruppen (Durchschnittsalter 29 und 30 Jahre) randomisiert: Die radiologische Diagnostik erfolgte mit Low-dose-CT (effektive Dosis ≤ 2 mSievert [Sv]) oder im CT mit normaler Strahlendosis (effektive Dosis ≤ 8 mSv), und zwar jeweils kontrastmittelverstärkt. War durch eine der beiden Untersuchungen keine klare Diagnose möglich, konnten eine Sonographie oder bei initialer Low-dose-CT eine Standard-CT angeschlossen werden.

Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, bei denen die Pathologen nach Appendektomie feststellten, dass die Appendix nicht entzündet war (negative Appendektomie). Sekundäre Endpunkte waren Appendixperforation bei gesicherter Appendizitis und eine weitere Bildgebung nach intialer CT.

Bei 172 von 444 Patienten aus der Low-dose-Gruppe (Durchschnittsalter 29 Jahre) wurde die Appendix chirurgisch entfernt und bei 186 von 447 aus der Standard-CT-Gruppe (Durchschnittsalter 30 Jahre). Die Rate der negativen Appendektomien betrug 3,5 % in der Low-dose-Gruppe und 3,2 % unter Standard-CT (n. s.). Ebenfalls nicht-signifikant waren die Unterschiede im Anteil der Patienten, bei denen eine zweite Bildgebung für die Diagnose erforderlich war (3,2 vs. 1,6 %; p = 0,09) und bei der Perforationsrate (Low-dose- vs. Standard-CT 26,5 vs. 23,3 %).

Fazit: Bei Verdacht auf eine Appendizitis liefert eine kontrastmittelverstärkte CT bei reduzierter Strahlendosis ein vergleichbar gutes diagnostisches Ergebnis wie eine Standard-CT. Die Autoren der Publikation merken allerdings an, dass in ihrer Studie die meisten Patienten (> 80 %) einen Body-mass-Index (BMI) von maximal 24,9 hatten. „Eine Dosisreduktion bei Normalgewichtigen mit einem BMI bis 25 führt oft zu keiner signifikant schlechteren Bildqualität“, kommentiert Priv.-Doz. Dr. med. Christopher Bangard, Leitender Oberarzt am Institut für Radiologische Diagnostik der Uniklinik Köln. Die Studienergebnisse ließen sich daher nicht direkt auf Übergewichtige und Adipöse übertragen. Da die Strahlenempfindlichkeit erst um das 35. Lebensjahr deutlich abnehme, müsse die rechtfertigende Indikation für den Einsatz von Röntgenstrahlen weiterhin eng gestellt werden. „Sollte eine Sonographie nicht wegweisend sein, kann bei Normalgewichtigen entsprechend der aktuellen Studie Strahlendosis eingespart werden“, sagt Bangard.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Kim K, Kim YH, Kim SY, et al.: Low-dose abdomianl CT for evaluating suspected appendicitis. NEJM 2012; 366: 1596–605. MEDLINE

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