ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2012Brentuximab Vedotin: Option für vorbehandelte Patienten

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Brentuximab Vedotin: Option für vorbehandelte Patienten

Dtsch Arztebl 2012; 109(20): A-1041

Vetter, Christine

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Das neuartige Antikörper-Wirkstoff-Konjugat erreicht eine hohe Remissionsrate bei Morbus Hodgkin und beim anaplastisch großzelligen Lymphom.

Mit Brentuximab Vedotin wird wahrscheinlich noch in diesem Jahr ein neues Therapieprinzip zur Behandlung des Hodgkin-Lymphoms wie auch des anaplastischen großzelligen Lymphoms (ALCL) verfügbar werden. Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat besteht aus einem monoklonalen Anti-CD30-Antikörper und dem Zytostatikum Monomethyl-Auristatin (MMAE), die über eine neuartige Linkertechnologie miteinander verbunden sind. Durch den Linker bleibt das Zytostatikum in der Blutbahn stabil und wird erst nach der Bindung an die für Hodgkin-Lymphome und ALCL charakteristischen CD30-positiven Tumorzellen als Konjugat internalisiert. Dabei wird der Linker durch lysosomale Enzyme gespalten und das Zytostatikum freigesetzt.

„Es handelt sich somit um eine zielgerichtete Immuntherapie“, erklärte Prof. Dr. med. Andreas Engert, Universitätsklinik Köln. Er sieht eine Indikation für Brentuximab Vedotin bei Patienten mit Hodgkin-Lymphom, welche nach einer Hochdosischemotherapie und Stammzelltransplantation ein Rezidiv entwickeln: „Schon in den ersten klinischen Studien zeigte Brentuximab Vedotin bei solchen intensiv vorbehandelten Patienten eine höchst eindrucksvolle Wirksamkeit“, berichtete der Hämatologe. Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat wird in einer Dosierung von 1,8 mg/kg Körpergewicht alle drei Wochen intravenös verabreicht.

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In einer Phase-II-Studie wurden 102 Hodgkin-Patienten mit Rezidiv nach Stammzelltransplantation mit dem Regime behandelt. Die Ansprechrate betrug 94 Prozent, und 75 Prozent der Patienten erreichten eine komplette oder partielle Remission. „Bemerkenswert war vor allem die mit 34 Prozent hohe Rate an kompletten Remissionen“, betonte Engert. Brentuximab Vedotin wurde nach seinen Ausführungen zudem gut vertragen, die Substanz erwies sich als „äußerst effektiv und nebenwirkungsarm“. Sie habe offenbar das Potenzial, die Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten mit Hodgkin-Lymphom deutlich zu verbessern, meinte der Kölner Mediziner.

Bald neuer Standard bei rezidiviertem ALCL?

Vergleichbar günstig sind die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit ALCL, wie Prof. Dr. med. Norbert Schmitz, Hamburg, in Frankfurt/Main darlegte. Das belegt eine Phase-II-Studie mit 58 Patienten mit rezidiviertem ALCL, in der eine Ansprechrate von 86 Prozent resultierte. 57 Prozent der Patienten erreichten eine komplette Remission, die im Median länger als ein Jahr anhielt. „Damit gewinnen wir Zeit, um für geeignete Patienten effektive Anschlussbehandlungen wie eine autologe oder allogene Transplantation zu planen“, sagte Schmitz.

Die Nebenwirkungen der Behandlung mit Brentuximab Vedotin waren nach seinen Angaben geringer als diejenigen, die mit jeder konventionellen Therapie zu erwarten gewesen wären. Es ist aus Sicht des Hämatologen zu erwarten, dass sich das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat nach der Zulassung rasch zu einer neuen Standardtherapie bei Patienten mit rezidiviertem ALCL entwickelt. In den USA ist das Konjugat, das in Partnerschaft mit dem Biotechnologieunternehmen Millennium entwickelt wurde, bereits beschleunigt zugelassen worden.

Christine Vetter

Pressegespräch „Takeda Pharma – liegt die Zukunft in der Onkologie?“, Frankfurt am Main

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