ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2012Paracelsus-Medaille 2012: Auszeichnung für Vorbilder und Querdenker

PARACELSUS-MEDAILLE

Paracelsus-Medaille 2012: Auszeichnung für Vorbilder und Querdenker

Dtsch Arztebl 2012; 109(21): A-1097 / B-943 / C-935

Hibbeler, Birgit

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Beim 115. Deutschen Ärztetag Ende Mai in Nürnberg sind vier verdiente Persönlichkeiten mit der höchsten Auszeichnung der Ärzteschaft geehrt worden.

Vorder- und Rückseite der Paracelsus-Medaille
Vorder- und Rückseite der Paracelsus-Medaille

Manchmal kommen Traditionen etwas verstaubt daher. Die Paracelsus-Medaille wird seit dem 56. Deutschen Ärztetag 1952 in Berlin verliehen – meistens an ältere Herren in dunklen Anzügen. Wer sich aber einmal genauer mit der höchsten Auszeichnung der Ärzteschaft befasst, der stellt fest: Diese Ehrung ist mit einer wichtigen und dauerhaft aktuellen Frage verbunden. Was macht den Arztberuf zu einem besonderen Beruf? Was unterscheidet einen Arzt von einem Handwerker oder Controller? Das Zitat auf der Rückseite der Medaille gibt die Antwort: „Der höchste Grund ist die Liebe.“ Der Arztberuf ist nicht nur eine Tätigkeit. Es geht um eine Haltung.

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„Ärzte sind keine Kaufleute, Patienten sind keine Kunden“ – das ist ein Grundsatz, den Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe den Ärztinnen und Ärzten mit auf den Weg gegeben hat. Dem langjährigen Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer wurde die Paracelsus-Medaille beim 115. Deutschen Ärztetag in Nürnberg posthum verliehen. Er war im November 2011 gestorben, hatte die Auszeichnungen auf dem letzten Ärztetag in Kiel noch selbst überreicht. Hoppe war sicherlich eine herausragende Persönlichkeit der Ärzteschaft der vergangenen Jahre – verbindend und unbequem zugleich.

Die Paracelsus-Medaille, die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft, bekommt nur, wer sich besondere Verdienste um das Gesundheitswesen, die Patientenversorgung, die ärztliche Selbstverwaltung und das Gemeinwohl erworben hat. Namensgeber für die Medaille ist der Arzt und Gelehrte Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493–1541). Für ihn stand fest: Dem Arztberuf liegt eine ganz spezielle Motivation zugrunde.

Paracelsus war ein herausragender Gelehrter und steht für den Wendepunkt zwischen mittelalterlicher und neuzeitlicher Medizin. Er vertrat eine neue Sichtweise der ärztlichen Heilkunde: weg vom Allgemeinen, von der Idee und von der Büchergelehrtheit hin zum Konkreten, zum Patienten. Er vertraute auf den Tatsachenbefund, nicht auf abstrakte Lehren von Autoritäten. Er scheute sich nicht, die vorherrschende Meinung infrage zu stellen – wie die der Viersäftelehre. Er war einer der Ersten, die Vorlesungen in deutscher Sprache hielten, und wird deshalb auch als „Luther der Medizin“ bezeichnet.

Heute wird die nach Paracelsus benannte Medaille in der Regel einmal im Jahr an Ärzte verliehen, die sich Verdienste um das Ansehen des Arztberufs erworben haben. Beim Deutschen Ärztetag in Nürnberg zeichnete Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages, vier Ärzte mit der Paracelsus-Medaille aus (siehe Kasten). Auf den folgenden Seiten befinden sich Porträts der Preisträger. Es handelt sich um Kurzfassungen der Laudationes, die zur Verleihung erstellt wurden.

Dr. med. Birgit Hibbeler

@Die ausführlichen Laudationes: www.aerzteblatt.de/paracelsus-medaille

Träger der Paracelsus-Medaille 2012

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe († 71), Facharzt für Pathologe und Allgemeinmedizin aus Düren, langjähriger Präsident der Bundes­ärzte­kammer und der Ärztekammer Nordrhein.

Dr. med. Winrich Mothes (76), Facharzt für Chirurgie und Kinderchirurgie aus Schwerin, bis 2011 Vizepräsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern.

Dr. med. Joachim Koch (73), Facharzt für Allgemeinmedizin aus Pleidelsheim, ehemaliger Vorsitzender der Finanzkommission der Bundes­ärzte­kammer.

Prof. Dr. med. Hans-Bernhard Wuermeling (85), emeritierter Ordinarius für Rechtsmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg, Experte für medizinethische Fragen.

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