ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2012Hans-Bernhard Wuermeling: Berater in Grenzfragen

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Hans-Bernhard Wuermeling: Berater in Grenzfragen

Dtsch Arztebl 2012; 109(21): A-1101 / B-947 / C-939

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Prof. Dr. med. Hans-Bernhard Wuermeling hat sich als Ethikexperte einen Namen gemacht. Außerdem war er Lehrstuhlinhaber für Rechtsmedizin in Erlangen-Nürnberg. Foto: PFARR
Prof. Dr. med. Hans-Bernhard Wuermeling hat sich als Ethikexperte einen Namen gemacht. Außerdem war er Lehrstuhlinhaber für Rechtsmedizin in Erlangen-Nürnberg. Foto: PFARR

Prof. Dr. med. Hans-Bernhard Wuermeling hat sich als Ethikexperte einen Namen gemacht. Außerdem war er Lehrstuhlinhaber für Rechtsmedizin in Erlangen-Nürnberg.

Wenn es schwierig wird, Position zu beziehen, dann braucht man Menschen wie Prof. Dr. med. Hans-Bernhard Wuermeling. Zu ethischen Fragen liefert er fundierte Stellungnahmen. Sein besonderes Interesse gilt den Themen In-vitro-Fertilisation, Sterbehilfe und Hirntod. Er ist Gründungspräsident der Akademie für Ethik in der Medizin. Viele Jahre war er Vorsitzender der Ethikkommission der Bayerischen Landes­ärzte­kammer und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Bundes­ärzte­kammer. 22 Jahre lang, bis zu seiner Emeritierung, hatte er den Lehrstuhl für das Fach Rechtsmedizin an der Universität Erlangen-Nürnberg inne.

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Hans-Bernhard Wuermeling wurde am 6. Februar 1927 in Berlin als ältester Sohn von Franz-Josef Wuermeling – dem ersten Bundesfamilienminister – geboren. Während des Krieges musste er im Alter von 14 Jahren sein Elternhaus verlassen, um nur wenig jüngere Jungen in einem Lager der Kinderlandverschickung zu betreuen. Später wurde er als Luftwaffenhelfer zum Schutz der Opelwerke in Rüsselsheim und der Remagener Rheinbrücke eingesetzt. Die letzten Kriegsmonate verbrachte er dank glücklicher Umstände bei seiner Familie.

Nach dem Krieg legte er in Linz am Rhein die Abiturprüfung ab und schrieb sich im Jahr 1946 für das Fach Humanmedizin ein. Er studierte in Marburg und Tübingen. Nach einigen Stationen – unter anderem als Pflichtassistent und Assistenzarzt – begann er 1957 eine Tätigkeit als Assistent am Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg. 1966 habilitierte er sich. In seiner Arbeit befasste er sich mit dem Thema „Alkoholresorption und Blutalkoholgehalt“. Er wurde Oberarzt und zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Im Jahr 1973 erhielt er schließlich einen Ruf auf den Lehrstuhl für Rechtsmedizin an der Universität Erlangen-Nürnberg. Das dortige Institut für Rechtsmedizin leitete er bis zu seiner Emeritierung 1995.

Herausragende Verdienste hat er sich besonders im Bereich der Medizinethik erworben. Außer mit Fragen zum ärztlichen Berufsethos befasste sich Wuermeling vor allem mit ethischen Grenzfragen, wie der Gentherapie, dem selektiven Fetozid sowie Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. Er legte eine Vielzahl von Veröffentlichungen und Abhandlungen zu den Themen vor. Zudem ist er Mitverfasser der Publikation „Christliche Patientenverfügung“ der evangelischen Landeskirche Bayern. Daneben war er für eine Reihe von Gremien tätig. Im Jahr 1986 wurde er zum Gründungspräsidenten der Akademie für Ethik in der Medizin in Göttingen gewählt. Das Amt des Präsidenten der Akademie hatte er bis zum Jahr 1988 inne.

Nicht zuletzt in der ärztlichen Selbstverwaltung war sein Sachverstand gefragt. Von 1988 bis 1999 war er Vorsitzender der Ethikkommission der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer. Weit über die Grenzen Bayerns hinaus hat er dieses Gremium verkörpert. Er steht für die Überzeugung, dass die Letztverantwortlichkeit des Arztes nie in den Schatten eines bürokratischen Genehmigungsmechanismus treten darf. Sowohl die Bayerische Lan­des­ärz­te­kam­mer als auch die Bundes­ärzte­kammer verdanken ihm eine fundierte Beratung. Von 1986 bis 2004 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundes­ärzte­kammer. In dieser Funktion war er an der Erarbeitung einer Vielzahl von Richtlinien beteiligt. Für die Politik war Wuermeling ebenfalls beratend tätig: Unter anderem war er von 1987 bis 1989 Mitglied im Nationalen Aids-Beirat.

Anerkennung und Respekt erwarb er sich, weil er sich gerade in schwierigen Situationen als verlässlicher Mitstreiter erwies. So war er 1992 Sprecher seiner Medizinischen Fakultät in Sachen „Erlanger Baby“. Dabei handelte es sich um den Fall einer hirntoten Schwangeren, die im Erlanger Universitätsklinikum ihr Kind austragen sollte.

Hans-Bernhard Wuermeling ist weiterhin in vielerlei Hinsicht aktiv. Er ist Leiter der Programmkommission der Katholischen Ärztearbeit Deutschlands. Darüber hinaus publiziert er Artikel über medizinische, aber auch nichtmedizinische Themen.

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