ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2012Migräne: Bessere Schmerzkontrolle durch frühe Einnahme von Triptanen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Migräne: Bessere Schmerzkontrolle durch frühe Einnahme von Triptanen

Dtsch Arztebl 2012; 109(20): A-1029 / B-886 / C-878

Gulden, Josef

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Triptane sind die am häufigsten gegen Migräne eingesetzten Medikamente. Aber weniger als die Hälfte der Patienten wird damit in zwei von drei Migräneattacken binnen zweier Stunden komplett schmerzfrei. Es gibt Daten, wonach das eher gelingt, wenn die Patienten die Medikamente früh einnehmen, also solange die Schmerzen noch leicht sind. Möglicherweise wird dadurch die Sensibilisierung der zentralen Schmerzneurone verhindert.

Ob das auch in der täglichen Praxis gelingt, sollte die französische TEMPO-Studie eruieren: In die Studie wurden unter Praxisbedingungen 210 Migränepatienten eingeschlossen, die regelmäßig Triptane einnahmen. In der ersten Phase der Studie, für die Daten von 144 Patienten verfügbar sind, sollte jeder seine Medikamente wie gewohnt anwenden: 79 Patienten taten das „früh“, d. h. weniger als eine Stunde nach Beginn der Symptomatik; von ihnen waren 52,8 % bei wenigstens 2 von 3 Attacken nach 2 Stunden schmerzfrei. Bei den übrigen 65 Patienten, den „Spätdosierern“, d. h. die mit der Medikation mindestens eine Stunde warteten, waren es nur 19 (30,2 %; p < 0,01).

In der zweiten Studienphase sollten die ursprünglichen „Spätdosierer“ nun auch ihre Medikamente weniger als eine Stunde nach Schmerzbeginn einnehmen: 42 Patienten folgten diesem Rat des behandelnden Arztes und erhöhten dadurch ihre Schmerzfreiheitsrate nach 2 Stunden von 38,1 % auf 53,7 % (p < 0,05; Tabelle).

Anteil der Patienten, die mindestens zwei von drei konse kutiven Migräneattacken in beiden Phasen der Studie behandelten und schmerzfrei wurden (42 von 65 Spätdosierern aus Phase I wechselten in Phase II auf eine frühe Dosierung)
Tabelle
Anteil der Patienten, die mindestens zwei von drei konse kutiven Migräneattacken in beiden Phasen der Studie behandelten und schmerzfrei wurden (42 von 65 Spätdosierern aus Phase I wechselten in Phase II auf eine frühe Dosierung)

Fazit: Diese Resultate bestätigen, wie wichtig es ist, Migränepatienten adäquat zum Timing ihrer Medikamenteneinnahme zu informieren, sagte Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen: Die häufigste Ursache für eine vermeintliche Unwirksamkeit der Triptane sei eine zu späte Einnahme. Daher sollte man Non-Responder für ein Triptan immer fragen, wann sie das Medikament nach Beginn der Attacke einnehmen. Durch den einfachen Rat, das Triptan früher zu nehmen, ließen sich offenbar die Behandlung optimieren und die Kontrolle der Kopfschmerzen signifikant verbessern. Josef Gulden

Lantéri-Minet M, et al.: Early dosing and efficacy of triptans in acute migraine treatment: The TEMPO study. Cephalalgia 2012; 32: 226–35. MEDLINE

Anteil der Patienten, die mindestens zwei von drei konse kutiven Migräneattacken in beiden Phasen der Studie behandelten und schmerzfrei wurden (42 von 65 Spätdosierern aus Phase I wechselten in Phase II auf eine frühe Dosierung)
Tabelle
Anteil der Patienten, die mindestens zwei von drei konse kutiven Migräneattacken in beiden Phasen der Studie behandelten und schmerzfrei wurden (42 von 65 Spätdosierern aus Phase I wechselten in Phase II auf eine frühe Dosierung)

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Petle
am Donnerstag, 24. Mai 2012, 07:37

Nicht heilen aber lindern ohne Medis

Spannend, wie wichtig der Zeitpunkt der Einnahme von Medis sein kann. Jedoch wird meiner Meinung nach viel zu oft zu Tabletten und Medikamenten gegriffen. Oftmals könnten die Schmerzen auch auf natürliche Art gelindert werden. Auch meine Freundin ist betroffen und leidet öfters unter Migräne, natürlich besonders bei Wetterumstellung bekommt sie es noch mehr zu spüren. Wie ich weiss, geht es ihr wesentlich besser mit regelmässigem leichtem Sporttreiben. Da sie so wenige Medis wie möglich einnehmen will, hat sie ein tolles natürliches Produkt entdeckt und ist begeistert davon: das Akupressur Eisband Salvacold lindert die Schmerzen mit Hilfe von Kälte und Akupressur deutlich. Es wird wie ein normales Stirnband getragen. Der grosse Vorteil ist, dass die Hände dabei frei sind und man sich nicht zwingend hinlegen muss. Für Menschen, die häufig unter Migräne oder Kopfschmerzen leiden, sicher eine wertvolle Unterstützung im Alltag. Natürlich ersetzt salvacold die Tabletten nicht vollkommen, jedoch können auf diese oftmals verzichtet werden oder aber der Schmerz wird zusätzlich gelindert. Und für mich wirkt das Band sehr entspannend nach einem intensiven Tag - auch ohne Kopfschmerzen!
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