ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2012Jörg-Dietrich Hoppe †: Verbindende Kraft

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Jörg-Dietrich Hoppe †: Verbindende Kraft

Dtsch Arztebl 2012; 109(21): A-1098 / B-944 / C-936

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Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe (†) hat die Arbeit der Bundesärztekammer geprägt. Er war eine herausragende Persönlichkeit – ausgleichend und zugleich unbequem. Foto: Erdmenger/ÄkNo
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe (†) hat die Arbeit der Bundes­ärzte­kammer geprägt. Er war eine herausragende Persönlichkeit – ausgleichend und zugleich unbequem. Foto: Erdmenger/ÄkNo

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe (†) hat die Arbeit der Bundes­ärzte­kammer geprägt. Er war eine herausragende Persönlichkeit – ausgleichend und zugleich unbequem.

Als Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe im November 2011 starb, war die Anteilnahme überwältigend. Dabei war es gerade Hoppe, der in den vergangenen Jahren Ärzte, Politiker und die gesamte Öffentlichkeit immer wieder mit unbequemen Wahrheiten konfrontierte. Wichtige Debatten gehen auf ihn zurück, wie etwa die über die Öko­nomi­sierung der Medizin und eine versteckte Rationierung. Ein besonderes Anliegen waren ihm darüber hinaus ethische Fragestellungen und die Förderung der Palliativmedizin. Durch seinen Einsatz und seine Persönlichkeit erwarb er sich breite Anerkennung, so dass er oft als „Integrationsfigur“ der Ärzteschaft bezeichnet wurde.

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Jörg-Dietrich Hoppe wurde am 24. Oktober 1940 in Thorn an der Weichsel als Sohn eines Studienrats geboren. Als Kind musste er mit seiner Familie fliehen. 1960 legte er in Köln die Abiturprüfung ab und schrieb sich dort für das Fach Humanmedizin ein. Nach dem Studium war er unter anderem am Städtischen Krankenhaus Solingen tätig. 1975 erwarb er die Facharztbezeichnungen für Pathologie und Allgemeinmedizin, wechselte später in die Pathologie des Krankenhauses Düren. Dort war er zunächst als Oberarzt tätig, dann von 1982 bis 2006 als Chefarzt. Die Universität zu Köln ernannte ihn zum Honorarprofessor.

Schon als junger Arzt begann Hoppe sich für die Belange seiner Kollegen einzusetzen. Geprägt wurde sein Engagement sicherlich durch seinen Doktorvater und Chef, Prof. Dr. med. Ulrich Kanzow, einen der Mitbegründer des Marburger Bundes (MB). 1971 nahm Hoppe zum ersten Mal an einer MB-Haupt­ver­samm­lung teil. Schon im Jahr 1975 wurde er zweiter Vorsitzender der Ärztegewerkschaft. Darüber hinaus fungierte er viele Jahre als Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz. Von 1979 bis 1989 war er MB-Bundesvorsitzender.

Im Rahmen seines berufspolitischen Engagements übernahm Hoppe auch Aufgaben in der Kammerarbeit. 1975 wurde er zum Vizepräsidenten der Ärztekammer Nordrhein gewählt, 1993 zum Präsidenten. 1999 wurde er Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK). Dieses Amt hatte er bis 2011 inne, als er sich nicht mehr zur Wahl stellte.

In seiner Amtszeit als BÄK-Präsident hat Hoppe Außerordentliches geleistet. Mit seiner integren Art erwarb er sich den Respekt der Kolleginnen und Kollegen – über alle Fachgruppen und Verbände hinweg. Er stellte nie die eigene Person in den Vordergrund, sondern immer die Sache. Ein lautes Auftreten hatte er nicht nötig, um sich Gehör zu verschaffen. Vielmehr überzeugte er mit Argumenten. Bei den großen Ärzteprotesten 2006 stellte er sich an die Spitze der Bewegung. Auch das auf dem Ärztetag 2008 beschlossene Ulmer Papier trägt seine Handschrift. Hoppe hat immer wieder die Probleme im Gesundheitswesen beim Namen genannt. So wandte er sich gegen die Kostendämpfung, die die Rationierung im Endeffekt den Ärzten aufbürdet. Stattdessen plädierte er für eine Priorisierung.

Das Bestreben nach Ausgleich innerhalb der Ärzteschaft hinderte ihn nicht daran, mahnend auf seine Kollegen einzuwirken. „Ärzte sind keine Kaufleute, Patienten sind keine Kunden“, war sein entscheidender Grundsatz. Entsprechend warnte er eindringlich davor, mit individuellen Gesundheitsleistungen Missbrauch zu treiben. Dadurch sah er das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient bedroht. Seine christlich-humanistische Überzeugung zeigte sich darin, dass er zu ethischen Themen Stellung bezog. Dazu zählt insbesondere seine Ablehnung der Sterbehilfe und des ärztlich assistierten Suizids. Über viele Jahre setzte er sich für eine Förderung der Palliativmedizin ein.

Glaubwürdig, den richtigen Ton treffend, ausgleichend und zugleich unbequem: So wird Jörg-Dietrich Hoppe von Weggefährten beschrieben – auch von denen, die nicht seiner Meinung waren. Die Sitzungen bei Deutschen Ärztetagen hat er immer souverän geleitet und durch seinen feinsinnigen Humor bereichert. Er war ein umfassend interessierter Mensch. Zu erwähnen ist insbesondere seine Liebe zur Musik und zum Violinspiel.

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